"Erhöhte US-Rezessionsgefahr": Eyb & Wallwitz Chefökonom über Trumps "Liberation Day"

Aktuell regiert an den Börsen die Unsicherheit. Trump hat am 2. April den „Liberation Day“ gefeiert und dabei hohe Zölle gegen alle wichtigen Handelspartner angekündigt. Für viele Unternehmer und Anleger hierzulande dürfte es eine unruhige Nacht gewesen sein. Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz analysiert in seinem aktuellen Kommentar die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen US-Politik und mögliche Implikationen für Anleger. Eyb & Wallwitz | 03.04.2025 10:03 Uhr
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz

Ein bemerkenswerter Jahresstart liegt hinter uns. In der Wirtschaftspolitik und an den Aktienmärkten sticht die positive Dynamik in Deutschland und Europa heraus sowie die negative Dynamik in den USA. An den Anleihemärkten haben wir die gegensätzliche Bewegung.

Europa hat vor allem auf der Finanzierungsseite einen Sprung nach vorne gemacht. In den USA hat die Trump-Administration wirtschaftspolitisch dagegen den Rückwärtsgang eingelegt und damit für reichlich Verunsicherung gesorgt. Hinter diesen Entwicklungen steht auch eine Weichenstellung, die für eine Adjustierung des Weltbildes spricht. Die Trump-Agenda führt in eine zunehmend transaktionale Welt, in der sich Handels- und Kapitalströme stärker an politischen Vorgaben orientieren. Kosten und idiosynkratische Risiken fallen dadurch höher aus. Das spricht für eine breitere regionale Streuung in der Anlage. Der US-Markt bleibt zwar zentral, Europa und Asien werden aber wichtiger.

Ausblick: Unsicherheit bremst US-Wirtschaft, Europa und China vor einem Zwischenspurt

Die Geschichte lehrt uns, dass die Stimmung an der Börse die fundamentale Entwicklung vor allem kurzfristig überzeichnet. Eine rasche Beruhigung und Rückkehr in die Wohlfühlphase der Jahre 2023 und 2024 scheint aber wenig wahrscheinlich, denn dafür fehlt nun das Vertrauen in einen glaubwürdigen Put für die Märkte durch die US-Regierung oder die US-Notenbank. Die Agenda der Trump-Administration wird also wohl weiter für Ungemach sorgen. Die Zollankündigungen am „Liberation Day“ gehen dabei deutlich über die Befürchtungen hinaus und erhöhen das Risiko einer US-Rezession. Gleichzeitig sind die Fundamentaldaten sowohl auf der makroökonomischen Seite als auch auf Seiten der Unternehmen noch sehr robust. Sollten die Zölle tatsächlich wie angekündigt steigen, sind ein Inflationsschub und eine deutliche Wachstumsverlangsamung nun aber sehr wahrscheinlich. Dies ist der ökonomische Preis für die höhere Unsicherheit und die aggressive Handelspolitik.

Mit Blick auf Europa sind die Hoffnungen deutlich gestiegen, dass die ambitionierten Fiskalpläne die Konsum- und Investitionsbedingungen nachhaltig verbessern und den Wirtschaftsraum auf einen höheren Wachstumspfad führen. Es dürfte sich aber rasch abzeichnen, dass diese Erwartungen vor allem kurzfristig überzogen sind. Das Wachstum im Euro-Raum wird nur dann spürbar profitieren, wenn parallel hierzu Strukturreformen angegangen werden, die das Arbeitsangebot stützen und flexibilisieren, die Kapitalmarktunion voranbringen und die Produktivität erhöhen. Sollte dies ausbleiben, dürfte ein erheblicher Teil der geplanten Impulse verpuffen oder sich in einem höheren Preisdruck zeigen. Die Umsetzungsrisiken der Weichenstellungen sind also auch in Europa erheblich. Insgesamt dürften sich positive Wachstumseffekte erst 2026 und 2027 zeigen. 2025 wird das Wachstum kaum über 1% hinausgehen. Und auch für Europa sind die Abwärtsrisiken mit den hohen Importzöllen in den USA gestiegen.

Positive wirtschaftspolitische Signale gibt es auch aus Asien. In Japan mehren sich die Zeichen, dass die Wirtschaft ihre langjährige Schwäche überwunden hat, was zu höheren Renditeerwartungen und einem Rückfluss von Kapital führt und in China scheint die Regierung zunehmend entschlossen, den heimischen Konsum wie auch das Exportgeschäft stärker zu stützen, auch um dem Druck aus den USA entgegenzuwirken.

Anlagestrategie – Auf Wachstumstrends und Infrastruktur setzen, regional breiter streuen und Duration und Kreditrisiko begrenzen

Die Wachstumsraten der USA, Europas und Asiens nähern sich also an, weshalb eine ausgeglichenere Anlageverteilung sinnvoll erscheint. Während große Wachstumstrends weiterhin dominieren, verlagert sich der Fokus regional von Technologie zu defensiveren Sektoren. Künstliche Intelligenz bleibt ein Produktivitätstreiber, während Infrastrukturinvestitionen durch politische Zyklen gestützt werden.

Aktienseitig sind die Bereiche Technologie, Gesundheit und Konsum besonders interessant. Europäische und asiatische Titel gewinnen an Attraktivität, besonders im Infrastruktur- und Verteidigungssektor.

Auf der Anleihenseite könnte eine breitere regionale Positionierung sinnvoll sein. Während die Renditen in Deutschland gestiegen sind, scheinen die Zinssenkungserwartungen in den USA übertrieben. Investment-Grade-Anleihen bleiben attraktiv, während High-Yield-Anlagen auf kurze Laufzeiten fokussiert werden sollten, um Risiken zu minimieren. Zudem bieten Länder wie Neuseeland, Australien und Japan interessante Anlagemöglichkeiten.

Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

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