Die Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sind zum Stillstand gekommen, wodurch die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Sich verschärfende Engpässe in den Lieferketten treiben die Inflationserwartungen weiter nach oben, während die Anleihemärkte entsprechend darunter leiden. Der Anstieg der Energiepreise hat im März auch den Handelsüberschuss des Euroraums belastet. Doch das ist nicht der einzige Faktor. Auch schwache Exporte haben zum schrumpfenden Handelsüberschuss beigetragen. Da die Importe in den kommenden Monaten voraussichtlich erhöht bleiben dürften, während sich die Konjunkturdaten weiter abschwächen, erwarten wir kurzfristig keine Verbesserung. Dies stellt einen vorübergehenden Gegenwind für den Euro dar.
In Großbritannien hat das Pfund Sterling bislang kaum auf die aktuelle Regierungskrise reagiert. Das könnte sich ändern. Das vergangene Jahrzehnt liefert zahlreiche Belege dafür, dass die Währung üblicherweise sehr sensibel auf innenpolitische Entwicklungen reagiert. Daher gehen wir davon aus, dass das Pfund weiter unter Abwärtsdruck geraten dürfte, sollte Premierminister Starmer einen Führungswettbewerb innerhalb der Labour Party verlieren.
Trotz der ausbleibenden Fortschritte zwischen den USA und dem Iran halten sich Risikoanlagen gut. Der Hauptgrund für die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte waren die Unternehmensgewinne, die weiterhin positiv überrascht haben. Wir sind jedoch der Ansicht, dass ein großer Teil der Gewinnrevisionen nach oben inzwischen eingepreist ist. Ein Sektor, der noch von einer positiven Entwicklung der Gewinnrevisionen profitieren könnte, ist das Gesundheitswesen. Nach seiner jüngsten Underperformance wird der Sektor nun erstmals seit Mitte 2025 durch eine Kombination aus attraktiven Bewertungen und positiven Gewinnrevisionen unterstützt.
Die Schließung der Straße von Hormus stellt eine weitaus größere Bedrohung dar als der Zollschock. Unser Chart der Woche zeigt, dass der globale Lieferkettenindex der New York Fed im April den höchsten Stand seit 2022 erreicht hat. Während sich die Lieferketten im vergangenen Jahr rasch angepasst haben, deutet der Index auf breitere Störungen in den globalen Lieferketten hin, die über den Anstieg der Energiepreise hinausgehen.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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