Schwächer als erwartete Verbraucherpreisdaten sprechen für vorsichtigeren Kurs der Bank of England

Die niedrigeren CPI-Daten aus Großbritannien deuten auf nachlassenden Inflationsdruck hin. Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price, analysiert, warum die Bank of England bei weiteren Zinsschritten vorsichtiger werden dürfte und was das für die Geldpolitik bedeutet. T. Rowe Price | 20.05.2026 12:23 Uhr
Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price
Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price

Die CPI-Daten für April fielen in mehreren Kategorien deutlich schwächer aus als erwartet. Die Gesamtinflation lag bei 2,8 % gegenüber einer Konsenserwartung von 3 %. Vor allem ging die Dienstleistungsinflation im April von 4,5 % im März auf 3,2 % zurück und lag damit unter der Erwartung von 3,5 %. Mit Ausnahme ölpreisbezogener Positionen fiel die Inflation auf breiter Basis schwächer aus als erwartet. Wichtig ist zudem: Die Kerninflation, auf die der geldpolitische Ausschuss der Bank of England, das Monetary Policy Committee (MPC), besonders achtet, war so niedrig wie seit April 2021 nicht mehr. Seit 2022 lag die Inflation in drei Vierteln der Zeit über 3 %. Trotz des Kriegs im Nahen Osten zeigt die heutige Veröffentlichung, dass die britische Wirtschaft endlich auf dem richtigen Pfad in Richtung Disinflation ist. Der Konflikt im Nahen Osten könnte den Disinflationsprozess zwar weiterhin stören und mittelfristig zu höherer Inflation führen. Die zugrunde liegende Schwäche der Wirtschaft dürfte den Inflationsdruck auf mittlere Sicht jedoch moderat halten.

Die veröffentlichten CPI-Daten haben wichtige Folgen für die Geldpolitik. Die Verbraucherpreisinflation lag in allen Kategorien unter den Prognosen der Bank of England im Bericht vom 30. April; die negative Überraschung gegenüber diesen Prognosen fiel deutlich aus. Zusammen mit den schwachen Arbeitsmarktdaten werden diese Zahlen der Bank of England zusätzlichen Grund zur Vorsicht geben. Der MPC schätzt das Potenzial für Zweitrundeneffekte als gering ein. Angesichts der bislang schwachen zugrunde liegenden Inflation im bisherigen Verlauf des Konflikts dürfte der MPC den Leitzins höchstens noch einmal anheben. Zugleich wird es zunehmend wahrscheinlicher, dass der Leitzins der Bank of England, die Bank Rate, lediglich auf dem aktuellen Niveau gehalten wird. Die Finanzmärkte überschätzen in Reaktion auf diesen Schock die Stärke der britischen Realwirtschaft. Der MPC wird den Leitzins sehr wahrscheinlich weniger stark anheben, als es die aktuellen Markterwartungen nahelegen.

Von Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price

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