Fed-Ausblick wird angesichts steigender Inflationsrisiken zunehmend zweigeteilt

T. Rowe Price sieht den Fed-Ausblick angesichts steigender Inflationsrisiken zunehmend zweigeteilt. Neben unveränderten Zinsen rücken auch mögliche Zinserhöhungen wieder stärker in den Fokus, da höhere Ölpreise, robuste US-Wachstumsdaten und vorgelagerter Preisdruck aus China die Verbraucherpreisinflation belasten könnten. T. Rowe Price | 28.05.2026 10:29 Uhr
Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price
Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price

"Mein wahrscheinlichstes Szenario lautet inzwischen, dass die Fed Funds Rate in den kommenden zwölf Monaten unverändert bleibt. Allerdings sehe ich die möglichen Ergebnisse zunehmend als zweigeteilt. Derzeit veranschlage ich die Wahrscheinlichkeit unveränderter Zinsen mit 45 %, die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen bis zum Jahresende oder Anfang 2027 mit 35 % und die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen mit 20 %.

Ausschlaggebend für diese veränderte Einschätzung sind die zunehmenden Aufwärtsrisiken für die Inflation. Seit Anfang Mai dauert der Iran-Konflikt länger an als erwartet, die Öl-Terminkurve hat sich nach oben verschoben, die US-Wachstumsdaten sind robust geblieben, und die Hinweise auf vorgelagerten Preisdruck aus China haben sich verdichtet. Zusammengenommen erhöhen diese Entwicklungen das Risiko, dass höhere Energie- und Importkosten auf die Verbraucherpreisinflation insgesamt durchschlagen.

Vom Konsens weiche ich insofern ab, als die Märkte die Möglichkeit zusätzlicher geldpolitischer Straffung aus meiner Sicht weiterhin unterschätzen könnten. Einen vorübergehenden Energieschock kann die Fed in ihrer geldpolitischen Reaktion in der Regel ausklammern. Anhaltender Öl- und Importpreisdruck birgt jedoch das Risiko, die Inflationserwartungen, die Lohndynamik und das Preissetzungsverhalten der Unternehmen zu beeinflussen, insbesondere vor dem Hintergrund robuster Nachfrage, KI-bezogener Investitionsausgaben und solider Arbeitseinkommen. Sollten die geopolitischen Spannungen hingegen rasch nachlassen und die Ölpreise wieder sinken, könnten Zinssenkungen erneut in den Ausblick rücken. Vorerst bereiten mir Aufwärtsrisiken für die Inflation größere Sorge als Abwärtsrisiken für das Wachstum."

von Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price

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