Zu Jahresbeginn hätten vor allem technologische Zukunftsvisionen rund um künstliche Intelligenz die Narrative dominiert – von im All betriebenen Rechenzentren bis hin zu humanoiden Robotern als Ersatz für menschliche Arbeit. Diese Erwartungen hätten zeitweise die Hoffnung auf ein neues, von sinkenden Kosten und steigender Produktivität geprägtes Wachstumsumfeld genährt.
Mit dem Konflikt im Nahen Osten habe sich der Fokus jedoch deutlich verschoben. Die Unterbrechung von Energie-, Petrochemie- und Düngemittelströmen lenke die Aufmerksamkeit wieder auf die Verwundbarkeit globaler Lieferketten. Statt eines potenziell deflationären Booms rückten nun wieder Inflationsrisiken und sogar die Möglichkeit einer konjunkturellen Abschwächung in den Vordergrund.
Dabei sei diese Entwicklung Teil eines längerfristigen Trends: „Bereits vor den Entwicklungen im Iran signalisierten verschiedene globale Ereignisse, dass wir in eine Phase zunehmenden Ressourcennationalismus eintreten “, so Rae. Bereits zuvor hätten politische Maßnahmen weltweit – etwa die Einstufung von Kokskohle als strategischer Rohstoff in Indien oder Produktionskürzungen im Nickelmarkt in Indonesien – auf eine zunehmende staatliche Kontrolle und die strategische Bedeutung von Ressourcen hingedeutet.
Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass solche Phasen tiefgreifende strukturelle Veränderungen auslösen können. Die Störungen der globalen Ölversorgung in den1970er-Jahren hätten beispielsweise maßgeblich zur Entwicklung der französischen Kernenergie beigetragen. Auch heute könnten steigende geopolitische Spannungen und Energieunsicherheiten einen verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien sowie von Speicherlösungen nach sich ziehen – insbesondere in Volkswirtschaften mit hoher Importabhängigkeit.
Kurzfristig dürfte sich nach Einschätzung von Rae ein höherer „Sicherheitsaufschlag“ auf Energie und entsprechende Infrastruktur etablieren. Dies betreffe die gesamte Wertschöpfungskette – von der Förderung über den Transport bis hin zur Weiterverarbeitung. Auch petrochemische Anlagen rückten stärker in den Fokus, nachdem die Branche zuletzt von Überkapazitäten und schwacher Nachfrage geprägt gewesen sei. Vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken könnte sich hier eine strukturelle Neubewertung von Angebot und Nachfrage abzeichnen.
Gleichzeitig werde im Zuge der aktuellen Entwicklungen erneut deutlich, dass bekannte Muster fortbestehen. So erinnere die Entwicklung in den Bereichen Energie und Rohstoffe daran, dass „je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich“, so Rae.
Für Investoren bedeute dies, dass geopolitische Ereignisse zwar kurzfristig dominierende Narrative erzeugen, die zugrunde liegenden Kapitalströme jedoch häufig vertrauten Mustern folgen. Entsprechend liege der Fokus derzeit unter anderem auf US-Petrochemie, Energieinfrastruktur in Industrieländern sowie auf Unternehmen, die vom Ausbau erneuerbarer Energien profitieren könnten.
Die zentrale Botschaft: Auch in einem Umfeld scheinbar neuer Entwicklungen bleiben die grundlegenden Mechanismen der Märkte erstaunlich konstant – oder, wie es der Titel nahelegt, je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich.
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