Als Heimat von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) und hunderten weiteren Technologieunternehmen stehe Taiwan heute im Zentrum der globalen KI-Wertschöpfungskette. „Taiwan ist sprichwörtlich der Verkäufer von Schaufeln und Spitzhacken im Technologie-Goldrausch“, so Bourke. Als Hersteller der fortschrittlichsten Chips für KI-Anwendungen und Rechenzentren profitiere das Land unmittelbar von den weltweit steigenden Investitionen in KI-Infrastruktur.
Die Bedeutung Taiwans für die Weltwirtschaft habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die starke Nachfrage nach Halbleitern habe zu kräftigem Gewinnwachstum in der Technologiebranche beigetragen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gestützt. Parallel dazu sei Taiwan auch an den Kapitalmärkten immer wichtiger geworden. Ende Februar 2026 machte das Land mehr als 22 Prozent des MSCI Emerging Markets Index aus. Maßgeblich dafür sei die Entwicklung von TSMC, das inzwischen die größte Einzelposition im Index darstelle. „Angesichts seiner Größe kann die Entwicklung von TSMC einen erheblichen Einfluss auf die Wertentwicklung des Index haben“, betont Bourke.
Diese Entwicklung stelle Anleger vor Herausforderungen. Denn die hohe Gewichtung von TSMC im Index mache deutlich, welchen Einfluss einzelne Unternehmen inzwischen auf die Entwicklung des gesamten Marktes haben können. Für aktive Investoren sei daher eine sorgfältige Auswahl und Diversifikation entscheidend.
Gleichzeitig verweist Bourke auf die hohe Dynamik innerhalb der KI-Wertschöpfungskette. Derzeit treffe eine starke Nachfrage nach KI-Hardware auf Angebotsengpässe entlang verschiedener Teile der Lieferkette. Umso wichtiger sei es, genau zu analysieren, welche Unternehmen langfristig von den strukturellen Wachstumstreibern profitieren und welche Endmärkte sie bedienen.
Neben den Chancen des KI-Booms rücken nach Einschätzung Bourkes jedoch auch die strukturellen Schwachstellen des Standorts stärker in den Fokus. „Mangels eigener natürlicher Ressourcen ist Taiwan nahezu vollständig auf importierte Energie angewiesen“, sagt er. Nach der Abschaltung der letzten Kernkraftkapazitäten sei das Land heute in hohem Maße auf importiertes Öl, Erdgas und Kohle angewiesen.
Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten hätten diese Abhängigkeit erneut sichtbar gemacht. Der Konflikt mit Iran und die Beeinträchtigungen der Energieversorgung infolge der faktischen Schließung der Straße von Hormus hätten die Verwundbarkeit des taiwanischen Energiesystems offengelegt. Die aktuelle Situation verdeutliche die Herausforderungen, denen Taiwan im Falle einer Blockade der Taiwanstraße gegenüberstehen könnte.
Vor diesem Hintergrund könnte die aktuelle Krise nach Einschätzung Bourkes die Bemühungen beschleunigen, die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu verringern und den Ausbau heimischer erneuerbarer Energiequellen voranzutreiben.
Für Bourke zeigt Taiwan derzeit wie kaum ein anderer Markt die Chancen und Risiken der globalen KI-Transformation: Während die Insel vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur profitiert, rücken Fragen der Energieversorgung und Versorgungssicherheit zunehmend in den Mittelpunkt.
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