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Eine JFE-Studie (Lu, Ray, Teo, 2016) zeigt, dass private Großereignisse die Hedgefonds-Performance messbar drücken. Im akuten Halbjahr rund um eine Scheidung sinkt das Fonds-Alpha um bis zu 7,79 % annualisiert, rund um eine Heirat um bis zu 5,10 %, und der Effekt läuft noch bis zu zwei Jahre nach. Am stärksten betroffen sind Manager, die mehrere Fonds gleichzeitig verantworten und nicht in ein Team eingebunden sind. Team-gemanagte Fonds zeigen dagegen nur schwache, statistisch unsichere Effekte, ein Argument für belastbare Strukturen in der operativen Due Diligence.
Der legendäre Hedgefonds-Investor Paul Tudor Jones formulierte seine Regel 2013 drastisch: Sobald er erfahre, dass ein Manager sich scheiden lasse, ziehe er sofort ab, und man könne bei jedem Manager in Scheidung pauschal 10 bis 20 % abziehen. Genau diese Faustregel haben drei Finanzökonomen empirisch überprüft. Die Studie „Limited Attention, Marital Events and Hedge Funds“ von Yan Lu, Sugata Ray und Melvyn Teo, erschienen 2016 im Journal of Financial Economics (Vol. 122, Nr. 3, S. 607–624), untersucht 98 Heiraten und 76 Scheidungen aus öffentlich zugänglichen, gerichtlich erfassten Daten. Grundlage sind Netto-Monatsrenditen aus den Datenbanken Lipper TASS, Morningstar, HFR und BarclayHedge über den Zeitraum 1990 bis 2012.
Wenn das Privatleben ins Manager-Alpha durchschlägt
Um den Effekt sauber zu messen, vergleicht die Studie jeden Manager mit sich selbst. Referenzpunkt ist seine Performance in den rund zwei Jahren vor dem Ereignis. Daran gemessen betrachten die Autoren zwei Phasen: das akute Halbjahr, also die drei Monate vor bis drei Monate nach Heirat oder Scheidung, und den Nachlauf, der von diesem Halbjahr an bis zu zwei Jahre nach dem Ereignis reicht.
Im akuten Halbjahr ist die Scheidung der klar größere Störfaktor. Ohne Risikobereinigung liegt die Underperformance bei 4,33 % annualisiert, nach Bereinigung um die sieben Faktoren von Fung und Hsieh (2004) bei 7,79 %. Eine Heirat wirkt in diesem Fenster schwächer: minus 3,13 % roh, bereinigt minus 5,10 %.
Phase 1, akutes Halbjahr (drei Monate vor bis drei Monate nach dem Ereignis), annualisiert:
| Ereignis | ohne Risikobereinigung | mit Fung-Hsieh-Bereinigung |
|---|---|---|
| Scheidung | –4,33 % | –7,79 % |
| Heirat | –3,13 % | –5,10 % |
Im Nachlauf kehrt sich das Bild leicht um. Über die bis zu zwei Jahre nach dem Ereignis wirkt die Heirat mit 3,16 % annualisiert sogar etwas hartnäckiger nach als die Scheidung mit 2,29 %. Kurz gesagt: Die Störung durch eine Scheidung ist heftiger, aber kürzer, die einer Heirat schwächer, dafür langlebiger.
Phase 2, Nachlauf (bis zu zwei Jahre nach dem akuten Halbjahr), risikobereinigt, annualisiert:
| Ereignis | Underperformance |
|---|---|
| Scheidung | –2,29 % |
| Heirat | –3,16 % |
Das Fung-Hsieh-Modell, mit dem die Autoren bereinigen, ist ein speziell für Hedgefonds entwickelter Sieben-Faktoren-Ansatz, der neben Aktien-, Zins- und Kreditrisiken auch Trendfolgekomponenten berücksichtigt und so die reine Manager-Leistung besser isoliert.
Wen es trifft: der viel beschäftigte Einzelkämpfer
Der Effekt verteilt sich nicht gleichmäßig. Am stärksten betroffen sind laut Studie Manager, die mindestens zwei Fonds gleichzeitig verantworten und nicht in ein Team eingebunden sind. Team-gemanagte Fonds zeigen dagegen nur schwache und statistisch unzuverlässige Rückgänge. Als Erklärung führen die Autoren Verhaltensmuster an: Abgelenkte Manager handeln weniger aktiv, orientieren sich stärker an ihrem Anlagestil und an Indextiteln, senken ihren Active Share gegenüber dem S&P 500 und neigen häufiger zum Dispositionseffekt, also dazu, Gewinner zu früh zu realisieren und Verlierer zu lange zu halten.
Was Allokatoren daraus mitnehmen
Für die Managerselektion liefert die Studie weniger einen Aufruf, ins Privatleben von Fondsmanagern zu blicken, als ein strukturelles Argument. Dass team-gemanagte Fonds deutlich robuster durch private Ausnahmephasen kommen, spricht für belastbare Vertretungs- und Teamstrukturen als Teil der operativen Due Diligence. Dass ein Investor vom Format eines Paul Tudor Jones die Regel längst anwendet, zeigt zugleich, dass „weiche“ Faktoren in der professionellen Managerbeurteilung angekommen sind. Nicht zufällig setzen prominente Manager wie Ray Dalio bewusst auf Techniken wie Meditation, um in belastenden Phasen fokussiert zu bleiben.
Yan Lu, Sugata Ray und Melvyn Teo: „Limited Attention, Marital Events and Hedge Funds“, Journal of Financial Economics, Vol. 122, Nr. 3 (2016), S. 607–624 (DOI: 10.1016/j.jfineco.2016.09.004). Lu und Ray forschten zum Publikationszeitpunkt an der University of Florida, Teo an der Lee Kong Chian School of Business der Singapore Management University.
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