Seit gut zwei Wochen begegnen sie uns vor allem im städtischen Raum an jeder zweiten Ecke – in Netzen verpackte, aneinander gereihte Nadelbäume, welche uns die dunkelste Zeit des Jahres verschönern sollen. Für die Nachhaltigkeitsbewussten stellt sich die Frage: welcher Baum soll‘s heuer sein? Die klassische Nordmanntanne, wie sie zu Weihnachten in etwa 90 Prozent aller österreichischen Wohnzimmer zu finden ist (deren Saatgut übrigens hauptsächlich aus Georgien stammt)? Vielleicht stattdessen ein Miet-Baum im Topf? Oder doch lieber Tante Hildes alten Plastikbaum verwenden?

30 Minuten mit Pictet AM | Greater China im Fokus: Innovationschancen auf der Long- und Short-Seite
„Pictet TR-Mandarin: Innovationen in Greater China mit einem Long/Short-Ansatz nutzen“ | Einladung zum Online-Event mit Nataliya Taleva, Senior Client Portfolio Managerin im Hedgefonds-Team von Pictet...Klar ist, Weihnachtsbäume sind – verglichen mit der globalen Forstwirtschaft – ein Nischenprodukt. Verglichen mit den rund 310 Millionen Hektar globaler Nutzwaldfläche macht die gesamte Fläche für den Anbau von Weihnachtsbäumen in Europa nur 0,04 Prozent der globalen Nutzwaldfläche aus. Die globale Forstwirtschaft hat massiven sozio-ökologische Auswirkungen. Diese werden regelmäßig im rfu Commodity Model untersucht.
In den folgenden Zeilen unseres letzten GOING GREEN des Jahres 2025 erhalten Sie einen Überblick über die weltumspannende Wertschöpfungskette von Holz.
Wofür verwenden wir gefällte Bäume?

Von den 2024 weltweit geschlagenen vier Milliarden m³ Holz werden etwa die Hälfte thermischer Nutzung zugeführt. Das bedeutet, dass Holz in verschiedenen Formen (wie etwa Scheitholz, Pellets, Hackschnitzel oder Holzabfälle) in Nahwärmeanlagen, Biomassekraftwerken, Heizwerken sowie in privaten Holzöfen zum Zweck von Wärme- oder Stromerzeugung verbrannt wird.
Rund ein Drittel des Holzes kommt als Bauholz zum Einsatz – als Säge- und Furnierholz für unterschiedlichste Zwecke.
Die Zellstoffindustrie versorgt vor allem unseren wachsenden Hunger nach kurzlebigem Verpackungsmaterial. Klassisches Papier für Bücher und Printmedien macht nach wie vor einen wesentlichen, wenn auch sinkenden Anteil des Zellstoffverbrauchs aus. Ein kleinerer Teil wird zu Hygieneprodukten (Toilettenpapier, Servietten, Damenhygiene, Windeln u.ä.) verarbeitet.
Wem gehört der Wald und wer nutzt ihn?

Da sich an die 70 Prozent der globalen Waldflächen in öffentlichem Besitz befinden, sind Behörden hauptverantwortlich hinsichtlich Klassifizierung, Nutzung und Art ihrer Bewirtschaftung. In vielen, auch westlichen Ländern ist es gängige Praxis, Beamte zu bestechen, um Holzeinschlaggenehmigungen zu erhalten – auch in ökologisch besonders wertvollen Schutzgebieten. Illegaler Holzeinschlag belastet die lokalen Wirtschaften erheblich, da er zu enormen Steuerausfällen führt (geschätzt 4,3 Milliarden Euro jährlich in tropischen Ländern).
So betrachtet Interpol die illegale Abholzung als „das größte, profitabelste und risikoärmste“ Umweltverbrechen. Bis zu 30 Prozent des weltweit gehandelten Bauholzes stammen vermutlich aus illegaler Abholzung. Auch Österreich ist davon nicht ausgenommen, wie einige Skandale der letzten Jahre belegen, etwa die illegale Abholzung rumänischer Primärwälder durch österreichische Unternehmen. Die Beschlagnahmungen von illegal geschlagenem Holz nehmen weltweit zu, genauso wie die Strafen für illegale Holzhandelnde. Allerdings können diese Maßnahmen die verlorenen Wälder nicht wiederherstellen.
Ist Holz CO₂ neutral und was bringt uns ein Wald?
Ökosystemleistung von Wäldern
- Regulierung des weltweiten Kohlenstoff- und Wasserkreislaufes
- Temperaturregulierung
- Lebensraum für den Großteil der terrestrischen Biodiversität (80% aller bekannten Amphibienarten, 75% aller Vogelarten und 68% aller Säugetierarten)
- Wichtiger Erholungsort für Menschen
Auswirkungen von Entwaldung
- Zerstörung von CO₂-Senken
- Massive Störung des Wasserkreislaufes
- Lebensraum-, Nahrungsquellen- und Wanderroutenverlust für Wildtiere
- Bodenerosion bei Kahlschlag, Bodenverdichtung durch schwere Maschinen
- Massive negative Auswirkungen auf lokale Bevölkerung, vor allem Indigene Gruppen
Oftmals hört man – vor allem von Seiten der Industrie – das Argument, dass Holz durch das Binden von CO₂ in der Wachstumsphase der Bäume ein klimaneutrales Produkt darstellt. Allerdings haben die gängigen Praktiken der Waldbewirtschaftung, wie etwa Monokulturplantagen und großflächige Abholzung, enorme Auswirkungen auf die Bodengesundheit und den Wasserkreislauf und sind daher nicht mit dem Narrativ der CO₂ -Neutralität vereinbar. So sind mittlerweile rund 75 Prozent der weltweit zugänglichen Süßwasserquellen aus bewaldeten Wassereinzugsgebieten aufgrund der schwindenden Baumbedeckung ernsthaft bedroht. Zudem werden Wälder zunehmend durch die Auswirkungen des Klimawandels geschädigt, etwa durch Sturmschäden, Brände oder Insektenbefall.
Der geliebte Weihnachtsbaum kann auch kaum das Prädikat CO₂-neutral verdienen. Das durch den Baum in seiner Wachstumsphase gebundene CO₂ wird nicht dauerhaft entnommen, da die Bäume ja nach dem Fest verbrannt werden. Allein in Wien werden jedes Jahr rund 700 Tonnen an Christbäumen an den Sammelstellen entsorgt, was etwa 160.000 Bäumen entspricht. Holz verursacht als Brennstoff mehr CO₂-Äquivalente pro kWh als Kohle. Ein ausgestoßenes CO₂-Molekül hat denselben negativen Effekt, unabhängig davon, ob es aus fossilen Brennstoffen oder Biomasse stammt. Auch der Heimtransport der Bäume mit dem privaten Pkw ist ebenfalls relevant und wird schon bei wenigen Kilometern schlagend.
Holz und Holzprodukte liegen im Trend: der Verbrauch nimmt global zu. Bei Baum-Plantagen, welche als Lösung für die steigende Nachfrage dienen sollen, weisen oft beträchtlichen „Kohlenstoffschulden“ auf, etwa durch die Zerstörung von natürlichen Wäldern, Savannen, Graslandschaften und Mooren als bestehende Kohlenstoffsenken. Auch der Pestizideinsatz ist oft problematisch und verursacht weitreichende Kontamination.
Und dann noch der Müll…
Derzeit bestehen etwa 15 bis 20 Prozent aller weltweiten Abfälle aus Holz. In den USA beispielsweise fallen jährlich 300 Millionen Tonnen Holzabfälle an. In der EU sind es 60 Millionen Tonnen. Schätzungen zufolge sind seit 1900 insgesamt rund sieben Milliarden Tonnen Altholz angefallen.
Holz wird häufig mit chemischen Konservierungsmitteln behandelt. Nicht ohne Grund wird zum Beispiel jenes Holz, das für Zäune, Strommasten und Gleisbau behandelt wurde, oft als Sondermüll eingestuft. Nicht ordnungsgemäß entsorgt, gelangen die Chemikalien in Boden und Grundwasser.
Weihnachtsbaumalternativen und Inspirationen für nachhaltigere Weihnachten
Wie oben beschrieben ist das Fällen von Bäumen nicht unbedingt der beste Beitrag zum Schutz unseres Planeten. In weit Weihnachtsbäume aus nachhaltiger Bewirtschaftung angesichts der oben erwähnten Fakten wettmachen können, sei dahingestellt.
Weihnachtsbäume sind tief in unserem Kulturkreis verwurzelt. Sie stellen einen wichtigen Aspekt des Weihnachtsfestes dar und sind mit zahlreichen positiven Assoziationen behaftet. Wer also nicht auf einen klassischen Baum verzichten möchten, achtet beim Kauf am besten auf die regionale Herkunft, um lange Transportwege zu vermeiden, sowie ein Bio-Label, das zeigt, dass Bäume ohne schädliches „Spritzen“ wachsen durften. Es gibt auch noch Möglichkeiten, wie etwa wiederverwendbare Baum-Modelle aus Holz, die einfach zusammengesteckt werden oder man bohrt Latten an und schmückt sie mit Zweigen von Nadelbäumen.
Und für das gute Gewissen zuletzt noch eine kleine Inspiration für Ihr nachhaltigeres Weihnachtsfest:
Vegane Weihnachten fürs gute Gewissen! Laut Greenpeace verursacht ein pflanzlicher Braten inklusive Beilagen nur etwa ein Kilogramm CO₂, beim Schweinebraten beträgt die Belastung über vier Kilogramm CO₂.
Diesmal mit dem Zug zu den Verwandten! Ein durchschnittlicher PKW verursacht 217,3g CO₂-Äquivalent pro Personenkilometer, bei der ÖBB sind es nur 5,71g. Geschenke lassen sich ganz wunderbar in Rollkoffern transportieren.
Und vielleicht stornieren Sie Ihre Ägypten-Reise und bleiben einfach gemütlich mit Brettspielen zu Hause. Ihre eingesparte Menge CO₂ beträgt beachtliche 3,9 Tonnen CO₂-Äquivalent (ausgehend von einer Flugreise für drei Personen Wien-Hurghada und retour in der Economy-Class). Der Duft der Weihnachtstanne lässt sich zudem am besten bei Anwesenheit genießen.
In diesem Sinne: rfu research wünscht Ihnen schöne Feiertage und alles Gute für den Start ins Jahr 2026!
Über die rfu:
Die rfu, mit Sitz in Wien, ist Österreichs Spezialistin für Nachhaltiges Investment und Management und unterstützt institutionelle Kunden mit Nachhaltigkeits-Research und der Konzeption von Investmentprodukten. „Technologisches Herz" sind die rfu Nachhaltigkeitsmodelle für Unternehmen, Länder und Rohstoffe.
Weitere Leistungen sind u.a. die Erstellung von Prüfgutachten nach dem Österreichischen Umweltzeichen sowie Second Party Opinions zur Emission von Green und Social Bonds.
Weitere Informationen finden Sie auf www.rfu.at
Über die Artikelserie "GOING GREEN":
GOING GREEN ist eine monatliche Kolumne auf e-fundresearch.com zu Entwicklungen und Hintergründen im nachhaltigen Investment, verfasst von Reinhard Friesenbichler und seinen Kolleginnen und Kollegen aus der rfu.
Weitere beliebte Meldungen:
