Die European Fund and Asset Management Association (EFAMA) hat eine neue Ausgabe ihrer Reihe Market Insights veröffentlicht. Darin untersucht der Verband die täglichen und monatlichen Rückgabemuster europäischer Corporate-Bond-Fonds während drei unterschiedlicher Finanzschocks: der Covid-19-Verwerfungen im Jahr 2020, des Zinsanstiegs 2022 und des zollbedingten Marktschocks 2025.
Abflüsse blieben unter Stressannahmen
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob die beobachteten Rücknahmen ein wesentliches Risiko für die Finanzstabilität darstellen könnten. Nach Angaben der EFAMA blieb dies in allen drei Phasen aus. Die vielfach angenommenen Liquiditätsinkongruenzen bei Bondfonds hätten sich nicht materialisiert. Zudem lagen die Mittelabflüsse klar unter den Niveaus, die in ESMA-Stresstests unterstellt werden, etwa 22 Prozent innerhalb einer Woche.
Während der Covid-19-Phase bewegten sich die meisten täglichen Mittelbewegungen, gemessen als Anteil am Fondsvermögen des Vormonats, laut EFAMA nahe null. Extreme Abflüsse oder Zuflüsse seien nur selten beobachtet worden.
Extreme Rückgaben nur in Einzelfällen
In den volatilsten Covid-19-Phasen verzeichnete nur etwa jeder neunte Corporate-Bond-Fonds an einem einzelnen Tag Abflüsse von mehr als 10 Prozent des Nettovermögens. Auch im Umfeld des Zinsanstiegs 2022 seien derart hohe Tagesabflüsse äußerst selten gewesen und in weniger als 0,3 Prozent aller untersuchten täglichen Beobachtungen aufgetreten.
Für den tariff-getriebenen Schock 2025 zeichnet die Studie ein ähnliches Bild. Tagesabflüsse von mehr als 10 Prozent des Nettovermögens traten ebenfalls in weniger als 0,3 Prozent der Stichprobe auf. Auf Fondsebene zeigte sich zudem, dass nur rund jeder zehnte Fonds überhaupt einen einzelnen Tag mit Abflüssen oberhalb dieser Schwelle verzeichnete.
Plädoyer für gezielte Aufsicht
Federico Cupelli, stellvertretender Direktor für Regulatory Policy bei EFAMA, erklärte: „Die Analyse legt nahe, dass eine risikobasierte Aufsicht wirksamer ist als Regulierung, wenn es darum geht, potenzielle Liquiditätsinkongruenzen im Fondssektor zu adressieren. Statt breit angelegte Maßnahmen über das gesamte Fondsuniversum hinweg anzuwenden, könnte es tatsächlich wirksamer sein, die regulatorische Aufmerksamkeit auf jene spezifischen Fondsgruppen zu richten, die strukturell stärker dem Risiko extremer Mittelabflüsse ausgesetzt sind.“
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