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„China-Krise ist erst der Anfang“

Laut Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, handelt es sich bei der aktuellen Krise in China um weit mehr als nur ein kurzfristiges Intermezzo: "Die Situation der bald größten Volkswirtschaft der Welt wird die Ertragsperspektiven für Finanzanlagen längerfristig beeinflussen – und könnte somit der Anfang einer längeren Baisseperiode sein." Economics | 28.07.2015 11:46 Uhr
Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt, Targobank
Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt, Targobank

Nach dem „schwarzen Montag“ an Chinas Aktienmärkten mit dem höchsten Tagesverlust seit acht Jahren, sind auch die europäischen Märkte nachhaltig unter Druck geraten. Kein Wunder – wenn schon das vergleichsweise unbedeutende Griechenland Europas Börsen in Schach halten kann, dann erst recht die bald größte Volkswirtschaft der Welt.

Laut Berechnung von Morgan Stanley hat im letzten Jahr die Volksrepublik China 38 Prozent zum Weltwirtschaftswachstum beigetragen. Dabei ist das Wachstum im eigenen Land anhaltend rückläufig: Belastet wird Chinas Konjunktur nicht nur vom Umbau weg von einer Export-abhängigen Wirtschaft hin zu mehr Binnenkonsum. Auch die Umsetzung strengerer Umweltstandards, der Übergang zur Produktion höherwertiger Produkte bei einer gleichzeitig schwelenden Immobilien- und Aktienblase belastet die chinesische Wirtschaft.

Da all diese Ziele jedoch politisch gewollt sind, dürfte es sich um längerfristige Trends handeln. Und das hat Konsequenzen für die restliche Weltwirtschaft: Auch das globale Wachstum wird sich verlangsamen. Insbesondere die Länder Brasilien, Russland und Südkorea könnten verstärkt leiden.

Auch bei der Rohstoffpreisentwicklung muss umgedacht werden. Möglicherweise stehen wir erst am Anfang einer längeren Baisseperiode, deren Effekte für die Weltwirtschaft nur schwer zu kalkulieren sind. Sie dürfte aber die Inflationsentwicklung fast weltweit in Schach halten.

Konsequenzen für die Anlageentscheidung

Weniger globales Wachstum und möglicherweise niedrigere Inflationsraten sprechen für weltweit niedrige Leitzinsen; die US-Fed müsste also keinen neuen Zinsanhebungszyklus starten. Folglich würden auch die Renditen in den USA und anderen Märkten kaum steigen. Das würde zwar das Verlustpotenzial für Rentenanleger begrenzen, mit deutlichen Korrekturen nach unten müssten sie aber weiter rechnen.

Ähnliches gilt auch für Rohstoffengagements, wo wir – ebenso wie bei Gold – einen Einstieg aktuell als verfrüht ansehen. Auch Aktien erscheinen derzeit weder aus fundamentaler noch aus bewertungstechnischer Sicht besonders attraktiv. Dennoch sehen wir in dieser Anlageklasse die besten Chancen, wenngleich die Erwartungen aufgrund mäßiger Gewinnaussichten nicht allzu hoch gesteckt werden dürfen.

Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt, TARGOBANK


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