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UBS AM Experten im Doppel-Interview: „Müssen und wollen den hohen Ansprüchen bei nachhaltigen Anlagen gerecht werden“

Wie sich UBS Asset Management nach dem im August abgeschlossenen Verkauf des lokalen Wealth Management Geschäfts an die LGT in Österreich positioniert, welches Konzept hinter der soeben mit dem Österreichischen Umweltzeichen prämierten UBS Climate Aware-Aktienstrategie steckt und warum die EU-Offenlegungsverordnung ohne Nachschärfung zu einem "Race to the Bottom" führen könnte, diskutiert e-fundresearch.com im Exklusiv-Interview mit Klaus Zentner, Head Asset Management Austria, UBS und Karsten Güttler, Sustainable and Impact Investing Senior Investment Specialist, Executive Director, UBS Asset Management. Managers | 08.09.2021 15:00 Uhr
Klaus Zentner, Head Asset Management Austria, UBS, Karsten Güttler, Sustainable and Impact Investing Senior Investment Specialist, Executive Director, UBS Asset Management / © e-fundresearch.com / UBS Asset Management
Klaus Zentner, Head Asset Management Austria, UBS, Karsten Güttler, Sustainable and Impact Investing Senior Investment Specialist, Executive Director, UBS Asset Management / © e-fundresearch.com / UBS Asset Management

e-fundresearch.com: Herr Zentner, es ist nun über ein halbes Jahr her, dass das UBS Wealth Management Geschäft seinen Rückzug aus Österreich beziehungsweise den Verkauf an die LGT verkündete. Bereits Anfang des Jahres haben Sie uns im Exklusiv-Interview mitgeteilt, dass die Strategie und die lokale Präsenz, des von Ihnen verantworteten österreichischen Asset Management Geschäfts hingegen bestätigt wurde. Hat sich hieran etwas in den letzten Monaten geändert? Und wie gut kommen Sie und Ihr Team mit der neuen Rolle als „Alleinkämpfer“ in Österreich zurecht?

Klaus Zentner: UBS AM steht wie angekündigt weiter unverändert mit unserem Team vor Ort für unsere Kunden zur Verfügung. Österreich hat damit in der Strategie von Asset Management weiter hohe Priorität. Die Gründung einer neuen Österreich-Niederlassung unserer UBS Fund Management Luxembourg und unser neues Büro im Herzen Wiens bestätigen das. Wir haben auch weiter sehr positives und motivierendes Feedback von unseren Geschäftspartnern bekommen und freuen uns sehr, unsere Expertise weiter im Markt zu etablieren.

„Alleinkämpfer“ würde ich übrigens nicht sagen (lacht). Zum einen sind wir ja zu dritt vor Ort und zum anderen steht die gesamte UBS-Gruppe mit ihren Möglichkeiten hinter uns. Es liegt an uns, das Potential eines globalen Konzerns mit 72.000 Mitarbeitern mit dem Bedarf eines sehr professionellen Österreichischen Marktes zu verbinden. Das genau macht den Reiz unserer Aufgabe aus! Neu ist sicherlich unsere gewonnene Unabhängigkeit als Asset Manager ohne eigenes Private Banking vor Ort. Das macht schon einen Unterschied und wir sehen bereits jetzt dadurch neue interessante Ansätze für neue Kooperationen.

e-fundresearch.com: Während so mancher Asset Manager seine „grüne Ader“ erst in den letzten Jahren entdeckte, verfügt UBS Asset Management über einen durchaus beachtlichen ESG-Investing Track-Record (siehe etwa unser Interview aus dem Jahr 2015 mit Ihrem Sustainability-Kollegen Bruno Bertocci), umso stärker überrascht es, dass Sie „erst jetzt“ die erste Auszeichnung einer UBS Fondsstrategie mit dem Österreichischen Umweltzeichen verkünden können. Wie kam’s dazu und hat man hier einen Trend verschlafen?

Klaus Zentner: Österreich spielt im Kontext der Nachhaltigkeit eine klar führende Rolle – entsprechend hoch sind die Kundenerwartungen. Hier sei nur als Indikator das Umweltzeichen als ältestes europäisches Gütesiegel für nachhaltige Anlagen erwähnt, das es bereits seit 2004 gibt. Diesen hohen Ansprüchen müssen und wollen wir als Haus bei nachhaltigen Anlagen gerecht werden. Unsere führende Position im Bereich Nachhaltigkeit wird z.B. dadurch belegt, dass wir zum sechsten Mal in Folge den Spitzenplatz in der Branchengruppe «Diversified Financial Services and Capital Markets» des renommierten Dow Jones Sustainability Index (DJSI) einnehmen. Dies wird uns auch immer wieder als Feedback gespiegelt. Bei der Berücksichtigung lokaler Standards haben wir hingegen noch Verbesserungspotential. Konkret gesprochen wollen wir ein lokaler global Player sein. Praktisch heißt das z.B., dass wir unsere prämierte Climate Aware-Aktienstrategie dieses Jahr für das Umweltzeichen zertifiziert haben. Lokalisation und Innovation werden die bestimmenden Faktoren für die Zukunft und hier glauben wir, sind wir für den Wettbewerb um die besten Lösungen gut gewappnet.

e-fundresearch.com: Herr Güttler, in Ihrer Rolle als Senior ESG Investment Specialist beschäftigen Sie sich nicht zuletzt auch mit den regulatorischen Entwicklungen, die ESG-Investments auf internationaler Ebene beeinflussen. Als Branche hat uns hier die Anfang März in Kraft getretene Offenlegungsverordnung SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation) der EU durchaus auf Trab gehalten. Wie fällt Ihr Fazit zur ersten Implementierungsstufe knapp 6 Monate nach dem Inkrafttreten aus?

Karsten Güttler: Die SFDR oder Offenlegungsverordnung hat in der Tat zu geschäftiger Betriebsamkeit bei Asset Managern und Vermögensverwaltern geführt. Die erste Stufe der SFDR ging am 10.03.21 live und hat erstmals zu einer Klassifizierung von Anlagevehikeln aus Nachhaltigkeitssicht geführt. Natürlich bedarf eine Regulation immer der Interpretation, da die Anforderungen selten messerscharf formuliert sind. Rückblickend haben die Asset Managers durchaus unterschiedlich reagiert und diesen Interpretationsspielraum reichlich ausgenutzt. Wir haben konservative Interpretationen der SFDR gesehen, aber auch sehr offensive. Als Beispiel sei hier der Anteil der Artikel 8 und 9 Fonds am Gesamtfondsangebot aufgeführt. Konservative Manager haben bis zu ein Drittel ihrer Fonds in diesen nachhaltigeren Kategorien eingeordnet, offensivere Manager bis zu 100%. Hier muss ggf. durch die Aufsichtsbehörden nachgeschärft werden, um einem „race to the bottom“, d.h. einer immer weitergehenden Verwässerung ambitionierterer Nachhaltigkeitsansätze entgegenzuwirken. Dies ist dann relevant, wenn Anleger und Fondsselektoren nur auf die SFDR-Klassifizierung achten und nicht in die Details gehen, was nun konkret durch einen Manager umgesetzt wird. In diesem Kontext besteht für Manager der kommerzielle Anreiz, möglichst viele Fonds unter Artikel 8 und 9 zu klassifizieren, was nicht vollumfänglich der ursprünglichen Intention der SFDR entsprechen dürfte.

e-fundresearch.com: Sehen Sie ein Risiko, dass lokale Labels – wie etwa das vorhin besprochene österreichische Umweltzeichen - aufgrund der Standardisierungsbemühungen auf EU-Ebene mittelfristig an Relevanz oder gar ihre Existenzberechtigung verlieren könnten?

Karsten Güttler: Es kann durchaus sein, dass das europäische Fonds-Ecolabel in der Zukunft eine wichtige Rolle zu Qualitätssicherung der Nachhaltigkeitsstandards spielt. Das würde sicher auch einer Zersplitterung des einheitlichen europäischen Kapitalmarkts entgegenwirken. ABER: Bis das Ecolabel final verfügbar ist, wird noch einiges an Wasser die Donau hinunterfließen. Derzeit ist das Ecolabel ja noch nicht mal am Reissbrett als Entwurf vorhanden. Da hier zudem viele divergierende Interessen der europäischen Länder aufeinandertreffen dürften (Stichwort: Nachhaltigkeit der Energiegewinnung aus Nuklearanlagen), besteht die Gefahr, dass das Ecolabel stark verwässert wird. Einen wirklichen Ersatz für solide etablierte lokale Siegel im deutschsprachigen Raum wie das Umweltzeichen oder das FNG-Siegel kann das Ecolabel nur darstellen, wenn es den Erwartungen der Investoren entspricht und nicht nur als politischer Minimalkonsens erscheint.

e-fundresearch.com: Die Investmentindustrie hat die Angewohnheit, sich bei ESG-Investments vor allem auf das leichter greifbare „E“ zu fokussieren. Hat sich durch COVID-19 daran etwas geändert? Auch mit Blick auf Ihren Investmentansatz?

Karsten Güttler: Wir haben solide Frameworks und Anlagelösungen sowohl für den „E“-Bereich als auch den breiteren „ESG“-Bereich. Für das ökologisch orientierte „E“ spricht die Relevanz aus regulatorischer Sicht, aber auch die bessere Greifbarkeit des Themas. COVID-19 hat damit nur eingeschränkt zu tun. Die ökologischen Kriterien haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie vergleichsweise „objektiv“ sind. CO2- Emissionsdaten korrelieren zwischen verschiedenen Datenanbietern sehr hoch. Bei qualitativeren ESG-Daten wie ESG-Ratings ist dies klar nicht der Fall, und man muss sich als Investor entscheiden, welcher „Philosophie“ bei der qualitativen Bewertung von ESG-Nachhaltigkeitsinformationen man folgen möchte. Wie gesagt, UBS Asset Management bietet für beide Anforderungen die notwendige Expertise, sei es mit aktiven oder passiven Climate Aware-Lösungen der „E“-Kategorie oder aktiven und passiven Lösungen mit Nachhaltigkeitsfokus wie beispielsweise dem Long Term Themes Fund oder dem Emerging Markets Sustainable Fund.

e-fundresearch.com: Seit dem COVID-Impfstoffdurchbruch Ende 2020 waren es vor allem tendenziell „ESG-schwächere“ Value- und Zykliker-Aktien, die an den Börsen den Ton angeben konnten. Eine Stilrotation, die über kurz oder lang auch eine Gefahr für die allgemeine ESG-Investing-Bewegung darstellen könnte?

Karsten Güttler: Man kann ja -übertrieben und nicht wörtlich zu verstehen- vom „epischen Duell“ zwischen den Value- und Growth-Faktoren sprechen. Growth wird häufig mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht, Value mit dem eher traditionellen Wirtschaftsmodell. Über die letzten Jahre hatten Growth-Investoren klar den besseren Lauf. Dies kann schon mit der zunehmenden Bedeutung nachhaltigeren Wirtschaftens teilweise begründet werden. Die Bewertungen der entsprechenden Unternehmen sind bereits sehr ambitioniert, es wurden Vorschusslorbeeren der Anleger verteilt, die es nun auch zu rechtfertigen gilt. Dies ist aber nicht zwingend kurzfristig gegeben. Somit sahen wir gegen Ende des ersten Quartals diesen Jahres die Rückkehr der Value-Investments. Ob dies nun lediglich eine Nivellierung der Growth-Bewertungsniveaus ist, oder der Beginn einer Trendumkehr bei Faktorinvestments, ist schwer zu sagen. Im Endeffekt sollte es einem Anleger aber um eine solide langfristige Anlagestrategie gehen und nicht um kurzfristigere Faktorwetten. Und hier stellt sich eher die Frage, ob man grundsätzlich nachhaltig anlegen möchte oder nicht. Eine Reduktion dieser Frage auf Value vs. Growth ist dabei sicher nicht das richtige Vorgehen.

e-fundresearch.com: Werfen wir abschließend einen Blick auf Ihre Climate Aware-Fondspalette: Was genau dürfen Investoren unter dem Climate Aware-Konzept verstehen und wie lassen sich jene Bausteine in eine bestehende Asset Allocation integrieren?

Karsten Güttler: Die UBS Active Climate Aware Funds sind aktiv verwaltete Portfolios von finanziell attraktiven, klimafreundlichen Unternehmen, die die ausgewiesene Expertise von UBS AM im Bereich Klima-Investments nutzen.

Die Climate Aware-Methodik geht auf das Jahr 2017 zurück, in welchem sie gemeinsam mit einem britischen Pensionsfonds entwickelt, seitdem in verschiedenen Formen eingesetzt wurde und bisher über 10 Mrd. USD an Vermögenswerten angezogen hat.

Die Climate AwareFonds eignen sich somit als klimaorientierte Aktien- und Anleihebausteine sowohl einzeln auf stand-alone-Basis als auch in einem Multi-AssetKontext.

Der Climate Aware Ansatz fokussiert sich auf Klimaführer entlang von 3 Dimensionen: Klima-Anpassung, Klima-Mitigation und zukunftsgerichtete Klima-Transition.

Aktien- und Anleihefondsfamilien setzen die gleichen Grundkonzepte ein:

1) sie konzentrieren sich auf Klimaführer

2) sie haben gut etablierte ESG-Ausschlusskriterien

3) sie nutzen eine zielgerichtete Strategie bei klimabezogenen Abstimmungen an Hauptversammlungen und aktives klimabezogenes Engagement, um ökologische Veränderungen voranzutreiben

4) sie stützen sich auf die bewährte Intrinsic-Value-Plattform von UBS Asset Management, um bei ihren Anlageentscheidungen ESG- und traditionelle finanzielle Aspekte zum Vorteil der Anleger zu kombinieren.

e-fundresearch.com: Was ist die Investment-Idee?

Für Climate Aware-Aktienfonds: Auswahl der Gewinner auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft

Für Climate Aware-Anleihefonds: Management von Anlagerisiken durch Auswahl attraktiv bewerteter Anleihen, bei denen Klima- und ESG-Risiken fair eingepreist sind.

e-fundresearch.com: Herr Güttler, Herr Zentner, wir bedanken uns für das Gespräch!

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

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