Security-KAG-Vorstandsduo im Interview: „Ausgeprägte Kunden-Nähe ist unser zentraler Vorteil“

Die Security KAG wurde bei den Scope Investment Awards als „Bester Asset Manager Universalanbieter Österreich“ ausgezeichnet. Im Interview erläutern Vorstandsvorsitzender Wolfgang Ules und Vorstand Alfred Kober, welche Elemente ihren Investmentansatz prägen, wie sie die aktuellen Marktunsicherheiten bewerten und welche spezifischen Stärken – aber auch Grenzen – österreichische Asset Manager im internationalen Wettbewerb haben. Zudem geben sie einen Ausblick auf die Faktoren, die 2026 für Anleger besonders relevant sein dürften. Managers | 24.11.2025 14:30 Uhr
Wolfgang Ules, Vorstandsvorsitzender und Alfred Kober, Vorstand bei der Security Kapitalanlage AG / © e-fundresearch.com / Security Kapitalanlage AG
Wolfgang Ules, Vorstandsvorsitzender und Alfred Kober, Vorstand bei der Security Kapitalanlage AG / © e-fundresearch.com / Security Kapitalanlage AG

e-fundresearch.com: Die Security KAG wurde bei den Scope Investment Awards als „Bester Asset Manager Universalanbieter Österreich“ ausgezeichnet. Welche Elemente Ihres Investmentansatzes waren aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für diese Bewertung?

Wolfgang Ules: Die Auszeichnung der Security KAG bei den Scope Investment Awards als „Bester Asset Manager Universalanbieter Österreich“ ist für uns eine große Ehre und bestätigt die Qualität und Wirksamkeit unseres Investmentansatzes über alle Anlageklassen und Fondskategorien. Ein zentrales Element, das maßgeblich zu dieser Bewertung beigetragen hat, ist unser strikt rationaler und empirisch fundierter Entscheidungsprozess. Jede Investmententscheidung basiert bei uns auf einer fundierten Analyse von Marktdaten, wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie auf bewährten quantitativen und qualitativen Methoden. Emotionale oder kurzfristige Überlegungen werden konsequent ausgeklammert, um nachhaltige und nachvollziehbare Ergebnisse für unsere Investoren zu erzielen.

Darüber hinaus steht hinter jedem Fonds eine klar definierte und messbare Strategie, die von unserem erfahrenen Fondsmanagement konsequent und transparent umgesetzt wird. Unsere Fondsmanager zeichnen sich durch eine hohe fachliche Expertise, langjährige Erfahrung und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein aus. Sie sorgen nicht nur für die präzise Umsetzung der gewählten Anlagestrategien, sondern überwachen laufend die Marktentwicklungen, um die Fondsportfolios im Optimum zu halten. Dabei werden sie unter anderem von einer Inhouse-Analysedatenbank unterstützt, in der rund zwanzigtausend internationale Anleihen systematisch analysiert und bewertet werden.  

Im Mittelpunkt unseres Handelns steht deshalb die kontinuierliche methodische Weiterentwicklung unserer Strategien. Wir investieren laufend in innovative Ansätze, neue Technologien und Weiterbildungen, um unseren Investmentprozess stetig zu optimieren und an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine kosteneffiziente Umsetzung, um die Renditepotenziale für unsere Anleger bestmöglich auszuschöpfen. Dieser systematische Managementansatz erlaubt es uns zudem, unsere bewährten Strategien flexibel und individuell auf die spezifischen Bedürfnisse und Ziele unserer Investoren auszurichten.

Es ist also die Kombination aus wissenschaftlich begründetem Investmentansatz, klaren Strategien, einer methodisch orientierten Weiterentwicklung, Kosteneffizienz und einem hochqualifizierten Team, das unsere Leistung als Asset Manager ausmacht und maßgeblich zu der positiven Bewertung bei den Scope Investment Awards beigetragen hat.

e-fundresearch.com: Das Marktumfeld ist weiterhin von Unsicherheit und Divergenzen geprägt. Wie geht ein Universalanbieter wie die Security KAG mit diesen Bedingungen um, und wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?

Alfred Kober: Die Kapitalmärkte bewegen sich in einem Spannungsfeld, das von strukturellen und geopolitischen Bruchlinien geprägt ist. Das Wachstum bleibt verhalten, besonders hier in Europa, wo unattraktive Rahmenbedingungen Investitionen bremsen. Gleichzeitig erreichen die Staatsschuldenquoten und Zinszahlungen Höchststände. Kapital, das für notwendige Zukunftsinvestitionen fehlt. Innerhalb der Volkswirtschaften treten zudem materielle Divergenzen zutage. Während KI-Investitionen einen Boom verzeichnen, scheinen einzelne Industrien den Anschluss zu verlieren. Über all dem steht die tektonische Verschiebung hin zu einer multipolaren Weltordnung, die geopolitische Unsicherheiten erhöht und Kapitalallokation erschwert. Für Investoren entsteht ein Umfeld, das mehr denn je strategische Flexibilität abverlangt.

Als quantitativ orientierter Asset Manager konzentrieren wir uns auf abschöpfbare Renditequellen. Unsere datengestützten Investmentansätze erfassen vorherrschende Marktgegebenheiten und leiten uns in Allokationsentscheidungen. Nachdem wir die Prognosefähigkeit kurzfristiger Kursentwicklungen anzweifeln, richten wir unsere Portfolios stets langfristig aus. Die Akzeptanz kurzfristiger Schwankungen ist der Preis dafür, gesetzte Ertragsziele final zu erreichen.

Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich die Stärke dieses Ansatzes. Wir versuchen uns nicht von kurzfristigen Narrativen leiten zu lassen, sondern folgen transparenten Regeln, die auf objektiven Ertrags-, Risiko- und Diversifikationsgrößen beruhen. Durch unser diszipliniertes Handeln bleiben wir für unsere Kunden berechenbar.

Was das derzeitige Umfeld betrifft, verschärft sich der Zielkonflikt zwischen Renditeerwartungen und (oft zu) engen Risikobudgets. Während das höhere Zinsniveau hilft, hat der Risk-On-Modus der letzten Jahre Risikoprämien allgemein schmelzen lassen. Die Herausforderung besteht darin, realistische Ertragschancen zu setzen, ohne die Risikotragfähigkeit der Anleger zu überdehnen.

e-fundresearch.com: Das österreichische Asset Management steht im Wettbewerb mit großen internationalen Häusern. Wo sehen Sie aktuell die spezifischen Stärken, aber auch die Grenzen österreichischer Anbieter?

Wolfgang Ules: Ich sehe den Wettbewerb mit internationalen Häusern sportlich. Auch beim aktuellen Scope Investment Award mussten wir uns gegen ausländische Fondsanabieter in Österreich durchsetzen. Ich denke, dass unser zentraler Vorteil die ausgeprägte Nähe zu unseren Kunden ist. Als lokaler Asset Manager kennen wir die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen unserer Investoren sehr genau. Diese Nähe bedeutet auch, dass wir mit jedem Mandat eine besondere Verantwortung übernehmen: Wir sind nicht nur Dienstleister, sondern verlässliche Partner, der sich den täglichen Herausforderungen des heimischen Marktes stellen muss. Ein Rückzug aus dem Markt, wie er internationalen Anbietern mit globalem Fokus leichter möglich ist, kommt für uns nicht infrage. Unsere lokale Präsenz verpflichtet uns dazu, langfristige und nachhaltige Lösungen zu bieten.

Gerade die Security KAG als Tochter der Grazer Wechselseitigen Versicherung versteht sich als Spezialist für maßgeschneiderte Fondslösungen für Versicherungen, Vorsorgekassen und andere institutionelle Investoren. Unser tiefes Verständnis für die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort erlaubt es uns, passgenaue Produkte zu entwickeln und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren. Dieses Wissen und die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden sind klare Wettbewerbsvorteile, die internationale Häuser oft so nicht bieten können.

Allerdings gibt es auch Grenzen: Insbesondere im Bereich der ETFs sind österreichische Anbieter aktuell noch eingeschränkt. Die Marktinfrastruktur und die erforderliche Skalierung, um wettbewerbsfähige ETF-Produkte anbieten zu können, sind in Österreich derzeit noch nicht ausreichend entwickelt. Es ist das einzige Fondssegment ,das ich sehe, in dem wir als lokaler Anbieter tatsächlich Wettbewerbsnachteile haben. Es ist als Massenprodukt aber auch das Segment, das am wenigsten auf individuelle Kundenanforderungen eingeht.

e-fundresearch.com: Mit Blick auf 2026: Welche Faktoren dürften die Marktentwicklung aus Ihrer Sicht maßgeblich bestimmen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Anleger?

Alfred Kober: Die Kapitalmärkte treten 2026 in ein Umfeld ein, das weiterhin von geld- und fiskalpolitischen Herausforderungen, geopolitischen Spannungen und strukturellen Veränderungen geprägt ist. Weiterhin schwache Wachstumsaussichten werden den nachfragebedingten Inflationsdruck niedrig halten. Parallel dazu steigt der staatliche Finanzierungshunger und damit das Angebot an Anleihen. Wir werden wohl auch 2026 steile Zinskurven nutzen können.

Angesichts der gesunkenen Risikoprämien bleiben Anleihen- und Aktienmärkte anfällig für abrupte Umschwünge. Gleichzeitig verstärken regionale Wachstumsunterschiede zwischen den USA, Europa und China die Bedeutung einer differenzierten und diversifizierten Allokation. Geopolitisch dominieren die US-Handels- und Technologiepolitik sowie Eskalationen in der Ukraine, Nahost und potenziell auch in Asien. Sie können Supply-Chains und Energiepreise erneut unter Druck setzen und Risikoprämien anheben. Die zunehmende globale Fragmentierung verändert zusätzlich Kapitalflüsse. Industriepolitische Programme, Friend-shoring und massive Investitionsanreize schaffen neue strukturelle Gewinner, etwa in Halbleitern, Infrastruktur und erneuerbaren Energien. Für Anleger steigt der Bedarf, Portfolios widerstandsfähiger gegenüber externen Schocks zu gestalten.

Technologisch wird der rasche Infrastrukturaufbau und Einsatz von KI wohl auch das Jahr 2026 prägen. Produktivitätsgewinne eröffnen Chancen und können den beobachtbaren Konzentrationsprozess durchaus weiter anheizen. Insgesamt bleiben Kursbewertungen – vor allem in den USA – sensibel gegenüber geldpolitischen Signalen, während Europa stärker von Energiepreisen und Strukturwandel abhängig ist.

Nach einer längeren Risk-On Periode an den festverzinslichen Märkten können zwischenzeitliche Marktstörungen erneut die Themen der Schuldnerqualität und Refinanzierungsfähigkeit in den Fokus rücken. Mit dem Blick nach vorne sind eine höhere Risiko- und Diversifikationsdisziplin das Gebot der Stunde.

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Über Wolfgang Ules und Alfred Kober:

Wolfgang Ules ist Vorstandsvorsitzender Security Kapitalanlage AG in Graz. Er ist seit dem Jahr 2006 im Konzern der GRAWE Bankengruppe im Asset Management tätig, seit dem Jahr 2009 in führender Position. Seine Karriere begann er vor mehr als zwanzig Jahren als Risikomanager eines österreichischen Kreditinstituts. Wolfgang Ules studierte Betriebswirtschaft an der Karl-Franzens-Universität in Graz mit der Spezialisierung auf Banking & Finance sowie Controlling und Vertrieb.

Alfred Kober ist Vorstand der Security Kapitalanlage AG in Graz und verantwortet die Bereiche Fondsmanagement, Versicherungs- und Garantieprodukten sowie Öffentlichkeitsarbeit und Vertrieb. Seit 1994 ist er in unterschiedlichen Finanzinstituten im Bereich Fonds- und Portfoliomanagement bzw. zuletzt als Leiter des Aktienfondsmanagements bei der Security Kapitalanlage AG aktiv. Alfred Kober ist Absolvent der Wirtschaftsuniversität-Wien, ist CFA Charterholder und Mitglied bei CFA Austria.

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