Advertorial im Rahmen einer Medienpartnerschaft
Am 16. April 2026 lud die Erste Asset Management zur Nachhaltigkeitskonferenz auf den Erste Campus in Wien. Unter dem Leitmotiv „Zurück in die Zukunft“ führte Oliver Röder durch einen Konferenztag, der den Bogen von 25 Jahren nachhaltigem Investieren bis zu den Herausforderungen der nächsten Dekaden spannte. Das Besondere am heurigen Jahrgang: Erstmals wurde das Programm nach dem Vormittag in zwei Deep-Dive-Sessions aufgeteilt, um die großen Linien des Vormittags in kleineren Gruppen zu vertiefen. Der rote Faden war klar erkennbar: Nachhaltigkeit soll nicht mehr primär als moralischer Appell oder Marketingetikett verstanden werden, sondern als Frage von Risiko, Resilienz, Kapitalallokation und realwirtschaftlicher Wirkung. e-fundresearch.com war als Medienpartner vor Ort.
Schon in der Eröffnung machte sich bemerkbar, in welchem Spannungsfeld sich das Thema inzwischen bewegt. Ingo Bleier, Mitglied des Vorstands der Erste Group, sprach von einem Umfeld, in dem viel von der ursprünglichen Aufbruchsstimmung durch Regulierung, geopolitische Krisen und wachsende Komplexität überlagert worden sei. Gleichzeitig hielt er fest, dass die strategische Relevanz des Themas ungebrochen sei. Einen unerwarteten Treiber für die Dekarbonisierung sieht Bleier ausgerechnet in den geopolitischen Verwerfungen der Gegenwart: "Wahrscheinlich gibt es durch diese Kriege in der Ukraine und im Iran einen viel stärkeren Boost für die Dekarbonisierung, als wir jemals durch Regularien in Europa erreichen können."
ESG-Backlash oder nur eine neue Phase?
Den ersten inhaltlichen Auftakt setzte Prof. Dr. Timo Busch von der Universität Hamburg und der Sustainable Finance Research Group. Er stellte die verbreitete These vom ESG-Backlash bewusst infrage und ordnete die jüngsten Debatten als Phase der Normalisierung ein. „Mir ist ganz wichtig: Ich glaube nicht, dass ESG tot ist“, sagte Busch gleich zu Beginn. Vielmehr erlebe der Markt nach Jahren starker Dynamik nun eine Reifung, in der sich das Thema neu sortiere.
Seine Evidenzbasis war breit. Busch verwies auf eine Meta-Analyse von mehr als 2.000 akademischen Studien, laut der über 90 Prozent der Arbeiten keinen negativen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Finanzperformance feststellen. Zugleich zeigte er, dass nachhaltige Strategien im reinen Indexvergleich zuletzt zwar eher keinen wesentlichen Vorteil mehr aufwiesen und teilweise sogar leicht zurückblieben, dass nachhaltige Fonds aber nicht teurer seien und in Krisenzeiten häufig robuster abgeschnitten hätten. Auch für Impact-Investing sei die empirische Evidenz zwar noch deutlich dünner, aber keineswegs mit einem automatischen Renditeverzicht verbunden.
Besonders stark war Buschs Blick nach vorn. Nachhaltiges Investieren, so seine Evolutionslogik, habe sich von „keine schmutzigen Hände“ über das Mainstreaming nun in Richtung „realwirtschaftliche Veränderungen“ entwickelt. Das neue Narrativ müsse deshalb auf Resilienz, Transparenz, Transformation und doppelte Materialität setzen. Nachhaltigkeit dürfe nicht bei Ausschlusslisten enden, sondern müsse Wirkung und finanzielle Relevanz zusammenführen.

Teresa Gäckle über Biodiversität als „unsichtbare, oft kostenlose Arbeitskraft“ / (c) PhilippLipiarski
Schafft ESG Mehrwert? Der Blick in den Maschinenraum
Philipp Schubert, Head of Risk Management bei der Erste Asset Management, brachte die Renditefrage anschließend vom Grundsatz ins Testlabor. Er begann mit jener Skepsis, die nachhaltigen Strategien noch immer häufig entgegenschlägt. „Das bringt nichts, das kostet nur“, zitierte er eine pointierte Alltagsreaktion auf ESG und machte damit deutlich, wie stark sich der Diskurs noch immer an Vorurteilen abarbeitet.
Schubert stellte zunächst das akademische „Tauziehen“ zwischen positiven und negativen Renditeerwartungen dar: effiziente Märkte auf der einen Seite, Risk-Mitigation-, Stakeholder- und Value-Creation-Theorien auf der anderen, ergänzt um Einwände aus Portfoliotheorie und Sin-Stock-Ansatz. Danach wechselte er in die Praxis und verglich fünf nachhaltige Aktienstrategien mit ihren jeweiligen Basismärkten.
Die Ergebnisse fielen differenziert, aber bemerkenswert aus. Über zehn Jahre lag die jährliche Renditedifferenz beim ERSTE ETHIK AKTIEN GLOBAL bei plus 1,70 Prozentpunkten, beim ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA bei plus 0,99 Prozentpunkten und beim ERSTE RESPONSIBLE STOCK GLOBAL bei plus 0,19 Prozentpunkten. Leicht negativ fielen dagegen ERSTE STOCK GLOBAL mit minus 0,16 und ERSTE RESPONSIBLE STOCK EUROPE mit minus 0,32 Prozentpunkten aus. Besonders interessant: Beim strengsten Ansatz zeigte sich auf Basis monatlicher Renditen statistische Signifikanz. Schuberts nüchterne Schlussfolgerung lautete daher: „Es hat zumindest nicht geschadet.“ Wer aus den Daten eine pauschale ESG-Prämie ableiten wolle, gehe zu weit, aber ebenso wenig lasse sich die These halten, Nachhaltigkeit koste zwingend Rendite.
Die Natur als unsichtbare Belegschaft
Mit Teresa Gäckle und Marie Pfeiffer vom WWF Österreich verschob sich die Perspektive danach von der Kapitalmarktdiskussion zur ökologischen Grundlage wirtschaftlicher Wertschöpfung. Gäckle eröffnete mit einem ebenso einfachen wie wirksamen Gedankenexperiment: Würde man in ein Unternehmen investieren, bei dem 80 Prozent der Belegschaft plötzlich ausfallen könnten? Die Pointe ihrer Frage lag darin, dass genau dieses Risiko bei der Natur längst Realität werde. „Wir haben oft eine Arbeitskraft nicht am Zettel: die Natur“, so die zentrale Botschaft ihres Vortrags.
Gäckle beschrieb Biodiversität als „unsichtbare, oft kostenlose Arbeitskraft“, die sauberes Wasser, fruchtbare Böden, Rohstoffe, Klimaregulation und medizinische Wirkstoffe bereitstellt. Bis zu 50 Prozent der in den vergangenen 30 Jahren zugelassenen Medikamente basierten direkt oder indirekt auf Naturstoffen. Gleichzeitig verwies sie auf den massiven Rückgang von Ökosystemleistungen: Rund 80 Prozent der untersuchten Leistungen seien rückläufig. Das sei nicht nur ein Naturschutzproblem, sondern ein handfestes Business-Thema.
Der zweite Teil von Marie Pfeiffer übersetzte diese Diagnose in ein konkretes österreichisches Beispiel. Als Gewässerökologin machte sie klar, weshalb frei fließende Flüsse nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch relevant sind. Süßwasserökosysteme seien seit 1970 um 85 Prozent zurückgegangen und damit besonders stark unter Druck. Der entscheidende Hebel sei Renaturierung. „Flüsse brauchen Platz“, sagte Pfeiffer. Wird ihnen dieser Raum gegeben, verlangsamt sich Hochwasser, der Grundwasserspeicher wächst, Dämme müssen weniger Belastung aushalten und Wartungskosten sinken. Aus ökologischer Vielfalt wird so Risikoreduktion. „Renaturierung ist letztlich nichts anderes als ein Infrastrukturprojekt“, fasste die Expertin zusammen.

Zukunftsforscher Matthias Horx / (c) PhilippLipiarski
Matthias Horx und die Diagnose der Omnikrise
Matthias Horx lieferte danach den konzeptionell wohl weitesten Vortrag des Tages. Der Zukunftsforscher rückte Nachhaltigkeit in einen größeren zivilisatorischen Kontext und fragte, weshalb das Thema trotz seiner Dringlichkeit oft an Wirkung verliert. Seine Antwort fiel bewusst provokant aus: „Man kann mit schlechten negativen Themen mehr Geld verdienen.“ Damit benannte Horx einen Zielkonflikt, der im bestehenden Wirtschafts- und Finanzsystem tief verankert sei.
Statt Optimismusrhetorik setzte Horx auf Diagnose. Er sprach von einer „Omnikrise“, in der sich Klima-, Demokratie-, Wachstums-, Kriegs- und Wahrheitskrisen gegenseitig verstärken. Nachhaltigkeit müsse deshalb mehr sein als ein gut gemeinter moralischer Appell. Sie brauche eine ehrliche Auseinandersetzung mit den kulturellen, psychologischen und ökonomischen Mechanismen der Gegenwart.
Besonders zugespitzt formulierte Matthias Horx diesen Gedanken, als er Nachhaltigkeit aus der Defensive holte und in einen globalen Machtkontext stellte. Der eigentliche Zukunftskonflikt verlaufe zwischen „Elektrostaaten“ und „Petrostaaten“. Während China mit enormem Tempo Elektrifizierung, Solar- und Batteriekapazitäten ausbaue, ringe der Westen noch zu oft mit alten Narrativen, Bürokratie und Abwehrreflexen. Hinzu komme der Boom von KI und Rechenzentren, der den Bedarf an Energie, Infrastruktur und Kühlung weiter erhöhe. Nachhaltigkeit erschien damit auf der Konferenz nicht als Verzichtsprogramm, sondern als Voraussetzung dafür, im nächsten industriellen Zyklus überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Future-Proof Portfolios: Naturbezogene Risiken werden finanziell
Am Nachmittag griffen Irina Gagloeva und Varvara Shershneva aus dem Responsible-Investments-Team der Erste Asset Management viele Motive des Vormittags auf und übersetzten sie in Portfoliologik. Ausgehend von den Global-Risk-Berichten des World Economic Forum zeigten sie, wie Umweltfaktoren innerhalb weniger Jahre an die Spitze der globalen Risikowahrnehmung gerückt sind. 2026 rangieren laut ihrer Folie Verlust der Biodiversität und der Zusammenbruch von Ökosystemen ganz oben.
Der entscheidende Punkt ihres Vortrags war die finanzielle Einordnung dieser Risiken. „Natur ist kein ethisches oder ökologisches Nebenzimmer, sondern ein Faktor, der in Kosten, Kapitalkosten, Bewertungen und Cashflows einfließen kann“, formulierten die beiden. Naturbezogene Risiken seien physisch, transitorisch, regulatorisch und reputationsbezogen. Als Beispiele nannten sie unter anderem den möglichen Rückgang des globalen BIP um 2,3 Prozent beziehungsweise 2,7 Billionen US-Dollar bis 2030 bei einem teilweisen Zusammenbruch von Ökosystemen, 387 Millionen US-Dollar an gefordertem Schadenersatz nach Überschwemmungen in Südafrika, 7,7 Millionen US-Dollar Strafe für JBS wegen Verbindungen zu illegal entwaldeten Gebieten und zusätzliche wasserbezogene Produktionskosten von rund 8 Millionen US-Dollar bei General Motors während der Dürre in Brasilien.
Konkreter wurde es im Workshop-Teil anhand eines Beispielportfolios mit Unternehmen wie Verbund, BASF, Nestlé, Glencore oder Allianz. Die Diskussion drehte sich um Hochwasser, Wasserknappheit und Artenverlust sowie um Gegenmaßnahmen wie Wasserrecycling, geografische Diversifikation, naturbasierte Lösungen, Renaturierung und Active Ownership. So wurde aus Biodiversität kein abstraktes ESG-Thema, sondern ein handhabbares Portfoliorisiko.
SFDR: Transparenzregime statt Qualitätslabel
Parallel dazu widmete sich Dr. Sandra Reich in ihrer Deep-Dive-Session der SFDR und damit jenem Regulierungsrahmen, der den Markt in den vergangenen Jahren geprägt hat wie kaum ein anderer. Reich zeichnete sehr präzise nach, woher die Verwirrung rund um Artikel 6, 8 und 9 stammt. Der Kernsatz ihres Vortrags lautete: „Es ist keine Klassifizierung nach Qualität. Es ist nur eine Kategorisierung von Transparenzvorschriften.“
Damit traf sie einen Nerv. Reich betonte, dass die SFDR ursprünglich helfen sollte, „bessere“ Entscheidungen treffen zu können, indem Informationen vergleichbarer, quantifizierbarer, relevanter und verständlicher werden. Der Markt habe daraus jedoch in kürzester Zeit ein Farbsystem und damit faktisch ein Labeling gemacht: hellgrün, dunkelgrün, vermeintlich besser, vermeintlich schlechter. Genau darin liege das Dilemma. Transparenz sei mit Qualitätsurteilen vermischt worden.
Zugleich fiel Reichs Bilanz nicht einseitig negativ aus. Die SFDR habe einen enormen Auseinandersetzungsprozess mit Nachhaltigkeit ausgelöst. Asset Manager, Investoren und Berater hätten Prozesse, Werte und Produktlogiken so intensiv hinterfragt wie nie zuvor. „Hat die SFDR einen Beitrag geleistet für mehr Nachhaltigkeit im Kapitalmarkt? Definitiv ja“, sagte sie. Dennoch plädierte sie klar für Vereinfachung. Die derzeitigen Transparenzpflichten seien zu komplex, für Privatanleger schwer verständlich und in der Praxis zu stark von Aufsichts- und Greenwashing-Sorgen überlagert.
Fazit und Ausblick
Gerade in ihrer thematischen Breite wirkte die Nachhaltigkeitskonferenz 2026 geschlossen. Wissenschaftliche Evidenz, Performancefragen, Biodiversitätsrisiken, Flussrenaturierung, Zukunftsdiagnosen und Regulierung griffen ineinander. Oliver Röder hatte zu Beginn formuliert, worum es Investoren letztlich gehe: Performance, Risikominimierung und Wirkung. Genau diese Dreiecksbeziehung zog sich durch den gesamten Tag.
Moderator Oliver Röder brachte es am Ende des Tages auf den Punkt: Das große Interesse der Gäste trotz politisch stürmischer Zeiten zeige, dass die Branche die Relevanz nachhaltigen Investierens längst verinnerlicht hat. "Zurück in die Zukunft" bedeutet eben nicht, nachhaltiges Investieren neu zu erfinden - sondern es auf solides Fundament zu stellen. Die Nachhaltigkeitsagenda der Erste Asset Management, nach einem Vierteljahrhundert gereift, ist nicht reine Ideologie. Sie ist Risikomanagement.
Rückblick zur Nachhaltigkeitskonferenz der Erste Asset Management in vergangenen Jahren: