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Im eleganten Rahmen des Park Hyatt Vienna diskutierten professionelle Fondsselektoren am Equity Outlook 2026 Lunch Forum von e-fundresearch.com die drängendste Frage des Jahres: Wo liegen die überzeugenderen Aktienchancen – in Emerging oder in Developed Markets? Robert Milano, Global Co-Head of Equity Business Development bei AllianceBernstein, hatte eine dezidierte Antwort: in Value-Titeln, und das global.
Ein historischer Stimmungsumschwung
Die Zahlen sprechen für sich. Im ersten Quartal 2026 übertraf der MSCI World Value den MSCI World Growth um rund zehn Prozentpunkte in den USA, um zwölf Prozentpunkte in Europa. Für Milano markiert das den Beginn einer strukturellen Verschiebung: „Wir haben heute einen fundamentalen, einen geopolitischen und einen Bewertungsrückenwind zugleich. Das ist eine wirklich bemerkenswerte Konstellation." Treiber der Rotation seien vor allem die Abkehr von Mega-Cap-Technologiewerten sowie die zunehmenden geopolitischen Spannungen, die Investoren zur Diversifikation zwingen.
Dabei ist der Bewertungsabstand nach wie vor außergewöhnlich groß. Value handelt derzeit mit einem Abschlag von 35 Prozent gegenüber dem Growth-Index und das, obwohl die Qualität der zugrunde liegenden Unternehmen solide ist. „Das sind keine stark zyklischen Werte oder reine Energietitel", betonte Milano. „Es handelt sich um gut aufgestellte Geschäftsmodelle, die schlicht zu lange ignoriert wurden, weil der Markt so myopisch auf alles rund um KI fokussiert war."
Konzentration als Risiko, Diversifikation als Chance
Ein zentrales Argument Milanos gilt der Konzentration im S&P 500: Die zehn größten Titel machen 38 Prozent des Index aus, die fünf größten allein 28 Prozent. Im MSCI EAFE liegen diese Werte bei 14 bzw. rund 8 Prozent. Gleichzeitig ist der Technologiesektor im S&P 500 mit rund 50 Prozent gewichtet – im MSCI EAFE mit knapp 9 Prozent. „Die Märkte außerhalb der USA bieten eine wirklich attraktive Sektor- und Stildiversifikation, bei deutlich geringerer Konzentration."
Auch unter der Oberfläche des US-Marktes zeigt sich das Bild differenzierter als die Indexperformance vermuten lässt: „Rund ein Viertel der S&P-500-Titel hat im ersten Quartal Kursausschläge von plus oder minus 20 Prozent erlebt. Etwa 80 Prozent der Aktien blieben deutlich hinter dem Index zurück. Das schafft erhebliche Stockpicking-Chancen."
Cash Flow als Kompass
Das AB Global Value Portfolio setzt auf einen klar definierten Ansatz: nachhaltige freie Cashflow-Rendite als zentrales Bewertungskriterium, kombiniert mit proprietären Fünfjahresprognosen und einem quantamental integrierten Researchprozess. „Wir suchen keine tiefsten Value-Gelegenheiten, die viel Zyklizität und Makrorisiko mitbringen", erklärte Milano. „Wir investieren in Unternehmen mit starker freier Cashflow-Generierung, soliden Bilanzen und Managementteams, die ihre Geschäftsmodelle erfolgreich weiterentwickeln können."
Die aktuelle Bewertung des US-Marktes untermauert diese Selektivität: Die reale freie Cashflow-Rendite des S&P 500 – also die FCF-Rendite abzüglich der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen – ist heute leicht negativ. Europa und Japan bieten hier strukturell attraktivere Ausgangsniveaus.
Idiosynkratische Überzeugungen im Portfolio
Das konzentrierte Portfolio aus 40 bis 70 Titeln ist aktiv um 17 Prozentpunkte in Technologie untergewichtet. Nicht aus Skepsis gegenüber dem Sektor per se, sondern gegenüber den hochbewerteten Mega-Caps. Stattdessen finden sich Überzeugungspositionen in Bereichen wie Luft- und Raumfahrt (Hexcel), britischen Industrietiteln (BAE Systems, Melrose), europäischen Finanztiteln (Beazley) sowie defensiven Konsumwerten (McDonald's) und Healthcare (ICON, Merck). Ein besonderes Beispiel nannte Milano mit COPT Defense Properties: ein Immobilienunternehmen, das Büroflächen in unmittelbarer Nähe zu US-Regierungsbehörden betreibt und damit strukturell von steigenden Verteidigungsausgaben profitiert – bei stabilen Belegungsraten, während andere Büroimmo-REITs unter Leerstand leiden.
Performance bestätigt den Ansatz
Im ersten Quartal 2026 erzielte das AB Global Value Portfolio eine Rendite von +2,35 Prozent, während der MSCI World um 3,57 Prozent nachgab – ein relatives Plus von knapp 600 Basispunkten. Über ein Jahr liegt die Outperformance gegenüber dem MSCI World bei 13,12 Prozentpunkten. Für Milano ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Disziplin: „Wir haben diese Strategie seit 25 Jahren konsistent geführt. Die Grundüberzeugung ist dieselbe geblieben und der Markt beginnt, ihr wieder Recht zu geben."
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