- KI wird vom Werkzeug zum Wettbewerber: 43 Prozent der Finanzberater erwarten, dass KI-gestützte Anlagetools für Selbstentscheider in fünf Jahren ihre größte Konkurrenz sein werden. Nur 11 Prozent sehen andere Berater als wichtigstenWettbewerber.
- Ruhestandswelle als Wachstumschance: 77 Prozent der Befragten sehen den bevorstehenden Generationenwechsel in der Branche als Gelegenheit, verwaltete Vermögen auszubauen.
- Nachfolgeplanung: Für die eigene Nachfolge hat jedoch nur die Hälfte aller Berater im Alter von 55+ einen Plan.
Trotz des Konflikts im Nahen Osten, eines globalen Energieschocks, geopolitischer Neuordnungen und anhaltender Zinsunsicherheit bleiben Finanzberater mit Blick auf die kommenden Jahre optimistisch. Laut der Financial Advisors Survey 2026 von Natixis Investment Managers erwarten Investment Professionals, ihr verwaltetes Vermögen im kommenden Jahr um 11,9 Prozent steigern zu können. Für die nächsten drei Jahre rechnen sie im Durchschnitt mit einem jährlichen Vermögenswachstum von 12,8 Prozent.
Ein Selbstläufer wird dieses Wachstum jedoch nicht. Um ihre Wachstumsziele zu erreichen, müssen sich Finanzberater mit einer Reihe struktureller Herausforderungen auseinandersetzen – von neuen Technologien über veränderten Wettbewerb bis hin zum demografischen Wandel. Um Einblick in die Wachstumsstrategien von Finanzberatern, die Herausforderungen ihres Geschäftsmodells und die Strategien zur Anpassung an ein zunehmend volatiles Marktumfeld zu erhalten, hat Natixis IM 2.950 Investment Professionals in 23 Ländern befragt.
Kunden in unsicheren Zeiten investiert halten
Angesichts des Tempos und der Vielzahl aktueller Veränderungen müssen Finanzberater zunächst die Vermögen sichern, die sie bereits gewonnen haben. 74 Prozent der Berater berichten, dass ihre Kunden durch die derzeitige Marktunsicherheit verunsichert sind und deshalb mehr Liquidität halten wollen.
Weil marktprägende Narrative Kunden zu vorschnellen Entscheidungen verleiten können, sehen mehr als die Hälfte der Finanzberater emotionale Reaktionen auf Schlagzeilen als häufigsten Anlegerfehler (58 Prozent). Vor dem Hintergrund von Rekordständen an den Märkten, dem Börsengang von SpaceX und einem möglichen Börsengang von OpenAI warnen Berater davor, Renditen hinterherzulaufen oder den Markt timen zu wollen (49 Prozent). Auch unrealistische Renditeerwartungen halten sie für einen kostspieligen Fehler (50 Prozent).
Chancen und Effizienzgewinne durch Künstliche Intelligenz
Von allen potenziellen Umbrüchen, mit denen Finanzberater konfrontiert sind, dürfte Künstliche Intelligenz den größten Einfluss auf Kundenportfolios und Beratungspraxis haben. Mit Blick auf die Märkte erwarten nur wenige Berater, dass das von KI getriebene Wachstum bald an Dynamik verliert. Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) sind überzeugt, dass der KI-Trade noch erhebliches Potenzial hat. 69 Prozent glauben, dass KI die Märkte in den kommenden 20 Jahren prägen kann.
Auch in der eigenen Beratungspraxis gewinnt KI an Bedeutung. 80 Prozent der Berater gehen davon aus, dass diejenigen, die KI einsetzen, einen Wettbewerbsvorteil haben werden. Bereits heute geben 71 Prozent an, die neue Technologie in ihrer Praxis zu nutzen.
Insgesamt sagen 74 Prozent, KI könne ihnen mehr Zeit für die direkte Kundenbetreuung verschaffen. 61 Prozent setzen KI ein, um E-Mails zu verfassen, Besprechungsnotizen zu erstellen oder edukative Materialien zu verschicken. Viele nutzen KI zudem, um den Investmentprozess effizienter zu gestalten: 56 Prozent verwenden KI zur Zusammenfassung von Marktkommentaren und Konjunkturdaten, 40 Prozent für Portfolio- und Risikoanalysen.
Das Effizienzpotenzial ist deutlich – ebenso wie der Druck, es zu nutzen. 48 Prozent der Berater berichten, dass sie sich von ihrem Unternehmen gedrängt fühlen, KI einzusetzen. Gleichzeitig sagt eine Mehrheit von 68 Prozent, die Integration von KI in bestehende Arbeitsabläufe sei anspruchsvoller als erwartet. Entsprechend befürchten fast genauso viele (63 Prozent), nicht über die nötigen digitalen Kompetenzen zu verfügen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Digitalisierung verändert das Wettbewerbsumfeld der Berater
Auch wenn KI die Fähigkeiten von Finanzberatern erweitern kann, stellt die zunehmende Leistungsfähigkeit von KI-Modellen zugleich eine erhebliche Wettbewerbsbedrohung dar. In einer Anlegerbefragung von Natixis IM aus dem letzten Jahr gaben rund die Hälfte der Millennials (49 Prozent) und 40 Prozent der Befragten aus der Generation X an, digitale Beratung klassischen persönlichen Beratungsmodellen vorzuziehen. Zudem vertrauen 47 Prozent der Millennials und 41 Prozent der Generation X bei Finanzberatung am ehesten Algorithmen.
Entsprechend erwarten Finanzberater, dass verbesserte Tools für Selbstentscheider in fünf Jahren ihr größter Wettbewerber sein werden (43 Prozent). Nur 11 Prozent gehen davon aus, dann vor allem mit anderen Finanzberatern im Wettbewerb zu stehen; vor fünf Jahren waren das noch 31 Prozent.
Den Aufstieg der Neobroker sehen mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) als eine Bedrohung für die Kundenbindung; in Deutschland sogar zwei Drittel (65 Prozent).
Größte Herausforderer
| Heute | In 5 Jahren |
Finanzberater | 54% | 11% |
Automatisierte Beratungsplattformen | 23% | 19% |
Disruptoren / Neobroker | 15% | 25% |
Verbesserte Tools für Selbstentscheider | 7% | 43% |
Anpassung an eine veränderte Kundenbasis
Finanzberater haben guten Grund, die digitale Konkurrenz ernst zu nehmen – insbesondere, wenn sie jüngere Anleger als Kunden gewinnen wollen. Wie in vielen Gesellschaften weltweit stellt eine alternde Kundenbasis auch für Beratungsunternehmen eine langfristige Herausforderung dar, da sich die Interessen älterer Anleger verändern und Vermögen auf die nächste Generation übergehen.
Jüngere Kunden sind in den Kundenbüchern von Finanzberatern bislang jedoch unterrepräsentiert: Anleger unter 45 Jahren machen nur etwas mehr als ein Drittel der Kundenbasis aus. Berater wissen, dass sie neue Strategien benötigen, um jüngere Anleger zu gewinnen. 43 Prozent integrieren digitale Tools in ihr Angebot, 44 Prozent ergänzen spezialisierte Dienstleistungen, die für diese Zielgruppe besonders relevant sind – etwa Strategien für den Immobilienerwerb oder den Umgang mit Studienkrediten. Auch bei der Neukundengewinnung erschließen Berater neue Wege. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) nutzt inzwischen soziale Medien, um jüngere Kundengruppen zu erreichen.
Notgedrungen nähern sie sich auch alternativen Währungen wie etwa Bitcoin an, schließlich halten laut Individual Investors Survey von 2025 fast die Hälfte (46 Prozent) der Millenials und ein Drittel (35 Prozent) der Generation X Kryptowährungen. Entsprechend investieren 44 Prozent der Berater bereits in Krypto, 55 Prozent halten es für eine gute Einstiegsmöglichkeit für junge Menschen.
Jüngere Kunden. Jüngere Berater.
Nicht nur die Kunden werden älter. Auch die Berater selbst scheiden zunehmend altersbedingt aus der Branche aus. Viele müssen sich daher mit Fragen wie Unternehmensbewertung und Nachfolgeplanung beschäftigen und prüfen, welche Folgen diese Themen für ihre eigene Exit-Strategie haben.
Weltweit sehen fast acht von zehn Beratern (77 Prozent) die bevorstehende Ruhestandswelle in der Branche als bedeutende Chance, ihr Geschäft auszubauen. Diese Übergangsphase erfordert jedoch eine gezielte unternehmerische Planung; einen solchen Plan haben aber nur 54 Prozent der über 55jährigen Berater. Nach dem besten Modell für die Übergabe einer Beratungspraxis gefragt, bevorzugt eine klare Mehrheit die Benennung eines internen Nachfolgers (62 Prozent). Gleichzeitig sagen 51 Prozent, dass es ihnen schwerfällt, jüngere Berater einzustellen, die ausscheidende Kollegen ersetzen können. Eine Fusion mit einem anderen Unternehmen spricht nur 16 Prozent der Befragten an. Noch weniger (10 Prozent) glauben, dass ein Verkauf an ein externes Unternehmen oder einen externen Käufer die Lösung ist.
Patrick Sobotta, Head of Central and Eastern Europe bei Natixis IM: „Unsere Branche steht an einem Wendepunkt. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, wie das Geschäftsmodell in fünf Jahren genau aussehen wird. Die Umfrage zeigt aber sehr klar, worauf es für Berater jetzt ankommt: Sie müssen neue Technologien nutzen, digitale Wettbewerber ernst nehmen und zugleich ihre Kunden durch ein nervöses Marktumfeld begleiten. Viele Anleger sind verunsichert, wollen mehr Liquidität halten oder reagieren stark auf Schlagzeilen. Genau in solchen Phasen zeigt sich der Wert guter Beratung. KI-Tools lassen sich kaufen, digitale Angebote lassen sich nachbauen. Was sich nicht so leicht ersetzen lässt, ist das Vertrauen, das zwischen Beratern und ihren Kunden über Jahre entsteht.“
Der Bericht zu den Ergebnissen der Financial Advisors Survey 2026 finden Sie hier.
Methodik
Natixis Investment Managers hat 2.950 Investment Professionals in 23 Ländern befragt. Die Daten wurden zwischen März und Mai 2026 vom Forschungsinstitut CoreData erhoben und vom Natixis Center for Investor Insight zusätzlich ausgewertet.
Weitere beliebte Meldungen:
1 Natixis Investment Managers Individual Investor Survey, durchgeführt von CoreData Research im Februar und März 2025. Für die Umfrage wurden 7.050 Privatanleger in 21 Ländern in Nordamerika, Lateinamerika, dem Vereinigten Königreich, Kontinentaleuropa und Asien befragt.