Private Markets im Umbruch: Wo J.P. Morgan Asset Management in Infrastruktur, Real Estate und Healthcare investiert

Private Markets wachsen rasant und werden zur strategischen Säule für Diversifikation, Rendite und Inflationsschutz. Jed Laskowitz, Global Head of Private Markets and Customized Solutions bei J.P. Morgan Asset Management, ordnet den Markt ein und benennt seine wichtigsten Anlagethemen für die kommenden Jahre. Managers | 17.07.2026 09:40 Uhr
Jed Laskowitz, Global Head of Private Markets and Customized Solutions bei J.P. Morgan Asset Management / © e-fundresearch.com / J.P. Morgan Asset Management
Jed Laskowitz, Global Head of Private Markets and Customized Solutions bei J.P. Morgan Asset Management / © e-fundresearch.com / J.P. Morgan Asset Management

Beim European Media Summit von J.P. Morgan Asset Management zeichnete Jed Laskowitz, Global Head of Private Markets and Customized Solutions, ein detailliertes Bild eines Marktes, der inzwischen über 20 Billionen US-Dollar verwaltet und sich nach Erwartung des Hauses bis 2030 in Richtung 30 bis 35 Billionen US-Dollar entwickeln könnte. Er erläuterte, in welchen Segmenten der Vermögensverwalter aktuell den größten Hebel sieht und welche Rolle Anlegerbildung dabei spielt.

Private Markets sind nach Einschätzung von Laskowitz „mainstream wie nie“. Anleger bewegten sich derzeit an zwei Enden des Risikospektrums. Zum einen suchten sie echte Diversifikation in einem Umfeld steigender Inflation und geopolitischer Unsicherheit, sichtbar etwa in branchenweit rund 60 Prozent höheren Mittelzuflüssen in Infrastrukturfonds gegenüber dem Vorjahr. Zum anderen ringe ein wachsender Investorenkreis darum, am Wachstum rund um künstliche Intelligenz zu partizipieren, etwa über Private Equity in Subsektoren wie Healthcare und Life Sciences.

Drei Treiber prägten die Nachfrage nach Private Markets: niedrige Korrelationen, höhere Renditeerwartungen und attraktive laufende Erträge. „Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen steigt“, sagte Laskowitz. „Jene Anlageklassen, die in den vergangenen 10 bis 15 Jahren am meisten Kapital angezogen haben, sind heute stärker mit dem 60/40-Portfolio korreliert als die Segmente, in die Investoren jetzt wieder verstärkt schauen.“ J.P. Morgan Asset Management überwacht nach Angaben des Hauses auf seiner Alternatives-Plattform rund 460 Milliarden US-Dollar mit etwa 1.000 Mitarbeitenden.

Infrastruktur: Energiewende und Energiesicherheit als Doppelmotor

Im Bereich Infrastruktur sieht Laskowitz drei strukturelle Treiber: steigenden Energiebedarf, Energiesicherheit und die Energiewende. Während der Stromverbrauch in den USA, in Großbritannien und in Europa zwei Jahrzehnte lang nahezu stagniert habe, würden für die kommenden 20 Jahre zwei bis fünf Prozent jährliches Wachstum erwartet. „Selbst am unteren Ende dieses Bereichs bedeutet das eine massive Belastung für unterinvestierte Netze“, sagte er. Hyperscaler und KI-Rechenzentren machten dabei etwa ein Drittel des zusätzlichen Bedarfs aus; der Rest entfalle auf die zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Wärme. Die Verschärfung geopolitischer Risiken, etwa rund um die Straße von Hormus, beschleunige zudem die Hinwendung zu erneuerbaren Energien und Übergangsenergieträgern wie LNG.

McKinsey-Berechnungen zufolge dürfte der Investitionsbedarf für globale Infrastruktur bis 2040 in der Größenordnung von 100 Billionen US-Dollar liegen, „und der Großteil dieses Kapitals wird aus privaten Quellen kommen“, so Laskowitz. Gleichzeitig stünden rund eine Billion US-Dollar in geschlossenen Infrastrukturfonds in den nächsten fünf Jahren zur Verlängerung oder zum Exit an. „Diese Kombination aus massivem Capex-Bedarf und Exits aus geschlossenen Fonds eröffnet sehr interessante Gelegenheiten für langfristige Käufer wie uns“, sagte er. Auch Verkäufe durch strategische Investoren, etwa im Zusammenhang mit dem jüngst angekündigten Mega-Merger im US-Versorgersektor, machten den klassisch als eher langweiliger geltenden Bereich der Essential Services wieder spannend. Für eine geeignete Allokation seien zweistellige Erträge bei sehr niedriger Korrelation zu anderen Marktsegmenten realistisch.

Real Estate: Im siebten Quartal der Erholung

Real Estate gilt weiter als unbeliebte Anlageklasse, was Laskowitz für eine Chance hält. Die US-Erholung sei rund sieben Quartale alt. Nach historischen Mustern, etwa nach der Savings-and-Loan-Krise oder der Finanzkrise, könnten Aufschwungphasen noch deutlich länger laufen. Die Leerstandsproblematik konzentriere sich stark: „60 bis 70 Prozent der Vakanzen entfallen auf zehn Prozent der Objekte.“ Die Neubauaktivität im Bürosegment sei in den USA gegenüber dem Höhepunkt um 80 Prozent zurückgegangen, in der City of London um 20 Prozent und europaweit um rund 40 Prozent.

Zugleich gewinnt Real Estate als Inflationsschutz an Beachtung. Besonders im Bereich Logistik und in spezialisierter Industrie, etwa für Robotik und Advanced Manufacturing, sieht das Haus attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Zuletzt wurde nach Angaben von Laskowitz eine Produktionsstätte eines großen Defense-Konzerns an der US-Westküste übernommen und in Deutschland eine Logistikimmobilie an ein großes E-Commerce-Unternehmen veräußert. Bemerkenswert sei, dass das Einkommenswachstum aus Immobilien in diesem Zyklus, anders als in früheren Abschwüngen, durchgehend positiv geblieben sei, während die Bewertungen unter Druck standen.

Private Equity: Healthcare und Life Sciences im Fokus

Im Private-Equity-Bereich verschiebt sich nach Beobachtung von Laskowitz die Marktstruktur deutlich. Die Zahl der börsennotierten Unternehmen liege in Europa und in Großbritannien rund 25 Prozent unter dem Niveau von vor 20 Jahren, zugleich blieben Firmen wesentlich länger privat. Beispiele wie Palantir mit 17 Jahren oder Databricks, das nach 13 Jahren als privates Unternehmen mittlerweile in seine Series L gegangen sei, illustrierten diesen Trend. „Wenn Sie Private Markets ignorieren, ignorieren Sie einen großen Teil des investierbaren Universums.“

Der M&A- und IPO-Markt erholt sich aus seiner Sicht von Quartal zu Quartal, sei aber noch nicht breit genug, um die Bewertungsstaus der 2021er-, 2022er- und 2023er-Vintages aufzulösen. Rund 30.000 Unternehmen mit etwa vier Billionen US-Dollar an Vermögenswerten lägen in Private-Equity-Portfolios und warteten auf Exits.

Den nach eigener Einschätzung am stärksten unterschätzten Bereich verortet Laskowitz im Gesundheitssektor: „Innerhalb von Private Equity ist es wohl Healthcare.“ Bis 2031 verlören die 14 größten börsennotierten Healthcare-Konzerne knapp 600 Milliarden US-Dollar Umsatz aufgrund auslaufender Patente. Dieses Patent Cliff müssten sie über Transaktionen schließen. Hinzu komme der direkte KI-Effekt: „KI wirkt sich auf die Wirksamkeit von Medikamenten und auf Entwicklungszeiten unglaublich stark aus.“ Frühe Studien deuteten auf Effizienzgewinne in der Wirkstoffentwicklung von 60 bis 70 Prozent hin.

Total-Portfolio-Ansatz und Brücken zwischen Public und Private

Institutionelle Anleger gehen aus Sicht von Laskowitz zunehmend von einer klassisch nach Anlageklassen sortierten Allokation zu einem Total-Portfolio-Ansatz über, der Wachstum und Absicherung sowie öffentliche und private Bausteine integriert betrachtet. Auf Seiten von J.P. Morgan Asset Management werde dazu auch das Research enger verzahnt. So sei in der Portfoliomanagement-Plattform Spectrum eine Funktion geschaffen worden, die nach automatisierter Compliance-Prüfung Research-Notizen zwischen Public- und Private-Equity-Teams sowie über Sektoren hinweg teilen lässt.

Privatvermögen: Bildung als Voraussetzung

Mit Blick auf den Trend zur breiteren Öffnung von Private Markets stellte Laskowitz die Anlegerbildung in den Mittelpunkt. Anleger mit mehr als 30 Millionen US-Dollar Vermögen erhielten qualitativ hochwertige Beratung und allokierten im Schnitt 22 Prozent ihres Vermögens in Alternatives. Bei High-Net-Worth-Kunden seien es rund vier Prozent, im Mass-Affluent-Segment noch weniger. Die Branche müsse lernen und sauber vermitteln, welche Anlageklassen sich für Evergreen-Strukturen eigneten: „Nur weil das Vehikel mehr Liquidität bietet, wird der Basiswert dadurch nicht liquider.“

Auf Fragen zu Gatings und Rücknahmebeschränkungen verwies er auf die Grundüberlegung: Wer in den nächsten 10 bis 15 Jahren nur sechs statt zehn Prozent Rendite aus einem 60/40-Portfolio erwarte und gleichzeitig mit höherer Inflation und positiver Aktien-Anleihen-Korrelation rechne, habe gute Gründe, Liquidität gegen Diversifikation und höhere Renditechancen einzutauschen. Entscheidend sei aber die richtige Größendimensionierung, etwa drei oder fünf Prozent des Portfolios, verteilt auf mehrere Manager. „Es geht um Wissen vor dem Einstieg, um die Größe der Position und um realistische Erwartungen an die Zukunft.“ Bei adäquater Strukturierung seien diese Strategien aus seiner Sicht durchaus für ein breiteres Anlegerpublikum geeignet.

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