Rasant stieg das Fondsvermögens in den 90er-Jahre. Nach einem Rückgang des Fondsvolumens in 2001 gab es im laufenden Jahr aber wieder einen Zuwachs. In Deutschland beispielsweise hat Fidelity im ersten Halbjahr 1,061 Milliarden Euro netto eingesammelt. Das Fondsvolumen deutscher Anleger stieg damit auf 6 Milliarden.
Fidelity profitiert von Offener Architektur
Beigetragen hat dazu die so genannte Offene Architektur. Das bedeutet, dass Banken ihren Kunden nicht nur hauseigene Fonds verkaufen, sondern auch Produkte anderer Anbieter. Als unabhängige Fondsgesellschaft ist Fidelity auf den Vertrieb über Dritte angewiesen.
Vorreiter USA
In den USA gehen bereits über 90 Prozent der Fondsverkäufe an den Banken vorbei. Europa ist in dieser Beziehung noch ein Entwicklungsland. "Deutschland hat in Europa die größten Fortschritte gemacht", sagt Richard Wastcoat, Managing Director von Fidelity in London.
Gute Karten für Fidelity
"Eine breite Produktpalette, eine gute Performance und einen Markennamen sind die Schlüsselfaktoren, damit die Banken unsere Fonds anbieten", sagt Richard Wastcoat. Hier hat Fidelity gute Karten. Die breite Produktpalette ist gegeben und der Firmenname hat ein gutes Image. In Europa hat Fidelity mit dem European Growth zudem ein Spitzenprodukt im Angebot.
Gegenwind für Fidelity European Growth
Zukünftig könnte dieser Fonds aber mehr Gegenwind erhalten. Zum einem macht allein die Größe des Fonds von neun Milliarden Euro es schwierig, weiterhin die herausragende Performance der Vergangenheit zu erreichen. Schwerer noch dürfte wiegen, dass Starfondsmanager Anthony Bolton den Fonds Anfang 2003 an Graham Clapp übergibt. In die Fußstapfen von Bolton zu treten, dürfte für Clapp kein leichter Job sein.
Fidelity setzt auf Stockpicking
Bei Fidelity ist man indes versucht, den Rückzug Boltons herunterzuspielen. "Bolton wird das Haus nicht verlassen. Er nimmt weiter Teil am Investmentprozess", sagt Simon Fraser, Chief Investment Officer (CIO) bei Fidelity in London und fügt an: "Wir wollten Anthony Bolton nie zum Star machen. Seine Performance hat ihn zum Star werden lassen", erklärt Fraser. Letztlich lautet die Botschaft von Fraser: Nicht auf Personen kommt es an, sondern auf den Investmentprozess. Und der basiert bei Fidelity ganz auf Stockpicking.
Büros in Boston, London, Tokio und Hongkong
Dafür arbeiten bei Fidelity 151 Fondsmanager und 272 Analysten in den Büros in Boston, London, Tokio und Hongkong. Die Analysten werden intern trainiert, um sie zu Fondsmanagern zu auszubilden. Aufgeteilt sind sie nach sieben Branchen. Gleichwohl sagt Simon Fraser: "Wir studieren keine Branchen, sondern Aktien."
Bottom-up statt Top-down
Die Stockpicking-Philosophie beruht auf der Annahme "semi-effizienter Märkte". Das heißt, dass im Markt nicht alle zur Verfügung stehenden Informationen einpreist sind. "Fidelity sucht nach Aktien, bei denen es in der Zukunft positive Gewinnüberraschungen gibt", erläutert Simon Fraser. Fidelity arbeitet deshalb nach einem Bottom-up-Ansatz, makroökonomische Daten spielen keine Rolle.
Verantwortung für den Fonds allein beim Fondsmanager
Die Verantwortung für den Fonds liegt allein bei den Fondsmanagern. Der CIO trifft bei Fidelity keine Investmententscheidungen. "Mein Job ist, dass der Investmentprozess funktioniert", sagt Simon Fraser. Nach eigenen Angaben haben die europäische Aktienfonds von Fidelity über fünf Jahre 94 Prozent ihrer Vergleichsfonds geschlagen. Zwar bewertet das Anlegermagazin EURO am Sonntag einzig den Fidelity European Growth mit der EURO-Note 1. Etliche Fonds tragen aber die EURO-Note 2 oder 3. Nur wenige Fonds werden mit der Note 4 bedacht.
Voll-Investment-Ansatz soll schlechtes Timing vermeiden
Neben Stockpicking setzt Fidelity auf einen Voll-Investment-Ansatz. Man ist sich bewusst, dass dieser Ansatz in schwachen Börsenphasen zu Verlusten führt. "Unsere Erfahrung zeigt aber, dass man in Aufwärtsphasen sonst rund 80 Prozent der Performance verpasst", begründet Simon Fraser.
Fidelity im Überblick
Gegründet: 1946
Büros: Boston, London, Tokio, Hongkong
Fondsvolumen: 114 Milliarden Dollar
Mitarbeiter: 2881
Fondsmanager: 151
Analysten: 272
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