Goldpreis: Warum kriselt die Krisenwährung? Monika Rosen ordnet ein

Krisen hätte die Welt wahrlich genug zu bieten, den Goldpreis beflügeln sie derzeit aber nicht wirklich. Seit Ausbruch des Iran Krieges ist das Edelmetall um über 10% gefallen. Sind die Anleger einfach zu sorglos, oder stecken doch fundamentale Gründe hinter der enttäuschenden Performance? Und welche Rolle spielen dabei die Notenbanken? Mit dem neuen RosenCorner liegen Sie wie immer goldrichtig! Markets | 01.06.2026 09:33 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Krieg in der Ukraine und im Iran, doch der Goldpreis ist unter Druck. Warum?

Per Ende Mai ist der Goldpreis auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten gefallen. Begründen lässt sich das vor allem mit den zu erwartenden Zinsanhebungen. Weltweit steigen derzeit die Energiekosten und damit die Inflationsraten. Die Notenbanken haben daher kaum eine andere Wahl, als die Zinsen anzuheben. Der Markt erwartet beispielsweise mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit, dass die EZB bei ihrer Juni-Sitzung eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte vornehmen wird. Im weiteren Jahresverlauf sind derzeit noch ein bis zwei weitere Schritte im selben Ausmaß eingepreist. In den USA hat sich die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen quasi in Luft aufgelöst. Diese Neuorientierung der Geldpolitik hat direkte Auswirkungen auf den Goldpreis. Da Gold keine Zinsen abwirft, sondern nur von der Kursveränderung "lebt", verliert es an Glanz, wenn Zinsanhebungen im Raum stehen, bzw. Senkungen ausgepreist werden. Außerdem ist es seit Kriegsausbruch mit der expliziten Dollarschwäche vorbei. Für alle Anleger, deren Heimatwährung nicht der Dollar ist, wird Gold damit teurer. Auch das hat den Goldpreis in den letzten Wochen belastet.

Welche Rolle spielen dabei die Notenbanken?

Eine bedeutende. Sie entscheiden über Zinsanhebungen und machen damit Gold, das keine Zinsen abwirft, potenziell weniger attraktiv. Darüber hinaus beeinflussen die globalen Notenbanken den Goldpreis massiv durch ihr Kaufverhalten. Zwischen 2022 und 2024 haben sie lt. World Gold Council rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr gekauft und damit den Goldpreis wesentlich unterstützt. Im Vorjahr waren es immerhin noch über 860 Tonnen. Erste Trends für 2026 legen nahe, dass zumindest einige Notenbanken die Seiten gewechselt haben und Gold verkaufen. Sie reagieren damit auf die gestiegenen Energiepreise und / oder wollen ihre Währungen stützen. Auf der Verkäuferseite stehen zum Beispiel die russische und die türkische Notenbank.

Wie sehen die neuen Preisziele für Gold aus?

Viele große Investmentbanken halten zwar langfristig an ihrer positiven Einschätzung fest, haben aber kurzfristig die Preisziele gesenkt. UBS beispielsweise erwartet per Jahresende nur mehr 5.500 $, statt bisher 5.900 $. Die Experten bei Goldman Sachs waren von vornherein vorsichtiger. Sie bleiben auch jetzt bei ihrem Kursziel von 5.400 $ bis Jahresende.

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:

Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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