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Vertriebsprofi Herbert Kronaus: "Strategischer Anlagemix genügt nicht mehr"

Warum traditionelle Multi-Asset-Ansätze nach dem Motto „Set and forget“ („Zusammenstellen und vergessen“) ausgedient haben, erklärt Herbert Kronaus, Country Head Österreich bei Columbia Threadneedle Investments, in einem exklusiven Gastbeitrag. Markets | 02.08.2017 11:55 Uhr
Herbert Kronaus, Country Head Österreich, Columbia Threadneedle Investments / ©  Columbia Threadneedle
Herbert Kronaus, Country Head Österreich, Columbia Threadneedle Investments / © Columbia Threadneedle

"Das Kernziel von Multi-Asset-Strategien ist der Aufbau von Portfolios, deren Risikoprofile denen von Portfolios mit nur einer Anlagenklasse überlegen sind – bei gleichzeitiger Optimierung des Renditepotenzials. Da der Markt volatileren Assetklassen tendenziell höhere Risikoaufschläge beimisst, können Multi-Asset-Portfolios viele dieser Risikoaufschläge durch Kombination mehrerer individuell volatiler Anlagen abfangen. Angesichts der niedrigen Renditekorrelation zwischen einzelnen dieser Assets sollte die Gesamtvolatilität des Portfolios geringer sein als die Summe der einzelnen Komponenten. Somit ist davon auszugehen, dass entsprechende Multi-Asset-Portfolios im Hinblick auf eine Vielzahl von Wirtschafts- und Anlageszenarien widerstandsfähiger sind als einzelne Assetklassen. 

Die Vermögensallokation beruht auf der aktiven Ermittlung sowohl der wahrscheinlichen Rendite verschiedener Anlageklassen als auch der Korrelation der Vermögenspreise auf lange Sicht (mittels strategischer Vermögensallokation) bzw. kurz- bis mittelfristig (für die taktische Vermögensallokation).

In den vergangenen 35 Jahren hat dies strategisch nach dem Motto „Set and forget“ („Zusammenstellen und vergessen“) – unter Einsatz eines Anlagemix aus Aktien und Anleihen im typischen Verhältnis von 60:40 – gut funktioniert. Denn nicht nur Aktien haben hohe Renditen erzielt. Auch die Effizienz eines gemischten Portfolios aus Staatsanleihen von Kernländern und Aktien war phänomenal, da die Renditen langlaufender Staatsanleihen von rund 14 Prozent im Jahr 1981 stetig auf zwei bis drei Prozent zu Beginn dieses Jahres gesunken sind.* Unter dem Strich hatte ein typischer 60:40-Anlagemix aus Aktien und Anleihen über die vergangenen drei bis vier Jahrzehnte hinweg in etwa die gleiche Volatilität wie ein Portfolio aus 100 Prozent Anleihen, erzielte jedoch eine bessere Rendite. 

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Ein strategischer Anlagemix genügt nicht mehr 

In Zukunft ist dieser Ansatz jedoch wahrscheinlich nicht mehr so lukrativ. Denn zum einen hängt der weitere Erfolg davon ab, ob sich die Hausse am Rentenmarkt fortsetzt. Das ist unwahrscheinlich angesichts der Tatsache, dass diese Hausse weitgehend ein Ergebnis der Globalisierung und ihrer Auswirkungen auf die Arbeitnehmer weltweit ist, wobei die Arbeiter aus den Schwellenländern (und insbesondere aus China) gerade dann in den Weltarbeitsmarkt vorstießen, als die Arbeitskraft im Westen nachließ. Dies zog die Zinsen und mit ihnen die Anleiherenditen nach unten und ebnete so den Weg für eine weniger restriktive Geldpolitik und eine quantitative Lockerung. Nachdem die Renditen bereits heute sehr niedrig sind, werden die Ertragschancen auf dem Anleihenmarkt über die nächsten zehn Jahre hinweg wahrscheinlich niedrig bleiben. 

Zum anderen funktioniert die strategische Vermögensallokation am besten, wenn die Volatilität und die Korrelationen stabil sind. Allerdings ist auch die Volatilität selbst volatil – momentan ist sie vielleicht noch relativ niedrig, wir gehen aber von einem Anstieg aus. Damit dürfte auch der Korrelationsvorteil schmaler werden. 

Daraus folgt, dass Anleger sich bei der Vermögensallokation nicht mehr auf einen traditionellen strategischen Anlagemix verlassen können. Eine dynamische Asset-Allokation, die sich besonders zur Ausnutzung kurzfristiger Marktbewegungen eignet, dürfte günstiger sein. Denn sie ermöglicht, die Engagement in den verschiedenen Anlageklassen je nach wirtschaftlichen Bedingungen und Marktbewertungen anpassen, um Positionen in attraktiven oder unattraktiven Märkten einzugehen beziehungsweise zu vermeiden. 

Eine solche dynamische Asset-Allokation lässt sich nur mit einem aktiven Ansatz realisieren. Denn zum einen ist Risikomanagement in einem unsicheren Investitionsklima mit erhöhter Volatilität der Schlüssel zum Erfolg. Zum anderen liefen die besten und schlechtesten Erträge für die Anlageklassen in den zurückliegenden 16 Jahren erheblich auseinander. So legten beispielsweise japanische Aktien im Jahr 2015 um 22 Prozent zu, während die Rohstoffpreise um 16 Prozent zurückgingen. Das macht deutlich, dass die Auswahl der richtigen Anlageklassen Erfahrung und Expertise bedarf. 

Wie sollte ein diversifiziertes wachstumsorientiertes Portfolio aussehen? 

Diversifizierte wachstumsorientierte Fonds sollten über Aktien und Anleihen als Treiber von soliden, konstanten und risikobereinigten Renditen bei erträglichen Volatilitätsniveaus hinausblicken und einen alternativen Anlagemix anstreben. Dank einer uneingeschränkten Herangehensweise sollten sie Chancen gerade dann nutzen können, wenn diese sich bieten, um die besten Ideen für das Portfolio zu finden. Ist das Umfeld risikofreundlich, können sie in Vermögenswerte mit höherer Volatilität investieren – in der Erwartung, dass diese Volatilität auch belohnt wird. Bei einem risikoaversen Umfeld können sie auf Assets setzen, deren Ziel der Schutz des Anlegerkapitals ist."

Herbert Kronaus, Country Head Österreich, Columbia Threadneedle Investments


Gastkommentare werden von anerkannten Experten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen.

*Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, mit 14,74 Prozent am 08.10.1981 und 2,44 Prozent am 01.02.2017. Quelle: Macrotrends.

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