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Können Rohstoff-Investments nachhaltig sein?

In welchem Ausmaß sich Rohstoff-Investments & Nachhaltigkeit vereinbaren lassen, stand beim gestrigen Working Lunch von Spängler IQAM Invest und der Nachhaltigkeits-Research-Agentur rfu im Fokus. Markets | 04.10.2019 10:11 Uhr
v.l.n.r.: Mag. Reinhard Friesenbichler (Geschäftsführer von rfu), Dr. Markus Ploner, CFA, MBA (Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest) und Mag. Thomas Kaiser, CFA (Asset Manager bei Spängler IQAM Invest) / © Spängler IQAM Invest
v.l.n.r.: Mag. Reinhard Friesenbichler (Geschäftsführer von rfu), Dr. Markus Ploner, CFA, MBA (Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest) und Mag. Thomas Kaiser, CFA (Asset Manager bei Spängler IQAM Invest) / © Spängler IQAM Invest

„Rohstoff-Investments haben seit der Finanzkrise herbe Verluste erzielt. Dabei sind die Hintergründe nicht immer klar und Chancen wurden verpasst. Um in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen Preistrends erkannt und Rollrenditen genutzt werden“, so Mag. Thomas Kaiser, CFA, Asset Manager bei Spängler IQAM Invest im Rahmen seines Vortrags „Rohstoffe: ein verlorenes Jahrzehnt“ beim gestrigen Working Lunch im Palais Hansen Kempinski in Wien.

Der Abbau von Rohstoffen ist meist mit hohen gesellschaftlichen und ökologischen Risiken verbunden. Gleichzeitig sind Rohstoffe die Grundlage unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, ohne die eine Produktion von wichtigen Gütern, eine verlässliche Energieversorgung und die Sicherung der Ernährung nicht möglich wären. Die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Investieren auf Rohstoffmärkten sind also sehr herausfordernd. „Für den Strategic Commodity Fund – der Nahrungsmittel-freie Rohstoff-Fonds von Spängler IQAM Invest – wurde deshalb gemeinsam mit den Nachhaltigkeits-Spezialisten der Research-Agentur rfu ein am Markt gänzlich neuer Ansatz entwickelt“, sagt Dr. Markus Ploner, CFA, MBA, Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest.

„Die Gewinnung von Rohstoffen ist mit hohen Umwelt- und Sozialrisiken verbunden. Gleichzeitig sind manche Rohstoffe – vor allem Industriemetalle – wichtige Inputfaktoren z. B. für Photovoltaikanlagen und e-Mobilität. Unser Nachhaltigkeitsrating versucht Licht auf dieses komplexe Anlagefeld zu werfen“, so Mag. Reinhard Friesenbichler, Geschäftsführer von rfu im Rahmen seines Vortrags „Rohstoffe am Nachhaltigkeits-Prüfstand“.

Rohstoffe: ein verlorenes Jahrzehnt

Das verlorene Jahrzehnt bei Rohstoffinvestments resultiert einerseits aus Preiskorrekturen aufgrund struktureller Änderungen einiger Rohstoffsektoren und andererseits aus dem negativen laufenden Ertrag aufgrund niedriger Zinsen und negativer Rollrendite. Der laufende Ertrag erklärt 60 Prozent der Gesamtrendite; Rollrenditen sind ein wichtiger Ertragsfaktor und sollten daher „optimiert“ werden. Die Rohstoffpreisentwicklungen erklären nur 5 Prozent der Gesamtrendite. Aber: Während anhaltender Trends durch strukturelle Veränderungen der Rohstoffsektoren werden hohe Korrelationen zwischen Preis und Gesamtrendite verzeichnet. Rohstoffe bieten Inflationsschutz und sind nur bedingt, in tiefen Rezessionen oder starken globalen Wachstumsphasen, Konjunktur-sensitiv.

Wie der Spängler IQAM Ansatz Nachhaltigkeit berücksichtigt 

Der Strategic Commodity Fund ist der erste Rohstoff-Fonds unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und investiert bereits seit über einem Jahr in den IQAM Non-Food Commodity Index. Der komplette Ausschluss von Lebensmitteln war schon ein erstes Zugeständnis an Nachhaltigkeit, nun geht Spängler IQAM Invest noch einen Schritt weiter. Seit Anfang April 2019 wird im zugrundeliegenden Index und damit auch im Fonds bei der Gewichtung der Rohstoffe neben der Bewertung (Value) und der Stimmung (Sentiment) auch die Nachhaltigkeit explizit berücksichtigt. Seit dieser Umstellung auf Nachhaltigkeit hat sich der IQAM Non-Food Commodity Index im Vergleich zu anderen Indices mit +3,35% sehr erfreulich entwickelt (24.09.2019, Bloomberg). Seit 30.04.2012 hatte der IQAM Non-Food Index eine Performance von -2,42 % p.a. (Ultimo 08/2019, Bloomberg).

Quantitative Rohstoff-Auswahl im Index

Wie funktioniert die Auswahl? „Der IQAM Non-Food Commodity Index wird durch die Parameter Bewertung (Value) und Stimmung (Sentiment) rein quantitativ gesteuert und wählt dabei aus 15 Rohstoffen die zehn attraktivsten Anlagemöglichkeiten aus“, so Ploner weiter. Das Rohstoff-Universum kommt aus den drei Sektoren Industriemetall (Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel, Palladium, Zink), Energie (Heizöl, Erdgas, Benzin bleifrei, Gasöl, Rohöl Brent, Rohöl WTI) und Edelmetall (Gold, Silber, Platin). Die Gewichtung der zehn ausgewählten Rohstoffe basiert ausschließlich anhand ihrer Nachhaltigkeitsrankings.

Rohstoff-Analyse unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit

Wie aber kann Nachhaltigkeit im Rohstoff-Bereich überhaupt berücksichtigt werden? „Für die genannten 15 Rohstoffe werden die ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette analysiert, d. h. vom Abbau über die Veredelungs- und Verarbeitungsprozesse bis hin zur Nutzung der Rohstoffe im Rahmen unterschiedlichster Produkte und Anwendungen“, erklärt Ploner. Die beurteilten Aspekte sind insbesondere:

  • Geografische Verteilung der Lagerstätten und die damit in Zusammenhang stehenden Arbeits- und Menschenrechtsbedingungen sowie Geschäftspraktiken (z. B. Korruption, undemokratische Regierungen, Konflikte mit Anrainern)
  • Anbieterseitige Marktstruktur und Verhaltensweisen der marktführenden Unternehmen
  • Umweltwirkungen der für Abbau und Erzeugung eingesetzten Technologien einschließlich des Einsatzes von Sekundärrohstoffen über Recycling-Prozesse
  • Anwendungsmix der Rohstoffe in Endprodukten und deren ökologische und soziale Effekte (z. B. Anwendung von Edelmetallen für Medizintechnik)

Nachhaltigkeits-Rating am Beispiel von Silber

„Das Ergebnis der erstmals 2018 von rfu durchgeführten und alle zwei bis drei Jahre zu aktualisierenden Analysen sind Nachhaltigkeits-Ratings zu den 15 untersuchten Rohstoffen auf einer neunstufigen Skala von A+ bis C-“, sagt Ploner. Im Folgenden wird der Scoring-Prozess am Beispiel des Edelmetalls Silber (Box „Ag“ in der Grafik) erklärt.

Erzeugung: Die Gewinnung von jährlich rund 25.000 Tonnen Silber ist mit zum Teil starken Eingriffen in die Natur verbunden. Die hohe Recyclingquote von Silber ist positiv hervorzuheben. Daraus resultiert für den Wertschöpfungsschritt der Erzeugung („E“ in der Box) eine mit -2,5 Punkten negative, aber im Vergleich zu den beiden anderen Edelmetallen Platin und Gold weniger kritische Beurteilung. 

NutzungBei der Nutzung („N“) von Silber schlagen die langen Lebenszyklen in vielen der wichtigsten Anwendungsfelder positiv zu Buche: 25 % Schmuck und Silberwaren, 22% Elektro- und Elektronikprodukte, 20 % Münzen und Barren, 13 % Photovoltaikzellen. Die Bewertung ist deshalb mit +0,8 im positiven Bereich. 

Ökologie und Soziales: Weiters sind die Resultate gegliedert nach der ökologischen („Ö“) und der sozialen Dimension („S“). Hierbei wirken sich die oft niedrigen Umweltstandards, die mangelhaften Arbeitsbedingungen und die Betroffenheit der Anwohner im Umfeld der Minen in den wichtigsten Herkunftsregionen – überwiegend Südamerika und Asien – negativ aus: -0,6 Punkte für die Ökologie und -1,6 für die sozialen Effekte. 

Gewichtung der Rohstoffe im IQAM Non-Food Commodity Index

Der Gesamtscore von Silber ist mit -1,0 leicht negativ, was einem Rating mit B- entspricht. Explizit berücksichtigt werden auch Zukunftstrends in Form neuer Anwendungsbereiche und Produktionstechnologien. Silber ist dafür ein positives Beispiel, denn das nachhaltige Anwendungsfeld Photovoltaik ist stark wachsend. Entsprechend zeigt der Trendindikator nach oben („↑ “). Insgesamt erreicht Silber die klar beste Position innerhalb der Edelmetalle und liegt auch im Gesamtranking aller Rohstoffe – hinter Nickel und Kupfer – an dritter Stelle. 

Das Gesamtranking geht dann als gewichtungsrelevanter Faktor in die Zusammensetzung des IQAM Non-Food Commodity Index ein: 14,5 % für den nachhaltigsten der 10 ausgewählten Rohstoffe, 13,5% für jenen mit dem zweitbesten Ergebnis etc. bis hinunter zu 5,5 % für den am niedrigsten bewerteten Rohstoff. 

„Der Performanceunterschied zwischen dem IQAM Non-Food Commodity Index und dem IQAM Non-Food Commodity Index Sustainability screened (Berücksichtigung von Nachhaltigkeit) ist auf die letzten fünf Jahre gesehen gering, wenngleich die historischen Tests zeigen, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in den letzten 20 Jahren vorteilhaft gewesen wäre“, so Ploner abschließend.

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