Die Ölpreise stehen nach einer Reihe von Vergeltungsschlägen zwischen den USA und dem Iran am Wochenende weiterhin unter Druck. Unser Kernszenario bleibt eine begrenzte Eskalation, die das stetige globale Wachstum wahrscheinlich nicht beeinträchtigen wird. Allerdings wird der verlangsamte Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus die Inflation länger über dem Zielwert halten. Wir empfehlen, die Duration im Euro zu neutralisieren und gleichzeitig eine kleine Short-Position in US-Aktien beizubehalten, denn eine Schwalbe (ein schwächerer Verbraucherpreisindex für Juni) macht bekanntlich noch keinen Sommer. Da die Rezessionsrisiken nach wie vor gering sind, dürften Kredite widerstandsfähig bleiben, was durch günstige technische Faktoren wie ein begrenztes Angebot in den kommenden Wochen noch unterstützt wird.
Wir haben unsere Übergewichtung in Aktien reduziert, nicht nur, weil saisonale Muster im weiteren Verlauf des Sommers an Bedeutung verlieren dürften. Globale Aktien legten im April und Mai kräftig zu, zeigen nun aber Anzeichen von Ermüdung. Auffällig ist, dass die Streuung bei den Aktien stark zugenommen hat, während die Rotation in diesem Monat zu einem starken Kursrückgang bei Momentum-Strategien geführt hat. Die größte Veränderung fand im IT-Sektor statt: Halbleiteraktien sind nach einer massiven Rally im zweiten Quartal in einen Bärenmarkt eingetreten. Eine Streuung signalisiert nicht unbedingt eine Korrektur, deutet jedoch oft auf eine größere Anfälligkeit hin und spricht für eine breitere sektorale und geografische Diversifizierung.
Positiv zu vermerken ist, dass die Bedenken hinsichtlich der Monetarisierung von Large Language Models (LLM) zwar weiterhin bestehen – zuerst DeepSeek, nun Kimi –, wir jedoch keine Anzeichen einer Schwäche bei den KI-Investitionsplänen erkennen. Diese Pläne stützen das globale Wachstum weiterhin. Gleiches gilt für die Welle der regulatorischen Lockerungen. So schlägt die Europäische Kommission nun niedrigere Kapitalanforderungen für EU-Banken (Verschuldungsquote) vor, nachdem ähnliche Schritte bereits in den USA und Großbritannien unternommen wurden.
Von Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments
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