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PR-Experte Carsten Böhme: „Greenwashing wird entlarvt und abgestraft werden“

Die Kommunikationsberatung Instinctif Partners hat soeben erste Ergebnisse des Nachhaltigkeits-Barometers 2021, einer für Deutschland repräsentativen und jährlich durchgeführten Umfrage zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen veröffentlicht. Welche Umfrage-Erkenntnisse besonders überraschen und inwieweit sich daraus auch konkrete Handlungsempfehlungen für die Fondsindustrie ergeben, diskutierte Managing Partner Carsten Böhme im Exklusiv-Interview mit e-fundresearch.com Markets | 20.05.2021 10:20 Uhr
Carsten Böhme, Managing Partner der Kommunikationsberatung Instinctif Partners / © Instinctif Partners
Carsten Böhme, Managing Partner der Kommunikationsberatung Instinctif Partners / © Instinctif Partners

e-fundresearch.com: Herr Böhme, was war die überraschendste Erkenntnis des Instinctif Nachhaltigkeits-Barometer 2021?

Carsten Böhme: Wir haben dieses Jahr bewusst die Einstellung der Bundesbürger hinsichtlich der Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund der Covid19-Pandemie abgefragt. Was haben Krankheit, Einschränkungen des sozialen Lebens und das Warten auf die Impfstoffe mit den Menschen gemacht? Anders als uns das vielleicht einige traditionelle und soziale Medien suggerieren wollen, scheinen die Bundesbürger nicht egoistischer und egozentrischer zu werden, auch nicht frustrierter oder pessimistischer. Im Gegenteil: Sorgen und Dringlichkeit hinsichtlich der Konsequenzen des Klimawandels sind zwar nochmals deutlich gestiegen – aber auch die Hoffnung, dass wir das gemeinsam packen können.

e-fundresearch.com: Lässt sich das auch an konkreten Zahlen festmachen?

Carsten Böhme: Ja, natürlich. 73 Prozent der Deutschen sind besorgt oder sehr besorgt über den Klimawandel. Das sind nochmals 3 Prozentpunkte mehr in diesem Corona-Jahr. Und 75 Prozent der Bundesbürger stimmen zu, dass der Klimawandel ein dringendes Thema ist. Dieser Wert ist ebenfalls unter dem Eindruck der Pandemie um 5 Prozentpunkte angestiegen. 

e-fundresearch.com: Wie lässt sich das Ihrer Meinung nach erklären?

Carsten Böhme: Natürlich hat die Pandemie starke individuelle Ängste und Sorgen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und der finanziellen Stabilität geschürt - neben all den Sorgen rund um die eigene Gesundheit und die der Familie bzw. Freunden. Aber die Pandemie hat offensichtlich auch vielen Menschen hierzulande gezeigt, wie sehr wir als Gesellschaft aufeinander angewiesen sind. Die Bereitschaft, sich für eben diese Gesellschaft, dabei auch über Grenzen hinweg, zu engagieren, scheint zugenommen zu haben. Das nenne ich einen Hoffnungsschimmer in einem schwierigen Kontext.

e-fundresearch.com: Was können Unternehmen konkret daraus ableiten?

Carsten Böhme: Die Erkenntnisse aus dem Nachhaltigkeits-Barometer sind vielfältig für die Unternehmen aber, nicht ganz unwichtig vor einer Bundestagswahl, auch für die Politik. Entscheidend scheint zu sein, dass Unternehmen Nachhaltigkeit inklusive Klimawandel ganz weit oben auf ihre Prioritätenliste setzen. Es ist kein Nice-to-Have-Thema, sondern ein für den eigenen Erfolg extrem wichtiges Thema. Unternehmen werden von den Deutschen an aller erster Stelle genannt, wenn es um die Verantwortung für den Klimawandel geht. Erst danach kommen die Konsumenten selbst, sowie die Politik. Eine solches Herzensthema als vermeintlich Verantwortlicher zu ignorieren oder kleinzureden, wäre aus meiner Sicht grob fahrlässig. 

e-fundresearch.com: Aber dann könnte sich die Fondsindustrie ja eigentlich zurücklehnen? ESG-Fonds erfreuen sich großer Beliebtheit und brechen einen Absatzrekord nach dem nächsten.

Carsten Böhme: Das stimmt. Die Absatzzahlen für nachhaltige Investmentprodukte entwickelt sich sehr dynamisch. Und fast jeden Tag kommen neue Fonds dazu. Die Branche muss aber dennoch aufpassen, dass sie nicht auf dem falschen Fuß erwischt wird. Das Nachhaltigkeits-Barometer zeigt deutlich, dass wir es bei dem Thema ESG aus Sicht der Verbraucher nicht mit einem kurzfristigen Marketingtrend zu tun haben. Es geht um klare Bekenntnisse, Ernsthaftigkeit, Transparenz. Sogenanntes Greenwashing wird mit Sicherheit früher oder später entlarvt und abgestraft werden. Reputation und Absatz werden leiden. 

e-fundresearch.com: Was wären denn solche Fehler?

Carsten Böhme: Es wäre sicherlich falsch, sich als Fondsgesellschaft den schönsten ESG-Mantel umzuhängen, grüne Produkte ins Regal zustellen, aber strategisch noch nichts auf die Strecke gebracht zu haben. Davon sehen wir heute leider eine ganze Anzahl an Anbietern. Und die aktuellen ESG Commitmenent Level von der Ratingagentur Morningstar bestätigen unseren Eindruck. 

e-fundresearch.com: Was könnten die Konsequenzen für die Fondsbranche sein?

Carsten Böhme: Grundsätzlich muss man festhalten, dass die Deutschen sich schon ein gewisses Maß an Skepsis erhalten. 41 Prozent vertrauen den Aussagen der Unternehmen nicht, was das konkrete Engagement im Kampf gegen den Klimawandel betrifft. Die Tendenz ist allerdings erfreulicherweise rückläufig. Wir beobachten aber auch einen deutlichen Unterschied zwischen verschiedenen Produktkategorien bzw. Branchen. Die Verbraucher legen besonders hohe Ansprüche an greifbare Produkte, Produkte des täglichen Lebens, wie zum Beispiel Autos, Nahrungsmittel, Kleidung, auch Supermärkte und Reiseveranstalter. Finanzprodukte, Banken, Versicherungen stehen deutlich weniger im Fokus nachhaltiger Entscheidungen. Viele scheinen die Zusammenhänge nicht zu verstehen, trotz berauschender Absatzzahlen. Sollte sich das aber eines Tages mal ändern, und Privatanleger wurden mit Greenwashing quasi über den Tisch gezogen, dann stünde die gesamte Branche mehr oder weniger im Regen.

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Böhme!

Über den Gesprächspartner:

Carsten Böhme ist Geschäftsführer der internationalen Kommunikationsberatung Instinctif Partners in Deutschland und Mitglied des Group Executive Committees. Darüber hinaus verantwortet er als Head of Continental Europe and Africa den Ausbau und die weitere Vernetzung der bestehenden Büros in Deutschland, BeNeLux und Südafrika. Instinctif bietet Kunden strategische Beratungsleistungen in den Bereichen Unternehmens- und Kapitalmarktkommunikation, Public Affairs, Digitale Kommunikation und Design sowie Nachhaltigkeit.

Über den Instictif Partners Nachhaltigkeits-Barometer 2021:

Die für Deutschland repräsentative Umfrage wurde von Instinctif Partners und ihrer Marktforschungstochter Truth im Januar/Februar 2021 unter europäischen Verbrauchern in Deutschland, Großbritannien und Irland durchgeführt. Insgesamt haben am Nachhaltigkeits-Barometer 2021 in den drei Ländern 4.536 Personen teilgenommen, in Deutschland waren es 2.021. Mehr Informationen dazu finden Sie hier online.

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