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Gröschls Mittwochskommentar: 36/2021

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 08.09.2021 09:42 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

Wie die meisten Gemeinschaften, ob professionell oder weniger, lieben wir in der Finanzindustrie unsere Abkürzungen, weil das bringt zusätzlich zu den eh manchmal schon recht komplexen, für Ottilie Normalverbraucher nur sehr am Rande zu verstehenden Sachverhalten, eine Aura der noch höheren Komplexität und grenzt die Insider ganz klar von den anderen ab. Spannend ist, dass das von den Zentralbanken ganz offiziell hinuntertröpfelt (vgl. dazu zB PEPP, APP, CSPP, PSPP, ABSPP und CBPP3 um nur die paar zu nennen, die sich rund um die Seuche drehen :-)), aber natürlich auch ganze Assetklassen, wie zB die der Asset Backed Securities(ABS) nur mit Kürzeln arbeiten und damit schon im Ansatz eine Wall of Wisdom aufbauen.

Aber nun zum Punkt. :-) Unser Lieblings-Akronym aktuell ist jedenfalls die liebe TINA (There Is No Alternative), die uns tagtäglich daran erinnert, dass es eh nichts anderes auf der Welt gibt als Aktien zu kaufen. TINA hat in ihrer unendlichen Weisheit inzwischen ihren Kollegen FOMO (Fear of Missing Out) fast gänzlich aus den Schlagzeilen vertrieben, weil eh schon alle dabei sind und es eh nur mehr darum geht das Feuer durch ständiges Nachlegen am Brennen zu halten. Scheinbar ist aber – aufgrund der fehlenden Komplexität ;-) – die liebe Tina sehr tief im Retailmarkt angekommen. Auch das sollte uns insofern wenig verwundern, könnte das laufende Jahr eines derer mit den geringsten Drawdowns seit Beginn der Aufzeichnungen werden und dass es am Sparbuch keine Zinsen mehr gibt, dürfte auch schon vielen aufgefallen sein… Dazu kommt die Gamification der Märkte, weil ob ich auf Pferde, Hunde oder Aktien wette oder irgendein anderes Online Spiel spiele macht ja fast keinen Unterschied.

Das diese Entwicklung gewisse Problematiken in sich birgt, steht natürlich außer Zweifel, insbesondere dann, wenn der Geldstrom schwächer wird, weil zum Beispiel die Seuchenunterstützungen zurückgefahren werden, wie das in den USA aktuell stattfinden sollte und die größeren Assetallokatoren entweder eh schon seit langem übergewichtet oder aber eher schon auf dem Rückzug sind. Die Frage ist, wie groß das allgemeine Interesse tatsächlich ist, um des lieben Friedenswillens, den Status Quo aufrechtzuerhalten. 2008 hat sich da nach Lehmann ein ganz klarer Konsens gebildet, dass wir die Hand, die uns füttert zwar durchaus ein bisserl zwicken dürfen, aber wenn wir sie richtig beißen, das völlig daneben gehen könnte. Es folgten Bankenrettungen, Short-Selling Restrictions, Zwangs-Ergänzungskapitalien usw..

Das hat am Ende wohl auch deshalb funktioniert, weil sich Zentralbanken, Regierungen und professionelle Marktteilnehmer an einen Tisch gesetzt haben, eine Lösung erarbeitet haben und diese dann umgesetzt wurde. Dass man danach versäumt hat, die Normalität wieder herzustellen bzw. zumindest die Vergemeinschaftung von Risiken wieder zurückzufahren, ist schade und die Grundlage der Problematik mit der wir uns heute konfrontiert sehen, steht aber auf einem – heute nicht zu behandelnden ;-) – anderen Blatt. Neugierig darf man aber sein, was passiert, wenn die Reddits und Robins dieser Welt sich darauf verständigen, dass sie jetzt den Aktienmarkt doch nicht mehr sexy finden und lieber in Vintage Air Jordans (natürlich ungetragen ;-)) investieren und sich der ganze Tross beginnt weiter zu bewegen?

Privatpersonen Handelsbeschränkungen aufzuerlegen dürfte demokratiepolitisch diskutierbar sein. Das Volksvermögen durch direkte Interventionen zu schützen (die Oldies erinnern sich noch an The President´s Working Group for Financial Markets, aka Plunge Protection Team) dürfte insbesondere bei denen die nicht dabei sein konnten auf wenig Verständnis stoßen. Bleiben die Banken für eine indirekte Intervention, was wiederum more of the same bedeuten würden und das Problem, wenn´s denn schiebbar ist, nur ein wenig in die Zukunft rückt. Erschwerend dürfte hinzukommen, falls sich was tut, dass es diesmal noch schneller gehen könnte als bei den FlashCrashes der Vergangenheit, weil die durch Social-Media verbundene Schwarm(Un)intelligenz wie die Heringe sehr schnell und für den ungeübten Beobachter vollkommen überraschend die Richtung wechseln kann.

Schau mer mal, dann seh mer schon! Die Wahrscheinlichkeit, dass die New Monetary Theorie zutrifft, diesmal alles anders ist und wir alle nachhaltig reicher, die Welt besser und glücklicher aus der Angelegenheit herauskommt, ohne dass irgendwer die Rechnung wird zahlen müssen, ist, fürcht ich, nicht wahnsinnig hoch, schön wär´s allerdings natürlich schon. :-)

Sämtliche andere unwesentlichen Themen, wie die Situation in China, die deutschen Wahlen und die Seuche mit all ihren Nebenwirkungen müssen wir leider auf nächste Woche verschieben, weil die Äpfel am Baum der Erkenntnis leider noch immer nicht reif sind. ;-)

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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Florian Gröschls obiger Kommentar stellt eine Markteinschätzung aufgrund von selbstentwickelten Systemen und persönlichen Erfahrung dar. Keinesfalls ist obiger Kommentar eine Empfehlung oder Meinung der ARC und/oder Florian Gröschl, Positionen welcher Art auch immer einzugehen.

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