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Wasserstoff-Investments: Protagonist oder doch nur Nebendarsteller?

Wasserstoff-Aktien erleben nicht zuletzt dank des globalen ESG-Trends einen regelrechten Hype. So ist beispielsweise Linde zum mittlerweile wertvollsten DAX-Unternehmen avanciert. Doch wie viel Potenzial steckt tatsächlich in der Zukunftstechnologie Wasserstoff sowie insbesondere in "grünem Wasserstoff"? e-fundresearch.com hat sich hierzu mit Expert:innen von Candriam, PGIM und S&P Global Platts unterhalten. Markets | 23.12.2021 12:21 Uhr
Wasserstoff-Investments: Protagonist oder doch nur Nebendarsteller? / © e-fundresearch.com / Canva
Wasserstoff-Investments: Protagonist oder doch nur Nebendarsteller? / © e-fundresearch.com / Canva

“ESG” (Environmental, Social, Governance), der wahrscheinlich am meisten verwendete Begriff im Börsenjahr 2021. Die Börse hat sich gewandelt, vor allem durch die enorme Beschleunigung, welche die Pandemie ausgelöst hat. Kein Unternehmen kommt mehr an diesem Begriff und vor allem an der nachhaltigen Ausrichtung des eigenen Geschäftsmodells vorbei. Dabei steht eine Technologie ganz im Fokus der Anleger: Wasserstoff. Einige sind jetzt schon davon überzeugt, dass es der Gamechanger in der Umweltpolitik wird. Andere sind diesbezüglich noch eher skeptisch.

Bekenntnis der Marktteilnehmer & Politik 

Wasserstoff könnte laut Experten wesentlich zur Dekarbonisierung von Wirtschaftssektoren beitragen. Grüner Wasserstoff wird durch die Elektrolyse von Wasser hergestellt, bei der letzteres in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Sofern bei diesem Prozess erneuerbare Energien zum Einsatz, handelt es sich hierbei um eine emissionsfreie Energiequelle. Doch entscheidend ist hier das Wort “sofern”, denn für die Erzeugung von Wasserstoff ist sehr viel Energie notwendig. Heute wird Wasserstoff hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen, vor allem Erdgas, hergestellt und verursacht laut Angaben von Alix Chosson von Candriam etwa 830 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Wasserstoff wird derzeit vor allem in Raffinerien zur Entschwefelung von Dieselkraftstoffen und in der chemischen Industrie zur Herstellung von Ammoniak und Methanol verwendet.

Um hier aber echte Fortschritte machen zu können braucht es vor allem das Bekenntnis der Industriebranchen, sich auf Wasserstoff einzustellen und gleichzeitig auch die Unterstützung der Politik. Der politische Wille, etwas dagegen zu unternehmen und die Dekarbonisierung anzugehen, ist jetzt unabdingbar. Es braucht Richtlinien und Vorschriften, die sowohl aus finanzieller Sicht als auch im Hinblick auf die für grünen Wasserstoff benötigte Infrastruktur für Unterstützung sorgen und sich somit als maßgeblich für die Tragfähigkeit grünen Wasserstoffs erweisen. Außerdem sind laut Experten die Preise für grünen Wasserstoff in den vergangenen zehn Jahren dank Effizienzsteigerungen in der Herstellung drastisch gesunken. 

Wie sieht die Zukunft aus? 

Die Experten sind sich sicher, Wasserstoff wird ein anhaltender und wachsender Trend bleiben. Dennoch, ist heute noch nicht genau abschätzbar, in welche Richtung sich diese neue Technologie entwickeln wird. “Wir sind der Ansicht, dass kohlenstoffarmer Wasserstoff zwar eine Rolle in einem künftigen kohlenstoffarmen Energiesystem spielen kann, aber nicht für jeden Sektor die optimale Lösung darstellt. Dabei gehen wir davon aus, dass die Wasserstoffnachfrage in den 10 größten europäischen Volkswirtschaften von heute etwa 7 Millionen Tonnen auf fast 17 Millionen Tonnen im Jahr 2050 steigen wird”, sagt Brian Murphy, Senior Hydrogen Analyst bei S&P Global Platts in New York, im Gespräch mit e-fundresearch.com. 

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Taimur Hyat, Chief Operating Officer bei PGIM: “Wasserstoffzellen können immense Energie erzeugen und sich innerhalb von Minuten wieder aufladen, wobei nur Wasser als Nebenprodukt anfällt. Diese Technologie kann besonders für Branchen wie die Stahl- und Zementproduktion von Bedeutung sein.”  

Einig sind sich Murphy und Hyat auch in Bezug auf die Politik. Laut ihnen liegt es jetzt vor allem auch an den Regierungen die passenden Maßnahmen zu setzen und gesetzlich den Weg frei zu machen für eine “grünere Zukunft”. Vor allem braucht es dabei einen Plan, wie die Politik die, sehr ehrgeizigen Emissionsziele verwirklichen möchte. Da führt, laut Taimur Hyat, kein Weg am Wasserstoff vorbei.  

Das Rennen um die Innovationskrone 

In Europa, der USA als auch in China laufen sämtliche Forschungsprogramme, die alle das gleiche Ziel verfolgen – eine Technologie zu schaffen, die eine Kehrtwende in der Umweltpolitik auslösen kann. Während sich Europa vollkommen auf die E-Mobilität und Wasserstoff-Entwicklung verlässt, zeigt sich China wesentlich offener im Bereich der Forschung. Dennoch kann eine solche Versteifung auch durchaus Vorteile mit sich bringen, wie Alix Chosson, Lead ESG Analyst bei Candriam gegenüber e-fundresearch.com erklärt: “Der Weg zur Dekarbonisierung ist für jedes Land oder jede Region spezifisch und hängt von der jeweiligen Aktivität und dem Energiemix ab. Daher ist es immer schwierig, Vergleiche anzustellen. In der Realität hat China den Übergang zur E-Mobilität angeführt, da die meisten Batterien für Elektrofahrzeuge von chinesischen Unternehmen stammen. Europa versucht aufzuholen und ist dafür doch gut aufgestellt, wenn es um Wasserstoff geht, insbesondere um sauberen Wasserstoff.”  

Man muss in diesem Zusammenhang auch erwähnen, dass vor allem Europa, mit seinen breitgefächerten Forschungen heute schon die Innovation der nächsten Generationen fördert. “Lassen Sie uns eines klarstellen: Es wird keinen Übergang zu einer sauberen Mobilität ohne eine weitreichende Elektrifizierung geben. Diese Elektrifizierung kann durch Batterien oder Wasserstofflösungen erfolgen und muss mit strukturellen Veränderungen im Mobilitätsverhalten einhergehen, aber je schneller wir die Mobilität elektrifizieren, desto größer sind die Chancen, dass wir unser Netto-Null-Ziel erreichen”, ergänzt Alix Chosson mit Nachdruck.  

Wasserstoff und seine Gegner 

Die Gegner dieser neuen Technologie sind sich einig, Wasserstoff wird nicht die erhoffte Lösung des Problems sein. Viele kritisieren dabei den sehr geringen Wirkungsgrad, weil Wasserstoff nicht natürlich vorkommt, sondern zuerst per Elektrolyse erzeugt werden muss. Auch die hohen Investitionen in die Infrastruktur sowie die hohen Wartungs- und Erhaltungskosten werden immer wieder als Gegenargument aufgebracht. Dieser Tatsache stimmt auch PGIM-Experte Hyat zu und betont, dass die gängigste und billigste Art Wasserstoff zu erzeugen, Kohlenstoff freisetzt. Er ergänzt weiters, dass die Herstellung von grünem Wasserstoff zwei- bis viermal so viel kostet, wie die Herstellung mit Erdgas. Brian Murphy von S&P Global Platts sieht die Kritik etwas gelassener und erwähnt ein Beispiel aus den letzten Jahren: “Die 80- bis 90-prozentigen Kostensenkungen in der Photovoltaik- und Lithium-Ionen-Batteriebranche in den letzten zehn Jahren sollten uns jedoch lehren, dass anhaltende Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen, eine starke Technik und eine kluge Politik einen schnellen Wandel bewirken können.” 

Grundsätzlich sollte man bei all den Diskussionen nie vergessen, dass keine Technologie perfekt ist und daher wird es immer Kritiker geben. Die Energiewende ist ein Prozess, es gibt keine Schwarz-Weiß-Gleichung. 

Lohnen sich Wasserstoff-Investments noch? 

Wasserstoff-Unternehmen erlebten in den vergangenen eineinhalb Jahren einen wahren Aufschwung. Linde, zum Beispiel, ist mittlerweile das wertvollste Unternehmen im Deutschen Aktien Index (DAX). Das zeigt, dass Investoren auf die Zukunft von Wasserstoff setzen. Doch ist der Hype schon vorbei und sind die Unternehmen mittlerweile überbewertet? Alix Chosson von Candriam hat eine deutliche Antwort: “Wasserstoff ist ein langfristiger Trend, der noch ganz am Anfang steht. Wir können also darüber diskutieren, ob es zu früh war (und wir haben diese Debatte intern von Fall zu Fall geführt), aber auf lange Sicht sind die Wachstumsaussichten außergewöhnlich und es gibt derzeit keinen Grund, daran etwas zu ändern.” Auch PGIM-COO Taimur Hyat sieht noch Luft nach oben: “Wasserstoffunternehmen können in den Portfolios der Anleger viele verschiedene Rollen spielen, weil sie so viele unterschiedliche Risiko-Ertrags-Profile bieten. In der Tat bieten sie sowohl heute als auch in Zukunft Investitionsmöglichkeiten. Das heißt, sie werden derzeit in einigen Segmenten der Wirtschaft eingesetzt und haben noch viel Raum für Wachstum.”  

Fazit: Insgesamt zeigt sich, dass man in den kommenden Jahren noch einiges von Wasserstofftechnologien erwarten kann und die Forschungen in diesem Bereich noch lange nicht am Ende sind. Inwiefern Wasserstoff unser Antrieb der Zukunft ist, lässt sich gegenwärtig noch schwer abschätzen. Nichtsdestotrotz können wir davon ausgehen, dass er eine zentrale Rolle in der Dekarbonisierung spielen wird.

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