Es ist nicht alles Gold, was glänzt, schreibt Shakespeare. Stimmt, denn zumindest im Portfolio wäre man heuer mit Silber noch viel besser bedient gewesen. Mit einer Verdopplung im Kurs seit Jahresbeginn hängt Silber nicht nur den Goldpreis locker ab, sondern weist zum Beispiel auch den Börsenstar Nvidia in die Schranken.
Was sind die Gründe für die Rallye im Silberpreis?
Silber notierte zu Jahresbeginn 2025 noch um die 30 Dollar und ist bis Dezember auf über 60 Dollar angestiegen. Angetrieben wurde die Rallye vor allem von der Tatsache, dass Silber, anders als Gold, auch für industrielle Zwecke eingesetzt wird. Das „weiße Metall“ ist ein essenzieller Rohstoff im Bereich der erneuerbaren Energien. Aber es hat auch eine tragende Rolle im Rahmen der KI, und zwar sowohl bei der Halbleiterproduktion als auch bei der Ausstattung von Datencentern. Und da der Markt heuer ja quasi im KI-Taumel war, wurde der Silberkurs mit nach oben gerissen.
Gibt es darüber hinaus noch taktische Faktoren hinter dem Preisanstieg?
Silber wurde erst kürzlich von US-Präsident Trump auf die Liste der „kritischen Rohstoffe“ gesetzt, da die USA stark von Importen abhängig sind und Silber aufgrund seiner industriellen Bedeutung unverzichtbar ist. Sollte es in den USA auch noch mit Zöllen belegt werden (das gilt als durchaus möglich), so würde das die Preise weiter nach oben treiben, da dann alle Player ihre Bestände horten würden. China hat zuletzt massiv Silber abgegeben und sitzt auf den geringsten Lagerbeständen seit 10 Jahren. Wenn die USA jetzt Zölle auf Silber einführen, würde das einen stark ausgetrockneten Markt zusätzlich unter Druck setzen.
Wie viel Luft nach oben hat Silber im neuen Jahr?
Kurzfristig könnte es nach dem jüngsten, dramatischen Anstieg sehr wohl zu einem Rücksetzer kommen. Mittelfristig gehen Analysten davon aus, dass die industrielle Nachfrage weiter preisunterstützend wirken sollte. Außerdem würde Silber, ebenso wie Gold, von weiteren US-Zinssenkungen profitieren. Hier wird sich weisen, inwieweit der Markt recht hat, wenn er für 2026 zwei Senkungen durch die Fed erwartet. Sollte alles gut laufen, dann halten manche Häuser einen Silberpreis von bis zu 100 Dollar im nächsten Jahr für erzielbar.
Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft
Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.
Über den RosenCorner:
Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.
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