Europas Bankaktien: Party ohne Ende oder Katerfrühstück? | Monika Rosen ordnet ein

2025 knallten für europäische Bankaktien schon vor Silvester die Korken, der Sektor lieferte das beste Jahr seiner Geschichte ab. Underdogs sind die Banken im neuen Jahr also nicht mehr, aber bieten sie vielleicht trotzdem selektiv Chancen? Und welche Rolle spielt dabei die KI? Monika Rosen hat die Antworten im neuen „RosenCorner“. Markets | 23.12.2025 11:27 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Mit einem Anstieg von deutlich über 70% seit Jahresbeginn verbuchten die Bankaktien der Eurozone 2025 das beste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen! Nach so einem Jahr wollen die Anleger eigentlich nur eines wissen: Geht die Party 2026 ungebremst weiter, oder sollten wir das Aspirin für den Hangover bereithalten?

Es war ein Spitzenjahr für Europas Banken. Warum?

Die EZB hat seit Sommer 2024 die Leitzinsen der Eurozone zwar von 4 auf 2% gesenkt, sie damit aber immer noch eindeutig über dem Tief vor der Pandemie belassen. Das hat die Zinsmargen der europäischen Banken unterstützt. Außerdem fiel die wirtschaftliche Abkühlung in der Eurozone nicht so schlimm aus wie befürchtet. Selbst die kalte Dusche durch die US-Zollpolitik schlug (zumindest vorerst) weniger stark durch als erwartet. Dadurch hielten sich die Kreditausfälle in Grenzen. Dazu kommt noch der starke Euro. Er verbessert die Performance für Anleger aus dem Dollar-Raum zusätzlich, was Investitionsflüsse angezogen hat. Und last but not least sind europäische Bankaktien im internationalen Vergleich trotz der jüngsten Anstiege immer noch attraktiv bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis des Sektors liegt in Europa bei rund 1,2, in den USA bei 1,7.

Was könnte die Kurse 2026 weiter antreiben (oder ausbremsen)?

Nach einem so starken Anstieg steigt natürlich die Angst vor einem vielleicht auch deutlichen Rücksetzer. Der Sektor startet sicherlich nicht mehr als Underdog ins neue Jahr. Goldman Sachs sieht dennoch weiter Luft nach oben für die europäischen Banktitel. Das Gewinnwachstum sollte auch 2026 zweistellig ausfallen. Damit sind gute Voraussetzungen für organisches Wachstum und selektive Fusionen geschaffen. Darüber hinaus gelten Banken mittelfristig als große Profiteure der Künstlichen Intelligenz. Laut einer Schätzung von McKinsey könnten durch den gezielten Einsatz von KI innerhalb der nächsten Jahre 20% der operativen Kosten im Bankensektor wegfallen.

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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