Grönland: Heiße Renditen im arktischen Eis? Monika Rosen ordnet ein

Kaum hat die Welt das Eingreifen der Amerikaner in Venezuela halbwegs verdaut, da tut sich schon das nächste Feld auf: US Präsident Trump möchte Grönland unter seine Kontrolle bringen. Was macht die größte Insel der Welt so attraktiv? Welche Investmentchancen tun sich am Rand des Polarmeeres auf? Und bringen sich einige Player vielleicht schon jetzt in Stellung? Der neue RosenCorner ist diesmal ein Cocktail, den man am besten über arktischem Eis genießt … Markets | 09.01.2026 12:04 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Warum ist Grönland so begehrt?

Die wachsende strategische Bedeutung von Grönland hängt eng mit dem Klimawandel zusammen. Die Erderwärmung, die in der Arktis noch schneller voranschreitet als in anderen Weltregionen, macht Transportwege zugänglich, die in der Vergangenheit unpassierbar waren. Damit werden beispielsweise die Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Europa fast auf die Hälfte reduziert. Dazu kommen die lokalen Bodenschätze: Seltene Erden, Kupfer, aber auch Öl und Gas. Kein Wunder also, dass die Großmächte Begehrlichkeiten zeigen. China, das im Gegensatz zu Russland und den USA kein Anrainerstaat der Arktis ist, hat schon das Konzept der „Polaren Seidenstraße“ entwickelt.

Wie hoch wäre ein Kaufpreis von Grönland?

Wenn wir die Möglichkeit einer militärischen Intervention einmal außer Acht lassen, dann stellt sich die Frage, wie die USA Grönland wirtschaftlich an sich binden könnten. Ein Weg wäre, es zu kaufen. Das ist weniger absurd, als es klingt. Schon 1946 haben sie ein formales Angebot unterbreitet, damals für 100 Millionen Dollar. Nach heutigem Gegenwert wären das 1,7 Milliarden, eine Summe, die viele Experten für viel zu niedrig halten. Geologische Studien setzen den Wert der Rohstoffvorkommen von Grönland eher bei etwas über 4 Billionen Dollar an. Das scheint aber die obere Grenze zu sein. Das unwirtliche Klima macht jede Gewinnung von Bodenschätzen sehr kostspielig. Das ist offenbar auch ein Grund, warum China viele seiner Projekte zuletzt wieder aufgegeben hat.

Und bringen sich ein paar Player eventuell schon in Stellung?

Die drei großen (börsennotierten) Branchen, für die Grönland von Interesse ist, heißen Rohstoffe, Logistik und IT / Kommunikation. Die beiden größten Rohstoffkonzerne der Welt, Rio Tinto und Glencore, haben soeben ihre Fusionsgespräche wieder aufgenommen. Um in Grönland, bzw. in der Arktis mitmischen zu können, ist Skalierung sicher kein Nachteil.

Die zweite Branche, für die Grönland ein Top-Thema werden könnte, ist die Technologie. Einerseits geht es dabei um die Vorkommen an Seltenen Erden. Sie sind derzeit ein begehrtes Gut, zumal wenn sie außerhalb von China im Boden schlummern. Zum anderen ist in der Arktis Satellitenempfang natürlich Mangelware, eine Tatsache, die Elon Musk in die Karten spielen könnte. Sein Satellitennetzwerk Starlink, das er im Rahmen von SpaceX betreibt, ist auf schwer zugängliche Weltgegenden spezialisiert. Das aktuelle Gerangel um Grönland macht daher den für 2026 geplanten Börsengang von SpaceX nur noch spannender …

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

Über die e-fundresearch.com Gastautorin:

Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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