Ölpreis: Das Geld liegt auf der Straße (von Hormus) - Monika Rosen ordnet ein

Wenn es derzeit einen Brennpunkt der Weltpolitik gibt, so befindet sich der wohl zweifelsfrei in der Straße von Hormus. Die Meerenge am Persischen Golf, durch die vor Ausbruch des Iran Krieges rund 20% des weltweiten Rohöls transportiert wurden, ist seit Wochen de facto gesperrt. Nur ganz sporadisch lässt der Iran Tanker passieren. Auch wenn das absolute Horrorszenario beim Ölpreis bisher ausgeblieben ist, so zeichnen sich doch schwere wirtschaftliche Auswirkungen ab. Der neue RosenCorner setzt Sie umfassend ins Bild … und nein, es ist kein Ölgemälde! Markets | 30.03.2026 08:50 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Anhaltende „Straßensperre“ im Persischen Golf - was heißt das für den Ölpreis?

Der Preis für die in Europa gängige Sorte Brent ist seit Kriegsausbruch um über 50% gestiegen. Das ist der stärkste Monatsanstieg aller Zeiten; der bisherige Rekord von 46% wurde im September 1990 erreicht, als Saddam Hussein in Kuweit einmarschiert ist. Aber auch in den USA wurde ein wichtiger Rekord zumindest touchiert. Der US Benzinpreis hat in März 30% zugelegt, das ist der stärkste Anstieg seit dem Hurrikan Katrina im August 2005.

Gleichzeitig scheint US Präsident Trump immer weniger in der Lage, den Ölpreis verbal zu beeinflussen. Während seine Beteuerungen, die Verhandlungen mit dem Iran kämen gut voran, in der Vergangenheit zu einer Entspannung beim Ölpreis geführt hatten, war das zuletzt nicht mehr der Fall. Als er vorige Woche dem Iran eine Fristverlängerung bis 6. April zur Freigabe der Straße von Hormus eingeräumt hat, ist der Ölpreis in Reaktion darauf gestiegen!

Wie sieht es mit historischen Vergleichen aus?

Bisher hat sich der Preisanstieg beim Öl trotz allem in Grenzen gehalten. Zur Einordnung: beim Ölschock 1973 hat sich der Ölpreis vervierfacht! Von einem derartigen Szenario sind wir trotz allem weit entfernt, denn vor Ausbruch des Krieges herrschte ein Angebotsüberhang, eine beträchtliche Menge an Öl befand sich schon in Tankern auf dem Meer, und die westlichen Industrieländer haben strategische Reserven freigegeben. Aber all das kann den Durchsatz durch die Straße von Hormus nicht ewig ersetzen. Experten sind sich einig, dass der größte Unsicherheitsfaktor dabei die Zeit ist. Wie lange diese Krise andauert, ist derzeit völlig unklar. Gleichzeitig ist das die wichtigste Variable, um die Langzeitfolgen des Krieges für den Ölpreis abzuschätzen.

Gibt es Schätzungen zu den ökonomischen Folgen des Preisanstiegs?

Erste Prognosen gehen derzeit davon aus, dass ein längerfristiger Anstieg von 30 bis 40% im Ölpreis das globale Wachstum um 1% dämpfen könnte, wobei die Schwellenländer wieder einmal am stärksten negativ betroffen wären. Dazu kommt wahrscheinlich die Tatsache, dass der Ölpreis auch bei Beendigung des Krieges nicht auf das alte Niveau zurückfallen wird. Es wird sich wohl eine dauerhafte Prämie einbetten, die das Risiko einer neuerlichen Blockade der Straße von Hormus reflektiert.

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:

Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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