Warum profitiert Russland so stark vom Krieg im Iran?
Die Straße von Hormus ist trotz des verkündeten Waffenstillstands nach wie vor de facto blockiert. Daher wird für viele Abnehmer, namentlich jene in Asien, die Suche nach alternativen Ölquellen immer mehr zur Überlebensfrage. Damit schlägt die Stunde der Russen. Sie profitieren in mehrfacher Hinsicht. Der Ölpreis ist seit Kriegsausbruch deutlich gestiegen, die Sanktionen auf russisches Öl durch Washington wurden teilweise gelockert, und der Krieg im Mittleren Osten lenkt die Aufmerksamkeit der Welt weg von den Kampfhandlungen in der Ukraine. Schätzungen gehen davon aus, dass Russland durch die gestiegenen Ölpreise Mehreinnahmen von bis zu 10 Mrd. Dollar pro Monat erzielen kann.
Wie reagiert die Ukraine auf die neue Gefahr?
Um den Gewinn, den Russland aus dem Krieg im Mittleren Osten ziehen kann, zu schmälern, hat die Ukraine zuletzt vor allem die russischen Exporthäfen an der Ostsee angegriffen. Diese Strategie schafft aber ihre eigene Dynamik: wenn man die Exportwege für russisches Öl einschränkt, treibt das den Ölpreis nur noch mehr nach oben, was dem Kreml am Ende wieder nützt. Außerdem können die asiatischen Abnehmer direkt über die russische Pazifikküste beliefert werden. Langfristig hat Russland wahrscheinlich am meisten zu befürchten, wenn die Energiepreise so sehr steigen, dass sie die globale Konjunktur bremsen. Dann würde der Ölpreis fallen - und mit ihm die Einnahmen des Kremls.
Wie sehen die aktuellen Konjunkturprognosen für Russland aus?
Trotz aller Mehreinnahmen sind die schwerwiegenden wirtschaftlichen Probleme Russlands langfristig alles andere als gelöst. So wurden die Wachstumsschätzungen für das Land zuletzt herabgestuft. Der Internationale Währungsfonds erwartet für heuer ein Wachstum von 0,8%; noch vor einem Monat lag die Prognose bei 1%. Der Kreml selbst sagt für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3% voraus, hat zuletzt aber davor gewarnt, dass diese Rate eventuell verfehlt werden könnte. Zum Vergleich: noch 2024 ist die russische Wirtschaft mit etwas über 4% gewachsen. Die Inflation liegt nach offiziellen Angaben bei knapp 6%, die Leitzinsen der russischen Notenbank verharren jedoch bei 15%. Diese Diskrepanz legt die Vermutung nahe, dass die wirkliche Teuerung deutlich höher ist.
Fazit: Der Krieg im Iran verschafft Russland eine wirtschaftliche Atempause, löst die langfristigen Probleme aber sicher nicht.
Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft
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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.
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Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.
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