Die Woche an den Märkten: Und all das schon im Januar!

Geopolitische Spannungen von Venezuela bis Grönland sorgten im Januar für Schlagzeilen, blieben an den Finanzmärkten bislang aber überschaubar. Während Aktien nur moderat reagierten, legte Gold weiter zu. Auch eine große Marktrotation weg von Technologieaktien zeichnet sich bisher nicht ab. BNP Paribas Asset Management | 28.01.2026 15:48 Uhr
Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management / © e-fundresearch.com / BNP Paribas Asset Management
Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management / © e-fundresearch.com / BNP Paribas Asset Management

Noch vor Kurzem spekulierten Anleger über die Folgen der Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro. Nach dem jüngsten Konflikt um Grönland scheint das aber schon fast Vergangenheit.

Trumps Versuch, die Insel zu kaufen, machte Schlagzeilen, blieb aber für die Märkte weitgehend folgenlos. Beim Tiefststand am 20. Januar waren amerikanische und europäische Aktien um gerade einmal 2% gefallen. Verglichen mit den 9% bis 12% nach Trumps Liberation Day im April war das so gut wie nichts. Der Goldpreis stieg allerdings weiter, um 4%, da sich Weltpolitik und Welthandel noch immer drastisch verändern und das auf Dauer kaum ohne Folgen bleiben kann.

Größere Auswirkungen könnte der Grönland-Streit auch auf den Dollar haben, wenn ausländische Investoren jetzt amerikanische Wertpapiere abstoßen („Sell America“). Manche Anleger mögen das tatsächlich erwägen, aber für eine starke Dollarabwertung spricht bislang nur wenig. In den letzten Tagen hat die US-Währung gegenüber dem Euro gerade einmal 1 Cent verloren, nachdem sie 2025 real und handelsgewichtet um 5% abgewertet hat. Vorausgegangen waren fast 50% Aufwertung seit 2011, und der Rückgang war geringer als die 9% von Trumps erster Präsidentschaft (Abbildung 1).

Noch haben internationale Investoren per saldo keine US-Wertpapiere verkauft. Im Gegenteil: In den sieben Monaten seit dem Liberation Day kauften sie netto für 1,2 Billionen US-Dollar amerikanische Titel, fast doppelt so viel wie in den sieben Monaten zuvor.

Noch wissen wir nicht, was die Ereignisse im Iran, in Venezuela und Grönland für die Märkte kurzfristig bedeuten. Die bislang maßvolle Marktreaktion scheint daher plausibel. Wer jetzt mit niedrigeren Ölpreisen rechnet, sollte sogar Kursgewinne erwarten.

Große Rotation oder kleine Anpassung?

Manche Beobachter rechnen damit, dass sich die Erträge von Technologieaktien und anderen Titeln 2026 annähern. Bisweilen wird sogar erwartet, dass Substanzwerte künftig vor Wachstumswerten liegen, es also zu einer ausgeprägten Marktrotation kommt.

Ansatzweise ist das bereits der Fall. Seit Jahresbeginn liegt der Russell 1000 Value Index um 3 Prozentpunkte vor dem NASDAQ 100. 2025 war er noch um 6 Prozentpunkte hinter dem NASDAQ zurückgeblieben (Abbildung 2). 

Anders war es in den Emerging Markets. Wie in den USA hat der Technologiesektor die Performance auch hier maßgeblich bestimmt. 2025 war der Abstand zwischen Technologieaktien und anderen Titeln sogar noch größer als der zwischen dem NASDAQ 100 und dem Russell Value. In den Emerging Markets ließen Technologiewerte andere Aktien um fast 40 Prozentpunkte hinter sich.

Anfang Januar setzte sich das fort. Technologiewerte aus den Emerging Markets (vor allem Taiwan, China und Korea) haben seit Jahresbeginn um 11% zugelegt, andere Titel aber nur um 4%. Da wir jetzt mit einem starken Gewinnwachstum amerikanischer Technologiewerte rechnen und auch für das Gesamtjahr überdurchschnittliche Ergebnisse erwarten, glauben wir, dass der NASDAQ 100 in den nächsten Monaten wieder vorn liegt.

Wir rechnen also nicht mit Mehrerträgen der übrigen Sektoren, sondern nur mit einem geringeren Performancevorsprung von Technologieaktien. Und das ist auch nötig, denn noch immer fürchtet man eine KI-Blase. Werden sich die enormen Investitionen der KI-Unternehmen amortisieren? In der nächsten Phase der KI-Revolution müssen Technologieunternehmen ihre Produkte an Firmen aus anderen Sektoren verkaufen, die damit ihre Umsätze steigern und/oder Kosten senken. Die Gewinne könnten dann stärker zulegen. Bliebe das aus, könnte sich die Angst vor einer KI-Blase als durchaus berechtigt erweisen.

Von Daniel Morris, Chief Market Strategist und Co-Head des Investment Insight Centre bei BNP Paribas Asset Management

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