Alles Wichtige auf einen Blick
Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf 2,5% erhöht und darauf hingewiesen, dass der Konflikt im Nahen Osten weiterhin Inflationsdruck erzeugen dürfte. Ihren Inflationsausblick für 2027 und 2028 hob sie von 2,3% und 2,0% auf 2,5% und 2,1% an. In puncto Wachstum wurde sie optimistischer und rechnet jetzt mit 0,9% für 2026 und 1,4% für 2027. Zuvor hatte sie 0,8% und 1,2% prognostiziert. Nach den in der letzten Woche veröffentlichten Daten ist das Euroraum-BIP im 2. Quartal um 0,6% gewachsen (nach 0% im 1. Quartal).
Nachrichten aus aller Welt
China hat ein Wachstumsprogramm für seinen Banken- und Versicherungssektor im Umfang von 360 Mrd. Renminbi (54 Milliarden US-Dollar) angekündigt, um sein Finanzsystem zu stärken und die Konjunktur anzukurbeln. Berichten zufolge soll das Geld acht Bankhäusern und Versicherungsgesellschaften in Staatsbesitz helfen, externe Schocks besser abzufedern und zugleich realwirtschaftliche Impulse setzen. Unterdessen wurde das japanische BIP-Wachstum im 2. Quartal von den zuvor geschätzten 1,1% p.a. auf 1,4% p.a. aufwärts korrigiert. Damit war es aber immer noch schwächer als die im 1. Quartal verzeichneten 1,8%.
Zahl im Fokus: 5,9 Millionen
Nach einer Meldung des US Bureau of Labor Statistics dürfte der Beschäftigungszuwachs in den USA zwischen 2025 und 2035 bei 3,5% liegen, was 5,9 Millionen Arbeitsplätze entspräche, aber deutlich unter den im zurückliegenden Jahrzehnt gemessenen 10,9% läge. Von allen großen Industriesektoren würde die Zahl der Stellen im Versorgersektor am stärksten steigen. Nahezu der gesamte Zuwachs dürfte auf die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Strom entfallen, was durch die steigende Stromnachfrage unter anderem für künstliche Intelligenz bedingt ist. Im Einzelhandel dürfte die Zahl der in Läden Beschäftigten aufgrund des Onlinehandels dagegen um rund 27.500 sinken. Allerdings sei davon auszugehen, dass wegen der Online-Einkäufe mehr Personal im Transport- und Lagerwesen gebraucht würde.
Grafik der Woche
Volkswirte äußern sich zunehmend besorgt über steigende Staatsanleiherenditen. Viele Länder haben hohe Haushaltsdefizite und stopfen diese Löcher, indem sie mehr Schulden aufnehmen. Dies kann die Renditen in die Höhe treiben und damit höhere Zinszahlungen und weniger Geld in den Staatskassen bedeuten, das für öffentliche Aufgaben zur Verfügung steht. Zahlreiche Industrieländer haben finanzielle Probleme, die sich in Frankreich mit den kommenden Wahlen aufgrund versprochener Ausgabenerhöhungen weiter zuspitzen könnten. Ein wesentlicher Faktor sind allerdings weiterhin die Ölpreise. Seit ihrem Hoch von 124 US-Dollar im April sind die Renditen gestiegen, aber Öl ist wegen des Irankonflikts nach wie vor sehr teuer. Falls sich die Lage entspannt und die Ölpreise auf Vorkriegsniveaus zurückfallen, dürften auch die Staatsanleiherenditen wieder sinken.

Wissenswert
Orange Anleihen: In der Kategorie der Nachhaltigkeitsanleihen sind überwiegend grüne, soziale und nachhaltigkeitsgebundene Vehikel anzutreffen. Derzeit kommen jedoch neue Unterkategorien hinzu, etwa blaue Anleihen mit Fokus auf Wasser-Ökosysteme. Zu den neuesten Spielarten zählen orange Anleihen (Orange Bonds), deren Erlöse in Projekte fließen, die Geschlechtergleichstellung und Inklusion fördern. Der Name bezieht sich auf das Nachhaltigkeitsziel 5, mit dem die Vereinten Nationen „Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“ möchten und das mit der Farbe Orange gekennzeichnet ist.
Das bringt die Woche
Im Fokus werden diese Woche die Zentralbanken stehen. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank zum Zinsentscheid. Auf ihrer Julisitzung hatte sie ihren Leitzinssatz bei 3,50% bis 3,75% belassen, auch wenn sich drei der zwölf Ausschussmitglieder für eine Anhebung um 25 Basispunkte aussprachen. Die Bank of England und die Bank of Japan halten ihre Zinsmeetings am Donnerstag und Freitag ab. Auch sie hatten ihre Leitzinsen im Juli nicht verändert. Konjunkturdaten gibt es am Mittwoch mit den jüngsten britischen Inflationszahlen sowie am Donnerstag und Freitag, wenn der Euroraum und Japan ihre Inflationsberichte veröffentlichen.
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