"Die Angst vor Verlusten oder, umgekehrt, die Angst, kurzfristige Trends zu verpassen, prägt Kurse stärker als viele zugeben. Auch wir bei KEPLER werden in unseren Anlageentscheidungen immer wieder mit dem Stimmungsbild am Markt konfrontiert. Wir haben zwar ein ausgeprägtes Bewusstsein für irrationales Handeln, sind breit diversifiziert und arbeiten mit klaren Prozessen, um Emotionen so weit wie möglich auszublenden. Vollkommen immun gegen das bekannte „Bauchgefühl“ sind wir trotzdem nicht.
Im Aktienmanagement gehen wir deshalb einen Schritt weiter: Wir wollen Emotionen im Anlageprozess nicht nur vermeiden, sondern aktuelle Forschung zur Marktpsychologie für uns nutzbar machen. Gemeinsam mit der Johannes-Kepler-Universität (JKU) Linz haben wir dafür einen eigenen Indikator entwickelt."
KEPLER Behavioral Finance Indikator macht Stimmung messbar
- Der Indikator übersetzt Beobachtungen am Markt in ein klar interpretierbares Stimmungsbild. Konkret werten wir kapitalmarktnahe Daten aus, etwa Handelsvolumen, Preis- und Optionsdaten oder Veränderungen von Analystenschätzungen. Daraus leiten wir Signale für typische Verhaltensmuster ab, zum Beispiel Herdenverhalten, Panik oder Euphorie, und fassen sie zu einem Gesamtindikator zusammen.
- Der Indikator umfasst zwölf Signale, die wir grob vier Kategorien zuordnen: Marktaktivität, Derivative Signale, technische Signale und Analystenschätzungen. Die Signale sind so kalibriert, dass sie nur bei robusten, statistisch relevanten Veränderungen anspringen. Kleine Schwankungen genügen nicht. Alle Signale sind wissenschaftlich fundiert, empirisch getestet und werden künftig fortlaufend überprüft und weiterentwickelt.
Fundamentalanalyse bleibt Herzstück im Titelselektionsprozess.
- Unternehmen müssen weiterhin hohe Standards erfüllen, um in unsere Portfolios aufgenommen zu werden, denn die meisten Preisanpassungen am Kapitalmarkt haben auch eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Auf polarisierende Nachrichten reagieren jedoch manche Marktteilnehmer emotional und hier eröffnet uns der Behavioral-Finance-Indikator einen zusätzlichen, systematischen Blickwinkel auf Chancen. Damit haben wir unser Aktienmanagement gezielt und innovativ erweitert.
- Unsere Signale analysieren ein breites Spektrum kapitalmarktnaher Daten und leiten daraus verschiedene Verhaltensmuster ab. Je nach Marktphase beobachten wir unter anderem Herdenverhalten, Verlustaversion oder Übermut. Signale zur Marktaktivität erfassen beispielsweise auffällige Spitzen im Handelsvolumen. Häufig reagieren Investoren dann auf neu veröffentlichte Informationen, etwa Quartalszahlen oder Makrodaten. Haben sich die Fundamentaldaten allerdings kaum verändert, kann eine hohe Marktaktivität auf substanzarmes Herdenverhalten hindeuten. Unsere Derivatesignale analysieren wiederum andere Verhaltensmuster. Sprunghafte Veränderungen in der Nachfrage nach defensiven Put-Optionen oder risikofreudigen Call-Optionen können Anzeichen für Verlustaversion oder Übermut sein.
- Ebenfalls aufschlussreich sind Signale zu Analystenschätzungen. Sie reagieren besonders in der Berichtssaison, wenn frische Daten in den Markt kommen. Plötzliche Konsensrevisionen ohne entsprechende Kursbewegung deuten auf geringe Beachtung hin; zudem spiegeln Preise Gewinnüberraschungen mitunter zeitverzögert wider. Das ist ein Hinweis auf den kognitiven Status-quo-bias, also die Tendenz, an bestehenden Einschätzungen festzuhalten und Veränderungen zu vermeiden.
Wie man sieht, gibt es nicht das eine Verhaltensmuster, das besonders heraussticht. Unser Indikator ist darum auch als Composite zu verstehen und ein einzelnes Signal genügt uns nicht. - Welche Outperformance lässt sich durch die Integration erziele?
In unseren empirischen Tests hat der Indikator wiederholt korrekte Signale gesetzt, Chancen identifiziert und damit das Risiko‑Ertrags‑Profil verbessert. Aktuell kombinieren wir die Signale mit bestehenden Einschätzungen aus der Fundamentalanalyse und der technischen Analyse. Die mehrdimensionale Sicht auf Titel und Märkte eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. Im vergangenen Jahr haben wir den Indikator im Live-Betrieb begleitend beobachtet. Dabei sind wir auf interessante Unternehmen aufmerksam geworden, die wir sonst nicht beachtet hätten. Der tatsächlich messbare Performancevorteil wird sich dann in den kommenden Monaten zeigen.
Weitere beliebte Meldungen: