Und da soll noch einmal jemand behaupten, Größe spiele keine Rolle. Der exklusive Club der Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion US-Dollar bekommt erneut Zuwachs. Neben den üblichen Schwergewichten wie Nvidia, Apple oder Microsoft schaffen inzwischen auch Konzerne aus Taiwan und Südkorea den Sprung in die Königsklasse der Börse. Wenig überraschend: Fast alle eint ein gemeinsamer Wachstumstreiber — der KI-Boom.
Neuzugänge wie der Speicherchip-Hersteller SK Hynix oder Samsung Electronics haben sich dank ihrer beeindruckenden Kursentwicklung nicht nur in die Riege der größten Unternehmen der Welt katapultiert, sondern auch deutlich an Gewicht im MSCI Emerging Markets Index gewonnen. Dadurch kam es zu spürbaren Verschiebungen sowohl auf Länder- als auch auf Branchenebene.
Schwellenländer galten lange vor allem als Rohstofflieferanten der Weltwirtschaft. Dieses Bild hat sich grundlegend verändert. Mittlerweile hat auch dort die Künstliche Intelligenz Einzug gehalten: Der Technologiesektor macht inzwischen mehr als 40 % des MSCI Emerging Markets Index aus und ist damit sogar höher gewichtet als im S&P 500. Auch die Regionen haben sich verschoben. Taiwan hat China mittlerweile an der Spitze des Index abgelöst.
Der KI-Boom ist also längst kein rein amerikanisches Phänomen mehr, sondern hat die Emerging Markets voll erfasst. In Europa hingegen sucht man Unternehmen aus dem exklusiven „1-Billion-Dollar-Club“ derzeit vergeblich. Wenig überraschend steht aktuell nahezu ausschließlich die Technologiebranche im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den globalen Aktienindizes wider: Europas Anteil im MSCI ACWI ist auf rund 10 % gefallen, während die USA inzwischen mehr als 63 % ausmachen. Noch deutlicher wird die Dominanz im MSCI World (also ohne Emerging Markets): Dort liegt die Gewichtung der USA bereits bei rund 74 %.
Dass einige wenige Unternehmen immer größer werden, hat naturgemäß auch Auswirkungen auf die Konzentration innerhalb der Indizes. Betrachtet man die zehn größten Unternehmen eines Index nach Marktkapitalisierung, stechen die USA und die Emerging Markets besonders hervor, jeweils mit einem Anteil von gut einem Drittel am Gesamtindex. Anders gesagt: Im MSCI USA Index repräsentieren nur zehn Aktien rund 37 % des gesamten Index, während die übrigen rund 520 Unternehmen gemeinsam die restlichen 63 % ausmachen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob Technologie und die USA dominieren, denn das tun sie eindeutig, sondern wie man mit dieser Entwicklung im Portfolio umgeht. Entscheidend ist zu verstehen, worin man investiert, welche Konzentrationsrisiken im Portfolio stecken und ob man diese bewusst eingehen möchte.
Auch wir orientieren uns im Portfoliomanagement am MSCI ACWI und halten einen entsprechend hohen Anteil an US-Aktien sowie Technologiewerten. Um die Diversifikation zu verbessern, mischen wir jedoch gezielt Small Caps und Equal-Weight-Strategien bei.
Gleichzeitig sollte nicht übersehen werden, dass die Diskussion über die Marktdominanz großer Technologiekonzerne bereits seit Jahren geführt wird. Seit Beginn des KI-getriebenen Tech-Booms in den USA im Jahr 2023 haben diese Unternehmen jedoch einen wesentlichen Beitrag zur globalen Aktienmarktperformance geleistet. Eine fehlende Allokation in diesem Segment hätte sich daher signifikant dämpfend auf die Entwicklung unserer Mischportfolios ausgewirkt.
Ein anschauliches Beispiel liefert der Nasdaq-100-Index, der zwischen dem 1. Jänner 2023 und dem 31. Mai 2026 eine Wertentwicklung von rund +184% in USD verzeichnete.
Entscheidend ist dabei auch die fundamentale Untermauerung: Die großen US-Technologiekonzerne liefern weiterhin ein dynamisches Gewinnwachstum, im vergangenen Quartal lag dieses bei rund +51% und stellt damit einen zentralen Treiber der aktuellen Marktentwicklung dar.
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