Leicht hatten es kleinkapitalisierte Unternehmen in der letzten Dekade nicht – zu sehr standen großkapitalisierte Werte speziell seit Corona im Mittelpunkt des Interesses. Der Begriff „Magnificent 7“ zeugt von diesem Phänomen und hat nicht nur die Berichterstattung, sondern auch die Performance der letzten Jahre geprägt. Spektakuläre Börsengänge großer Firmen wie zuletzt SpaceX trugen ein Übriges zu dieser Entwicklung bei. Zwar haben auch die Small Caps in Summe über die letzten 10 Jahre kräftig zugelegt, der Performanceunterschied ist aber beträchtlich.
Aus dieser Entwicklung resultiert auch eine Outperformance des Large Cap-Segments, die aber seit Beginn des heurigen Jahres an Stärke verloren hat. Im Gegenzug übernahmen Small Caps das Kommando – und das aus durchaus guten Gründen. Denn Small Caps weisen im Vergleich zu ihren größeren Brüdern durchaus attraktive Bewertungen auf – im Schnitt sind sie, beispielsweise am Kurs-Gewinn-Verhältnis gemessen, günstiger als der Gesamtmarkt.
Und nicht zuletzt haben Small Caps in der Regel auch größere Phantasie als gesättigte Blue Chips, deren Wachstum begrenzt erscheint. Etwas überraschend ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass Small Caps nur eingeschränkt vom Boom der Growth-Werte profitieren konnten, obwohl Small Caps tendenziell dem Growth-Segment zuzurechnen sind. Ein Argument für eine Erholung der Small Caps könnte auch die lange Dauer der Outperformance von Large Caps sein, die irgendwann auch für eine zyklische Rotation spricht.
Höher Zinsen steigern die Anfälligkeit
Natürlich gibt es auch Vorbehalte, die berühmten „Caveats“: Speziell die höheren Zinsen haben den Small Caps seit 2022 zugesetzt, zumal derartige Unternehmen oft stark fremdfinanziert sind und in der Tendenz auch schlechtere Bonitäten aufweisen. Doch selbst hier gibt es noch Differenzierungen. In letzter Zeit ist die Unterscheidung zwischen Finanzierungen mittels gelisteter Anleihen (oft im High-Yield-Bereich) und privaten Kreditmärkten (Private Debt) hinzugekommen. Viele Marktbeobachter sehen Private Equity in erster Linie als Erweiterung des Small Cap-Universums.
Möglichkeiten der Umsetzung
Neben klassischen Small Cap-Strategien, die wir in unseren Portfolios einsetzen, gibt es auch die Möglichkeit, indirekt auf kleinkapitalisierte Aktien zu setzen. Ein Beispiel dafür sind gleichgewichtete Strategien („Equal Weight“). Im Gegensatz dazu werden die Aktien nicht kapitalgewichtet (je größer, umso mehr Gewicht), sondern jede Aktie im Portfolio bzw. Index bekommt das gleiche Gewicht. Auf diese Weise werden Aktien mit niedriger Kapitalisierung stärker berücksichtigt als in konventionellen Indizes. Der Rückstand dieser Strategien war im Gegensatz zu früheren Zeiten sogar noch größer als jener von Small Caps.
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