Die Refinanzierungswelle am Anleihemarkt

Die während der Corona-Pandemie aufgenommenen Schulden laufen aus: In den kommenden Jahren müssen weltweit Billionenbeträge refinanziert werden – zu deutlich höheren Zinsen. Warum der Markt dennoch stabil bleiben könnte und wo Risiken wie Chancen liegen. KEPLER FONDS | 03.02.2026 11:42 Uhr
Kurt Eichhorn, Rentenfondsmanager bei KEPLER Fonds / © e-fundresearch.com / KEPLER Fonds
Kurt Eichhorn, Rentenfondsmanager bei KEPLER Fonds / © e-fundresearch.com / KEPLER Fonds

Refinanzierungswelle der „Corona-Schulden“

Eine Schuldenwelle rollt auf die Finanzmärkte zu. In den kommenden Jahren müssen weltweit zwischen 50 und 80 Billionen USD an Anleihen und Krediten refinanziert werden. Die Ursache: Während der Corona-Pandemie nutzten Staaten und Unternehmen historisch niedrige Zinsen für eine massive Emissionswelle. Allein 2020 wurden Anleihen im Wert von 23,7 Billionen USD begeben, gut 50% mehr als in den Vorjahren. Diese Papiere laufen nun aus – zu ungünstigeren Konditionen.

Obwohl demnächst jährlich ein doppelt so hohes Anleihe- und Kreditvolumen refinanziert werden muss, ist das für Rentenfondsmanager Kurt Eichhorn kein Grund zur Panik: „Der Markt ist grundsätzlich in der Lage, die hohen Volumina aufzunehmen. Aufgrund der Sparschwemme sind auch genügend Mittel dafür vorhanden.“

Die Dimension der Refinanzierungen stellt sich wie folgt dar: 

  • Laut der Ratingagentur S&P-Global laufen heuer 10% der weltweit 25 Billionen USD an Unternehmensschulden aus. 
  • Bis 2028 wird das jährlich zu erneuernde Volumen auf drei Billionen USD steigen. 
  • Insgesamt muss der Markt für Unternehmensanleihen allein durch die Refinanzierungsaktivität bis 2029 laut S&P rund 10,6 Billionen USD absorbieren. 
  • Bei den Staatsanleihen beläuft sich der jährliche Refinanzierungsbedarf in den OECD-Ländern auf 13 Billionen USD.

Hochzins-Anleihen besonders im Fokus

Das Refinanzierungsthema wird umso kritischer, je schlechter die Bonität des Emittenten ist. Angespannt zeigt sich die Lage im Hochzinsbereich. Das Volumen der Junk-Bonds, das refinanziert werden muss, steigt von derzeit 200 Milliarden USD pro Jahr auf eine Billion USD bis 2028. In den USA wird 2028 die Hälfte des ausstehenden Volumens an spekulativen Anleihen fällig – ein Anstieg von 15% im laufenden Jahr. Im Hochzinsbereich könnten daher mehr Unternehmen als bisher ihre Schulden nicht mehr tragen können.

Eichhorn merkt dazu an: „Positiv ist aber, dass viele Unternehmen bereits 2025 Refinanzierungen vorgenommen haben, die erst 2026 fällig gewesen wären. Das mindert den Druck. Dennoch muss bei der Selektion im Hochzinsbereich genau hingeschaut werden.“ 

USA im Mittelpunkt der Refinanzierungswelle

Die USA stehen im Zentrum der enormen Refinanzierungen. Dort sind in den nächsten zwei Jahren jeweils 9 Billionen USD an kurzlaufenden Treasury-Bills und langfristigen Staatsanleihen fällig. Verschärfend hinzu kommt die verstärkt kurzfristige Verschuldung in den USA. Der Anteil der Treasury-Bills stieg von 15% auf 22% der gesamten Staatsschulden. Andere Staaten wie Frankreich, Japan und Großbritannien zeigen diesen Trend ebenfalls. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag 2020/21 bei durchschnittlich 0,7%, heute bei über 4%. Auch Deutschland zahlt aktuell zwei bis drei Prozentpunkte mehr für die langfristigen Schulden als noch vor fünf Jahren.

Für Unternehmen mit guter Bonität fällt der Effekt etwas geringer aus, da gesunkene Risikoaufschläge den Zinsanstieg teilweise kompensieren. Für schwache Schuldner verschärft jedoch jeder weitere Basispunkt die Lage, besonders bei schwacher Konjunktur und knapper Liquidität. „Die für 2026 erwarteten Zinssenkungen der US-amerikanischen Notenbank könnten den Effekt für die US-Unternehmen aber abmildern“, meint Eichhorn. „Generell kann der Markt davon ausgehen, dass die Notenbanken bei größeren Verwerfungen verstärkt als Käufer auftreten würden.“

Risiko abwägen, aber auch Chancen erkennen

„Insgesamt ist kaum zu erwarten, dass bei Staats- und Unternehmensanleihen der Markt entgleisen wird. Umsichtige Investoren tun allerdings gut daran, das Risiko genau im Auge zu behalten“, so Eichhorn. Gerade bei Unternehmensanleihen bleibt wichtig, die Bonität der Emittenten genau zu prüfen und im Hochzinsbereich besonders selektiv vorzugehen. „Auch die Entwicklung der Liquidität und das Verhalten der Notenbanken sind zentrale Indikatoren, die wir stets am Radar haben“, erläutert der erfahrene Fondsmanager.

Insgesamt unterscheidet sich die aktuelle Situation von früheren Refinanzierungswellen durch die Kombination aus hohem Volumen, gestiegenen Zinsen und rückläufiger Liquidität. Der gezielte Einsatz kurzfristiger Finanzierungsinstrumente durch Staaten ist ebenfalls neu und erhöht den jährlichen Refinanzierungsdruck zusätzlich. Eichhorn weist aber dezidiert auch auf die Chancen hin: „Höhere Kupons machen Anleihen wieder attraktiver für Investoren. Die Sparschwemme sorgt für ausreichend Kapital und selektive Investoren können von steigenden Risikoprämien profitieren.“

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