Die geopolitischen Entwicklungen zu Jahresbeginn haben die zuvor ruhigen Kreditmärkte in Bewegung gebracht. Nach einem weitgehend stabilen Jahr 2025 – mit geringen Schwankungen bei Zinsen und Kreditaufschlägen – setzte Ende Februar eine Neubewertung ein. Auslöser war die Eskalation im Nahen Osten, insbesondere der Angriff der USA und Israels auf Iran sowie die temporäre Schliessung der Strasse von Hormus. In der Folge stiegen die Energiepreise deutlich an.
Zinsen steigen, Kurve flacht ab
Die Reaktion an den Zinsmärkten fiel markant aus. Fünfjährige Renditen legten seit Jahresbeginn spürbar zu, in Norwegen um rund 50 Basispunkte. Am kurzen Ende war der Anstieg noch stärker: Dreijährige Renditen erhöhten sich um etwa 75 Basispunkte, während zehnjährige um rund 30 Basispunkte zulegten. Die Zinskurve hat sich damit weiter abgeflacht und ist teilweise invertiert.
Auch die Kreditmärkte reagierten, wenn auch weniger ausgeprägt. Investment-Grade-Spreads weiteten sich sowohl in Europa als auch in den USA aus, mit einer stärkeren Bewegung in Europa. Ausschlaggebend ist die höhere Abhängigkeit europäischer Volkswirtschaften von Energieimporten, was die Wachstumsaussichten stärker belastet. Insgesamt blieb die Spread-Ausweitung bislang unter früheren Stressphasen vergleichbarer Grössenordnung.
Nordische Märkte mit geringerer Bewegung
Im nordischen Kreditmarkt lag die Ausweitung der Spreads seit den Tiefstständen bei rund 15 bis 20 Basispunkten. Im High-Yield-Segment stiegen die Aufschläge in den USA und Europa um 50 bis 75 Basispunkte, während sie in den nordischen Märkten um etwa 20 Basispunkte zunahmen. Eine Rolle spielt dabei die Branchenstruktur, insbesondere der vergleichsweise hohe Energieanteil.
Die Performance von Anleihenstrategien wurde vor allem durch den Zinsanstieg belastet. Nordische Obligationenfonds mit rund drei Jahren Duration verzeichneten im ersten Quartal Renditen zwischen –1% und –0,2%. Globale Strategien mit längerer Duration entwickelten sich schwächer. Produkte mit variabler Verzinsung oder kurzer Zinsbindung blieben dagegen im positiven Bereich. High-Yield-Anlagen hielten sich vergleichsweise stabil und erzielten per Quartalsende eine Rendite von rund 0,8%.
Zinserwartungen drehen nach oben
Parallel dazu hat sich die Einschätzung der Geldpolitik verändert. Während Ende Februar teilweise noch Zinssenkungen erwartet wurden, rechnen die Märkte nun mit zwei bis drei Zinserhöhungen bis Ende Jahr. In Norwegen liegt die Markterwartung rund 40 Basispunkte über der Projektion der Zentralbank bis 2027. Insgesamt entspricht dies einer Verschiebung des globalen Zinsniveaus um etwa 50 bis 70 Basispunkte nach oben.
Höhere laufende Renditen, erhöhte Unsicherheit
Für Kreditinvestoren bedeutet dies ein gemischtes Umfeld. Die Kombination aus höheren Zinsen und leicht gestiegenen Spreads verbessert die laufenden Erträge. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit angesichts der geopolitischen Lage erhöht, was die Volatilität an den Märkten in den kommenden Monaten beeinflussen dürfte.
Innerhalb des Kredituniversums rücken die nordischen Märkte stärker in den Fokus. Die vergleichsweise moderate Spread-Ausweitung im High-Yield-Segment sowie die sektorale Zusammensetzung sprechen für eine gewisse Stabilität. Zudem liegen die aktuellen Kreditaufschläge über den Niveaus der Jahre 2017 bis 2020, ohne die Extremwerte von 2022 zu erreichen.
Für Anleger mit längerem Horizont ergeben sich damit selektive Chancen, insbesondere im nordischen High-Yield-Bereich. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll: Die weitere Entwicklung hängt stark von geopolitischen Faktoren und deren Auswirkungen auf Energiepreise, Inflation und Wachstum ab.
Von Svein Aage Aanes, Head of Fixed Income bei DNB Asset Management
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