Der Stromverbrauch steigt erstmals seit Jahren wieder deutlich. Wir erwarten, dass alle Energieformen notwendig sein werden, um das erwartete Wachstum der Energienachfrage in den kommenden Jahren zu decken. Getrieben wird die Stromnachfrage durch die Rückverlagerung der Produktion, die fortschreitende Elektrifizierung und den raschen Ausbau von KI-Rechenzentren. Hinzu kommt die Energiesicherheit. Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Alternativen zu fossilen Brennstoffen – darunter Batterien, Elektrofahrzeuge, Biokraftstoffe, Transformationsmaterialien, Netzinfrastruktur und elektrische Ausrüstung – sind wichtige Teile der Lösung. Diese Treiber sind aus unserer Sicht strukturell.
KI beeinflusst bereits heute die Stromnachfrage und Investitionsentscheidungen. Die Zeit bis zur verfügbaren Stromversorgung ist eine der größten Einschränkungen für den Ausbau von Rechenzentren. Deshalb gehören netzunabhängige mobile Gasmotoren in Verbindung mit Speichern derzeit zu den bevorzugten Lösungen. Bestehende Kernkraftwerke sind bereits neu kontrahiert und hochgerüstet worden, während die Auftragsbücher für Gasturbinen bis zum Ende des Jahrzehnts gefüllt sind.
Zugleich zeigt sich, dass die alternde Netzinfrastruktur Schwierigkeiten hat, die wachsende Zahl großer Netzanschlussanträge, veränderte Lastprofile, den steigenden Anteil schwankender erneuerbarer Energien und das wiederkehrende Lastwachstum zu bewältigen. Die Investitionen in die Netze müssen im kommenden Jahrzehnt deutlich steigen. Dies wird allerdings nicht ohne Diskussionen über die Bezahlbarkeit geschehen.
Elektrifizierungs-Infrastruktur weniger politikabhängig
Zu den begünstigten Bereichen gehört zunächst die Infrastruktur hinter der Elektrifizierung. Der Ausbau, die Modernisierung und die Flexibilisierung der Netze erfordern erhebliche Investitionen in Übertragungs- und Verteiltechnik, Schaltanlagen, Hochspannungstechnik, Kabel, Leistungselektronik, Netzsoftware, Energiespeicher und Lösungen zur Steuerung der Nachfrage. Auch Energieeffizienz und die Elektrifizierung von Wärme können Energieverbrauch und Emissionen senken, häufig bei attraktiver Wirtschaftlichkeit. Diese Bereiche können ein berechenbareres und weniger politikabhängiges Wachstum bieten als die Entwicklung erneuerbarer Stromerzeugung selbst.
Mehrere Unternehmen stehen für unterschiedliche Teile dieses Themas: Monolithic Power und Onsemi bei führenden Halbleitern für die Stromumwandlung, Amphenol bei Sensoren und Steckverbindern, Prysmian und Nexans bei Kabeln sowie Schneider Electric bei elektrischer Ausrüstung. Hinzu kommen Orsted und EDPR in der Stromerzeugung und CATL bei Batteriespeichern.
79 Prozent mehr Batteriespeichervolumen in 2025 installiert
Die Engpässe sind bekannt. Transformatoren haben lange Lieferzeiten, während die Fertigungskapazitäten begrenzt sind. Hochspannungskabel und Schaltanlagen sind entscheidend, wenn die Übertragungsnetze ausgebaut werden. Leistungselektronik gewinnt für die Integration von erneuerbaren Energien, Speichern und Rechenzentren an Bedeutung. Bei spezialisierten Elektromaterialien können Kupfer, Elektroband und Seltenerdmagnete knapp werden. Hinzu kommen Genehmigungsbeschränkungen.
Speicher sind strukturell wichtig, zugleich aber vergleichsweise wettbewerbs- und preissensitiv. Niedrigere Preise ermöglichen Solarenergie in Verbindung mit Speichern, kommerzielle Energielösungen und neue Flexibilitätsmodelle. In Teilen der Wertschöpfungskette mit niedrigen Eintrittsbarrieren ist jedoch Margendruck sichtbar. Nach Angaben von Volta stiegen die Installationen von Batteriespeichersystemen 2025 gemessen an der Leistung im Jahresvergleich um 79 Prozent; allein 2025 wurden 40 Prozent der kumulierten weltweiten Kapazität installiert. Getrieben wurde dieses Wachstum von stark fallenden Kosten, unterstützender Speicherpolitik, neuen Märkten und einer verbesserten Produktleistung. Speicher ermöglichen einen höheren Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem, weil sie die Folgen begrenzter Netzinvestitionen abfedern können.
Auch Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft gewinnen an strategischer Bedeutung. Die Energiewende ist materialintensiv. Recycling, Materialrückgewinnung und Technologien, die den Verbrauch kritischer Mineralien, von Energie und Wasser senken, dürften deshalb wichtiger werden, wenn Regierungen und Unternehmen ihre Lieferketten widerstandsfähiger machen wollen. Eine eingesparte Energieeinheit ist stets günstiger als eine neu erzeugte. Lösungen wie Wärmepumpen und Dämmung existieren bereits, lassen sich schnell ausrollen und haben geringe Anfangskosten beziehungsweise kurze Amortisationszeiten.
Von Christian Rom, Portfoliomanager bei DNB Asset Management
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