EZB-Zinsanhebung: Kein Beginn eines neuen Zyklus

Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment, analysiert die jüngste Zinserhöhung der EZB. Warum die Anhebung um 25 Basispunkte trotz Irankonflikt nicht als Start eines neuen Zinserhöhungszyklus zu verstehen ist. Union Investment | 11.06.2026 15:34 Uhr
Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment / © Union Investment
Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment / © Union Investment

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen wie erwartet um 25 Basispunkte angehoben. Der Verlauf des Irankonfliktes hat diese Zinsanhebung nötig gemacht, um das Risiko einer dauerhaft erhöhten Inflation im Euroraum einzudämmen. Es ist die erste Zinserhöhung seit September 2023, der Einlagenzins liegt damit bei 2,25 Prozent.

Allerdings markiert dies nicht den Beginn eines neuen Zinserhöhungszyklus. Vielmehr dient die Anhebung der Zinsen als Sicherheitsvorkehrung, um mögliche Zweitrundeneffekte im Keim zu ersticken. Viel ist hierfür nicht nötig, denn der zuletzt schwächere Arbeitsmarkt in der Währungsunion macht deutliche Lohnsteigerungen wenig wahrscheinlich. Gleichzeitig will die EZB, das fragile Wachstum im Euroraum nicht durch eine restriktive Geldpolitik gefährden.

Wir gehen davon aus, dass die Straße von Hormus in den Sommermonaten wieder schrittweise geöffnet wird. Das sollte zu einer Normalisierung der Energiepreise führen und die Teuerung ohne weiteres Zutun der EZB mittelfristig in Richtung ihres Ziels von zwei Prozent senken. Die Erwartungen des Kapitalmarkts, dass die EZB im Jahresverlauf noch stärker an der Zinsschraube dreht, halten wir für übertrieben.

von Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment 

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