Inflation steigt – aber eine neue Welle ist das nicht

Union-Investment-Ökonom Michael Herzum ordnet den Anstieg der deutschen Inflation auf 2,8 Prozent ein. Haupttreiber bleiben die Energiepreise, während die Kerninflation moderat bleibt. Warum das für die EZB dennoch keine Entwarnung bedeutet und welche Daten nun entscheidend werden. Union Investment | 12.08.2026 08:22 Uhr
Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment / © e-fundresearch.com / Union Investment
Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment / © e-fundresearch.com / Union Investment

Die Inflation in Deutschland ist im Juli spürbar von 2,3 auf 2,8 Prozent gestiegen. Ausschlaggebend war vor allem das Auslaufen des temporären Tankrabatts. Energie bleibt der zentrale Treiber der Teuerung – direkt über Benzin, Diesel und Heizöl sowie indirekt über höhere Transport- und Produktionskosten.

Entscheidend ist jedoch, dass sich der Preisdruck bislang nicht breit verfestigt hat. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel lag im Juli bei 2,4 Prozent. Das ist ein wichtiges Beruhigungssignal. Der Preisschub kommt von der Energie, nicht aus der Breite der Güter und Dienstleistungen.

Sollte das aktuell niedrigere Energiepreisniveau Bestand haben, dürfte der Inflationsgipfel erreicht sein. Ein schneller Rückgang der Teuerung ist allerdings nicht zu erwarten. Der Energiepreisschock wirkt mit Verzögerung auf andere Preise — vor allem auf Güter und Dienstleistungen mit hohem Energie- oder Transportanteil.

Eine Rückkehr zum mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent erscheint erst Anfang 2027 realistisch. Eine Lohn-Preis-Spirale ist nicht zu erkennen. Die Inflationsrisiken bleiben aber erhöht. Für die EZB ist deshalb neben der Ölpreisentwicklung entscheidend, ob auch die Kerninflation im Euroraum unter Kontrolle bleibt. Die Anfang September veröffentlichten Euroraum-Daten für August werden ein wichtiger Gradmesser dafür sein, ob die Notenbank abwarten kann oder erneut unter Handlungsdruck gerät.

Von Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy bei Union Investment  

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