SAP, Meta & Co.: Abstürze und Überflieger

Enttäuschte Cloud-Erwartungen belasten SAP und Microsoft, während Meta Platforms und Apple mit starken Zahlen überzeugen. Gleichzeitig erreicht der S&P 500 neue Höchststände. Warum Europa übergewichtet bleibt, Versicherer im Fokus stehen und Nebenwerte profitieren könnten. Shareholder Value Management AG | 02.02.2026 08:58 Uhr
Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG
Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG

Der Auftragsbestand im Cloud-Sektor wird auf Sicht von zwölf Monaten zunächst langsamer wachsen als im vergangenen Jahr. Was für eine Enttäuschung! Schon rollte die Verkaufswelle. Schwuppdiwupp – und der DAX hatte ein neues Schwergewicht: Siemens!

SAP um Microsoft enttäuschen die hohen Erwartungen – Meta Platforms überragt

Denn der Kurs der SAP-Aktie rauschte in den Keller. Bis zu 16 Prozent. Und damit war Europas größter Softwarehersteller den Titel als wertvollstes DAX-Unternehmen los. Auf der anderen Seite zeigt die Reaktion, wie Enttäuschungen vom Markt abgestraft werden: Hohe Bewertungen, hohe Erwartungen – und gnadenlose Abstrafung, wenn auch nur das Geringste nicht passt!

Das musste auch unser Portfoliowert Microsoft aus dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value erfahren. Die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren zahlen sich nach eigenen Angaben für Microsoft aus. Der Umsatz der Cloud-Sparte hat im abgelaufenen Quartal die Marke von 50 Milliarden Dollar übersprungen, und die Erwartungen bei Erlösen, Betriebsergebnis und Reingewinn übertroffen. Aber: Das Cloud-Wachstum übertraf mit einem Plus von 39 Prozent die Analystenprognosen allerdings nur knapp. Wie hoch die Latte der Erwartungen für Microsoft mittlerweile liegt, zeigte sich im nachbörslichen Handel: Die Aktien des US-Softwarekonzerns verlor trotz guter Zahlen.

Wie es anders geht, hat Meta Platforms gezeigt. Die Facebook-Mutter hat alle Erwartungen übertroffen. Die Folge: Der Kurs stieg um über 10 Prozent. Und auch Apple läuft weiter wie eine frisch geölte Gelddruckmaschine. Der Umsatz ist im abgelaufenen Quartal um 16 Prozent auf ein Rekordhoch von 143,8 Milliarden Dollar gestiegen. Was Konzern-Chef Tim Cook zu der zufriedenen Aussage brachte: „Die iPhone-Nachfrage war atemberaubend.“ Was einen Zuwachs von 23 Prozent auf 85,27 Milliarden Dollar bedeutete. Na, wenn das kein Lächeln wert ist.

S&P 500 über 7.000 Punkten – und nun?

Derweil hat der Der S&P 500 erstmals die 7.000-Punkte-Marke überschritten. Die Marktteilnehmer warten jedoch auf weitere Ergebnisse der Berichtssaison. Und sie warteten auf die US-Notenbank. Diese beließ den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent und legte somit die erwartete Pause im Zinssenkungszyklus ein. Allerdings fiel die Entscheidung nicht einstimmig aus, da die vom Weißen Haus nominierten Gouverneure Stephen Miran und Christopher J. Waller sich für eine weitere Zinssenkung aussprachen. Wichtiger für die Märkte dürfte gewesen sein, wie der geldpolitische Rat seine Entscheidung begründete: Die Fed sprach von solidem Wachstum und weiterhin niedriger Arbeitslosigkeit. Die Inflation sei zu hoch, stabilisiere sich aber. Fed-Chef Jerome Powell, der ja demnächst von einem seiner schärfsten Kritiker, Kevin Warsh, ersetzt werden soll, betonte in der Pressekonferenz, dass die höhere Inflation auf die Zölle zurückzuführen sei und somit temporär sei. Im Dezember war noch von weniger Jobangeboten und moderatem Wachstum bei steigender Inflation die Rede. Die Fed betonte derweil erneut, dass weitere geldpolitische Entscheidungen datenabhängig sind und von Sitzung zu Sitzung getroffen werden. Von der Seite also nichts Neues.

Europa weiterhin übergewichtet – vor allem Versicherer

Ansonsten bleiben wir für Europa optimistisch und hier vor allem für den Versicherungssektor. Auch wenn dieser einen schwächeren Jahresstart hatte. Dies ist unter anderem auf Rückversicherer wie die Münchener Rück (Munich Re) zurückzuführen, die in der wichtigen Erneuerungsrunde zum 1. Januar, in der etwa 60 Prozent des Rückversicherungsgeschäfts erneuert werden, ihre Preise zum Teil senken mussten. Laut Branchenexperten gingen sie bei Sachkatastrophen-Rückversicherungen im Jahresvergleich in Europa um gut 10 Prozent zurück. Ob sich die Schwächephase von Aktien der Branche fortsetzt, dürfte vor allem von der anstehenden Berichtssaison abhängen. Geben sich die Unternehmen trotz niedrigerer Rückversicherungssätze optimistisch, könnten ihre Kurse wieder richtig gut Tritt fassen. Davon sind wir überzeugt.

Ansonsten investieren wir in letzter Zeit immer mehr in Aktien aus Europas zweiter Reihe. Hier etwas in die spanische Pharmaunternehmen Laboratorios Farmaceuticos Rovi SA, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Diasorin aus Italien oder den niederländischen Chemikalienhändler IMCD. Denn die Wirtschaft zieht wieder an. So wird für Europa ein Wachstum von 1,5 Prozent erwartet. Für den Euroraum sind es immerhin noch 1,4 Prozent. Und davon sollten vor allem gut aufgestellte Nebenwerte profitieren. Auch davon sind wir überzeugt.

Von Frank Fischer, Vorstandsvorsitzender und CIO bei Shareholder Value Management AG

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