Modern Value Investing: Wie Buffett nur moderner

Value Investing erlebt 2026 eine Renaissance. Nach Jahren von KI-Hype und Wachstumsfantasien rücken Profitabilität, stabile Cashflows und Wettbewerbsvorteile wieder in den Fokus. Welche Kennzahlen Anleger laut Warren Buffett zur Bewertung hochwertiger Unternehmen nutzen können. Shareholder Value Management AG | 24.02.2026 15:37 Uhr
Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege, Shareholder Value Management / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG
Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege, Shareholder Value Management / © e-fundresearch.com / Shareholder Value Management AG

Value Investing klingt für viele wie ein Relikt aus einer Zeit, in der man noch faxte und Aktienkurse in der Zeitung nachlas. Doch das Gegenteil ist wahr: Value ist 2026 moderner denn je. Warum? Weil die Märkte reif sind für eine Rückkehr zur Normalität.

Ben Graham, der geistige Vater des Value Investings, hat die Grundlage gelegt: unterbewertete Unternehmen kaufen, geduldig warten, den inneren Wert steigen lassen. Buffett hat daraus eine Kunst gemacht – und später durch Charlie Munger veredelt. Munger brachte Buffett weg vom „Schnäppchenjäger“ hin zum Erwerb „wunderbarer Unternehmen zu fairen Preisen“.

Genau hier liegt die Renaissance des Value Investings. Denn nach Jahren der Euphorie, KI-Hype, Nullzinsen und grenzenlosem Optimismus kippt das Pendel zurück: Qualität wird wieder gefragt. Genau jetzt schlägt die Stunde für das Modern Value Investing.

2026 ist ein Jahr, in dem Anleger stärker auf Profitabilität achten müssen. Nicht jede KI-Firma wird überleben. Nicht jede Wachstumsstory wird wahr. Aber Unternehmen mit hohen Renditen auf das eingesetzte Kapital, stabilen Cashflows und belastbaren Geschäftsmodellen – die überleben jede Marktphase.

Wo liegt das Problem? Value Investing wurde oft falsch verstanden. Wert ist eben nicht gleich günstig. Buffett hat niemals nur die billigste Aktie gekauft. Er kaufte die beste Aktie zu einem vernünftigen Preis. Coca-Cola hatte nie ein niedriges KGV – aber einen schlicht unverwüstlichen Moat.

Das moderne Value Investing – das wir bei Shareholder Value praktizieren – verbindet mehrere Elemente:

Wir verbinden die Qualitätsanalyse des Geschäftsmodells mit der Stabilität der Bilanz. Uns überzeugen nur Unternehmen mit einer hohen Kapitalrendite, wobei die Bewertung im Kontext des Wachstums stehen muss. In vielen Fällen punkten diese Unternehmen mit der Stärke des wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteils – kurz „Burggraben-Stärke“. Und dann liefert das Management im besten Fall über lange Zeiträume stabile Ergebnisse und überzeugt mit einer auf Nachhaltigkeit ausgelegten Unternehmenskultur.

Die Essenz dieser Anforderungen lässt sich einfach zusammenfassen: Im Ergebnis investieren wir nur in Unternehmen, die langfristig gewinnen können – auch, wenn sie heute nicht spektakulär aussehen.

Und genau das ist die Chance für Anleger 2026: Nicht den lautesten Trends hinterherlaufen – sondern den Firmen, die zuverlässig liefern. (Modern) Value Investing lebt. Es war nie weg. Es wurde nur überhört.

Die Buffett-Kennzahlen: Wie Privatanleger Qualität erkennen können 

Nun hat Warren Buffett ein Imperium gebaut – und trotzdem nutzt er nur drei zentrale Kennzahlen. Während viele Anleger sich in 18-seitigen Analysen verlieren, filtert Buffett schnell, klar und kompromisslos.

  1. Return on Equity (ROE):
    Wie gut arbeitet das Unternehmen mit seinem eigenen Kapital? Alles über 15 Prozent ist ein Hinweis: Das Geschäftsmodell hat Power.
  2. Debt-to-Equity (Verschuldungsgrad):
    Buffett meidet Unternehmen, die sich in Wachstum „hineinleihen“. Hohe Schulden sind ein Killer, wenn die Zinsen steigen. 2026 trifft das manche Firmen schmerzhaft.
  3. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV):
    Nicht im Sinne „je niedriger, desto besser“, sondern im Verhältnis zum Wachstum. Ein KGV von 30 ist kein Problem, wenn die Firma um 30 Prozent wächst. Der Fehler vieler Anleger: isoliert auf die Zahl schauen.

Von Heiko Böhmer, Kapitalmarktstratege bei Shareholder Value Management

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