Chefvolkswirt: Ausstieg aus dem Zinsanhebungszyklus ohne Rezession immer unwahrscheinlicher

Jede Woche kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region, das makroökonomische Umfeld und die Nachrichten, die die Märkte beherrschen. Letzte Woche erhöhte die Bank of England den Leitzins um 0,5 %. Dies geschah nach einer noch größeren Anhebung in den USA und einer ähnlichen Anhebung durch die Europäische Zentralbank. Ein Ausstieg aus dem Zinsanhebungszyklus scheint ohne Rezession immer unwahrscheinlicher. Columbia Threadneedle Investments | 09.08.2022 09:34 Uhr
Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments
Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments

Steven Bells Aussagen im Einzelnen: 

„Obwohl sich die Inflation in Europa und den USA insgesamt auf einem ähnlichen Niveau befindet, sind die Voraussetzungen anders. In Großbritannien und im Euroraum sind die Energiepreise der Hauptverursacher, allen voran die Gaspreise. In den USA überwiegt der inländische Druck. Die Löhne und auch die Mieten steigen dort viel stärker als in Europa. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem dieser Druck ohne Rezession eingedämmt wird. Das bedeutet, dass die US-Notenbank die Zinsen wahrscheinlich so lange anheben muss, bis eine Rezession unmittelbar bevorsteht. Angesichts der zugrunde liegenden Stärke der US-Wirtschaft rechne ich damit, dass die US-Zinsen noch viel weiter steigen werden, da sie meiner Meinung nach viel zu spät mit einer Straffung begonnen hat.

In Europa sieht es anders aus. Die Terminkontraktpreise für Erdgas sind in diesem Winter zwölfmal höher als vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Das ist ein enormer Anstieg. Auch hier ist das Ergebnis meiner Meinung nach eine Rezession. Allerdings wird es sich um eine andere Art von Rezession handeln als in den USA. Es handelt sich um einen Angebotsschock, der keine geldpolitische Reaktion erfordert. Die Gaspreise werden nicht wieder um das Zehnfache steigen, und die Märkte rechnen mit einem mittelfristigen Rückgang. Ein Großteil des Inflationsanstiegs wird also nur vorübergehend sein. Da die Auswirkungen auf die Realeinkommen ohnehin zu einer Rezession führen werden, besteht für die Zentralbanken also keine Notwendigkeit, in diesem Bereich weiter aktiv zu werden.

Das ist aber noch nicht alles: Die Zinssätze waren in Großbritannien auf nahezu Null und in Europa auf ein negatives Niveau gesunken, sodass sie sich nun auf ein „normales“ Niveau zubewegen. Deshalb vermute ich, dass die Bank of England und die Europäische Zentralbank die Zinssätze nur noch wenig anheben werden.

Rezessionen sind eine schlechte Nachricht für die Unternehmensgewinne, unabhängig davon, ob sie auf einen Angebotsschock zurückzuführen sind oder nicht. Höhere Zinssätze in Verbindung mit einer Rezession sind ein doppeltes Übel. Nach einem sehr schwierigen ersten Halbjahr haben sich sowohl Aktien als auch Anleihen im Juli gut entwickelt. Und Aktien sind insgesamt gut in den August gestartet. Ich glaube aber, dass ihnen noch einige schwierige Monate bevorstehen.

Was die USA im Vergleich zu Europa betrifft, so kann die Fed, sobald der Inflationsdruck in den USA nachlässt, eine Zinssenkung oder zumindest eine Aussetzung der Politik in Erwägung ziehen. Dann können sich die Unternehmensgewinne und Aktienkurse erholen. Zweifellos würden europäischen Aktien in gewissem Maße davon profitieren. Aber selbst, wenn die Gaspreise hierzulande ein wenig sinken, ist es schwer vorstellbar, dass sie in absehbarer Zeit wieder auf das frühere Niveau zurückkehren.“

Den vollständigen Videokommentar von Steven Bell finden Sie hier.

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