Die US-Notenbank Federal Reserve ist unter zunehmendem Druck seitens der US-Regierung, die Zinsen zu senken. Einige Marktteilnehmer sehen darin eine positive Entwicklung, denn das würde die Kosten für die Tilgung der US-Schulden senken. Diese belaufen sich mittlerweile auf 37,25 Billionen US-Dollar. Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Die Unabhängigkeit der Federal Reserve ist gesetzlich verankert. Präsident Trumps anhaltende Forderungen an den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, die Zinsen zu senken, bringen Risiken für Anleger mit sich. Trumps Versuche, direkten Einfluss auf die Besetzung des Fed-Vorstands zu nehmen – etwa die Entlassung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook – verschärfen die Situation zusätzlich.
Für Anleihen bedeutet das: Sollte es mehr Zinssenkungen geben als bisher erwartet, dürfte dies kurzlaufende Treasuries sowie auch Aktien begünstigen. Am langen Ende der Zinsstrukturkurve werden die Märkte dagegen wohl das Risiko einer höheren Inflation einpreisen, denn es gibt aktuell keine Anzeichen dafür, dass die US-Wirtschaft signifikante Zinssenkungen nötig hätte.
Im Mai 2026 geht Powells Amtszeit zu Ende. Mit seinem Ausscheiden dürfte es zu Neubesetzungen im Fed-Vorstand kommen, die Trumps Linie unterstützen. Auch Powells Nachfolge an der Spitze wird wahrscheinlich noch vor Jahresende bekannt gegeben. Damit kann die Trump-Regierung sowohl Vorstandsmitglieder als auch einen Vorsitzenden bestimmen, die eine lockerere Geldpolitik befürworten. Kurzfristig mag das positiv sein, auf lange Sicht sorgt dieses Vorgehen aber für politische und wirtschaftliche Risiken – insbesondere, falls die Inflation weiterhin über dem Zielwert bleibt.
Von Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments
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