Small-Cap Value: Der übersehene Gewinner der KI-Neuausrichtung?

Small-Cap Value rückt 2026 zunehmend in den Fokus: Nach der Neuzusammensetzung der Russell-Indizes ist das Technologie-Exposure deutlich gesunken. Gleichzeitig sprechen ein anziehender US-Industriezyklus, lockerere Kreditbedingungen und weiterhin attraktive Bewertungen für weiteres Potenzial gegenüber Large Caps. William Blair Investment Management | 03.09.2026 07:38 Uhr
© William Blair Investment Management
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Die wichtigsten Punkte

  • Die Neuzusammensetzung der Russell-Indizes im Juli hat dazu geführt, dass Small-Cap Value unter allen wichtigen Russell-Indizes nun das geringste Technologie-Exposure aufweist.
  • Eine zunehmende Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und restriktive Kreditbedingungen deuten auf ein günstiges Umfeld für Small Caps hin.
  • Obwohl Small-Cap Value seit Jahresbeginn die Performancerangliste der Anlageklassen anführt, könnte dies erst der Beginn eines Zyklus sein, da die Bewertungsabschläge gegenüber größeren Unternehmen weiterhin beträchtlich sind.

Während eines Großteils des aktuellen KI-Zyklus konzentrierte sich die Begeisterung des Marktes auf eine Handvoll großer Hyperscaler (Amazon, Google, Meta und Microsoft), die als die Hauptprofiteure des KI-Ausbaus galten. Allerdings begann der Markt, die Kapitalrendite der speziell auf KI ausgerichteten Investitionen infrage zu stellen.

Während der letztendliche Ertrag für die Hyperscaler ungewiss blieb, schien eines klar zu sein: Die enormen Investitionsausgaben für KI würden bleiben. Und genau diese Realität löste eine Rotation aus. Investoren begannen, sich von großen Cloud-Anbietern weg und hin zu den Schaufeln und Spitzhacken des KI-Goldrauschs zu positionieren, also zu den Halbleiter- und Technologiehardware-Unternehmen, die die Infrastruktur tatsächlich aufbauen.

Für Small-Cap-Investoren war dies ein bemerkenswerter Glücksfall: Ein großer Teil des Halbleiter- und Technologiehardware-Exposures, das erforderlich war, um von dieser Verschiebung zu profitieren, befand sich genau im Russell 2000 Value Index.1

Was sich verändert hat

Die Ergebnisse waren dramatisch. Im zweiten Quartal 2026 legten Halbleiterwerte aus dem Small-Cap-Value-Segment um rund 100 % und Aktien von Herstellern elektronischer Ausrüstung um etwa 90 % zu, eine eindrucksvolle Bestätigung der These von den Profiteuren der Investitionsausgaben.

In jüngerer Zeit hat sich dieser Trade jedoch wieder umgekehrt, und der Zeitpunkt ist aufschlussreich. Der Rückgang der Performance von Small-Cap-Technologiewerten fiel mit der Neuzusammensetzung der Russell-Indizes im Juli zusammen, bei der der Informationstechnologiesektor im Small-Cap-Value-Segment rund 500 Basispunkte seines Gesamtgewichts verlor.

Das Ergebnis: Der Russell 2000 Value Index weist nun unter allen Russell-Indizes das geringste Technologie-Exposure auf. Vielleicht noch bemerkenswerter ist, dass der Index inzwischen eine negative Korrelation mit Halbleiteraktien aufweist, eine bedeutende Veränderung seines Risikoprofils gegenüber dem Jahresbeginn.

Mit anderen Worten: Genau in dem Moment, in dem sich die Stimmung gegenüber KI-nahen Small Caps abgekühlt hat, hat der Benchmark durch seine mechanische Neuzusammensetzung einen großen Teil jenes Exposures verloren, das den vorangegangenen Anstieg überhaupt erst angetrieben hatte.

Das Argument für Small Caps

Diese Veränderung auf Indexebene schafft eine besondere Chance für aktive Small-Cap-Value-Manager. Da der Russell 2000 Value Index im Vergleich zu anderen Indizes nun strukturell untergewichtet in Technologie ist und eine negative Korrelation zu Halbleitern aufweist, ist ein an diesem Index orientierter Manager, wie wir es sind, gut positioniert, um Anlegern eine Absicherung gegen möglicherweise hohe KI-bezogene Bewertungen zu bieten. Darüber hinaus kann ein Small-Cap-Value-Manager, der sich auf Qualität konzentriert und ein Exposure gegenüber stärker zyklischen Endmärkten aufweist, an einer aus unserer Sicht breiter werdenden Marktbewegung mit mehreren unterstützenden Faktoren partizipieren.

Für Anleger, die sich wegen des Konzentrationsrisikos bei KI-exponierten Titeln sorgen, sticht der Russell 2000 Value Index als klar differenzierter Ausreißer hervor.

Die Unterschiede beim Technologiegewicht sind innerhalb der Russell-Familie deutlich. Zum 30. Juni 2026 lag das Technologie-Exposure des Russell 2000 Value Index bei rund 8 %, verglichen mit 11,9 % beim Russell 2000 Index, 17,5 % beim Russell 1000 Value Index und nochmals deutlich höheren Gewichtungen beim Russell 1000 Index, Russell 3000 Index und Russell 1000 Growth Index, wobei Letzterer auf fast 66 % kommt. Selbst der S&P 500 Index mit einem auf vergleichbarer Basis gemessenen Technologie-Exposure von rund 36 % übertrifft die Gewichtung des Russell 2000 Value Index bei Weitem.

Für Anleger, die sich wegen des Konzentrationsrisikos bei KI-exponierten Titeln sorgen, sticht der Russell 2000 Value Index als klar differenzierter Ausreißer hervor.

Ein Markt, der endlich eine Richtung findet

Über die Indexmechanik hinaus sehen wir ermutigende Signale im breiteren makroökonomischen Umfeld. Seit 2021 war die Binnenwirtschaft im Vergleich zu früheren Zyklen auffallend richtungslos, und Small Caps, die historisch sensibel auf Veränderungen der Aktivität im verarbeitenden Gewerbe reagieren, fehlte ein klarer Katalysator.

Das könnte sich ändern. Small Caps haben eine hohe Korrelation mit dem ISM Manufacturing Purchasing Managers’ Index (PMI)2 gezeigt, der nach einer ungewöhnlich langen Phase der Kontraktion nun endlich in den Expansionsbereich vorgedrungen ist. Diese Kontraktionsphase zählt zu den längsten, die je verzeichnet wurden.

Small-Cap-Aktien weisen eine hohe Korrelation mit dem ISM Manufacturing PMI auf, der nun endlich expandiert

Quellen: FactSet und William Blair, Stand: 30.06.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Erträge. Die Indexperformance wird ausschließlich zu Illustrationszwecken dargestellt. Indizes werden nicht aktiv verwaltet, verursachen keine Gebühren oder Kosten und können nicht direkt als Anlage erworben werden.


Dies ist kein isolierter Datenpunkt. Aktien aus dem Transportsektor, die häufig als Frühindikator für die Realwirtschaft betrachtet werden, haben sich eng im Gleichlauf mit den Auftragseingängen des ISM Manufacturing PMI entwickelt, und beide bewegen sich nach oben.

Transportaktien im Vergleich zu den Auftragseingängen des ISM Manufacturing PMI

Quellen: FactSet, Piper Sandler und William Blair, Stand: 30.06.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Erträge. Verweise auf bestimmte Wertpapiere und deren Emittenten dienen ausschließlich der Veranschaulichung und sollten nicht als Anlageberatung oder als Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers verstanden werden.


Die Kreditvergabebedingungen erzählen eine ähnliche Geschichte: Die Auftragseingänge des ISM Manufacturing haben sich im Gleichlauf mit einer Lockerung der Kreditvergabestandards von Senior Loan Officers entwickelt. Dies deutet darauf hin, dass das Kreditumfeld zunehmend jene Industrie- und Fertigungsaktivitäten unterstützt, von denen Small-Cap-Unternehmen tendenziell überproportional profitieren.

Auftragseingänge des ISM Manufacturing im Vergleich zu den Kreditvergabestandards der Senior Loan Officers

Quellen: FactSet, Piper Sandler und William Blair, Stand: 30.06.2026. Die Senior Loan Officer Opinion Survey on Bank Lending Practices des Federal Reserve Systems liefert qualitative sowie in begrenztem Umfang quantitative Informationen über die Verfügbarkeit von Bankkrediten und die Kreditnachfrage sowie über sich verändernde Entwicklungen und Kreditvergabestandards auf den US-Kreditmärkten. Diese Datenreihe misst den Nettoprozentsatz der inländischen Banken, die ihre Kreditvergabestandards verschärfen.


Zusammengenommen deuten diese Indikatoren darauf hin, dass sich der makroökonomische Nebel, der seit der Pandemie auf Small Caps gelastet hat, zu lichten beginnen könnte und Small Caps erstmals wieder echten fundamentalen Rückenwind erhalten könnten, statt lediglich von einer engen, durch Investitionsausgaben getriebenen Rally zu profitieren.

Historisch betrachtet noch in einer frühen Phase

Das vielleicht überzeugendste Argument ist historischer Natur. Wenn wir in einen Zyklus eintreten, in dem Small Caps beginnen, Large Caps nachhaltig zu übertreffen, deutet die Geschichte darauf hin, dass wir uns möglicherweise noch in einer sehr frühen Phase befinden.

Betrachtet man die Kursentwicklung des Russell 2000 Value Index, so hat sich der Index in den vergangenen Jahren durch eine lange Phase richtungsloser Volatilität bewegt. Nachlassende Konjunkturhoffnungen, stark steigende Inflation, aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank, Stress im Bankensektor und schwankende Erwartungen hinsichtlich möglicher Zinssenkungen haben die Performance immer wieder beeinflusst, ohne dass sich daraus ein klarer Trend entwickelte. Erst in jüngerer Zeit hat der Index begonnen, festen Boden unter den Füßen zu gewinnen, zeitgleich mit der zunehmenden Marktbreite und der wiederauflebenden Begeisterung für die Profiteure der KI-Investitionsausgaben.

Bei einem noch längeren Betrachtungszeitraum bleibt das Kurs-Buchwert-Verhältnis des Russell 2000 Index gegenüber dem Russell 1000 Index3, ein langfristiger Indikator für die Bewertung von Small Caps relativ zu Large Caps, historisch niedrig. Trotz der jüngsten Outperformance von Small Caps hat die Anlageklasse im Vergleich zu früheren Zyklen noch erheblichen Aufholbedarf, darunter die Phase nach dem Platzen der Technologieblase und die Erholung nach der Finanzkrise. In beiden Zeiträumen entwickelten sich Small Caps über längere Zeit deutlich besser als ihre Large-Cap-Pendants.

Trotz der jüngsten Outperformance haben Small Caps noch einen weiten Weg vor sich

Quellen: Bank of America und William Blair, Stand: 30.06.2026. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Erträge. Die Indexperformance wird ausschließlich zu Illustrationszwecken dargestellt. Indizes werden nicht aktiv verwaltet, verursachen keine Gebühren oder Kosten und können nicht direkt als Anlage erworben werden. Small Caps werden durch den Russell 2000 Index repräsentiert, Large Caps durch den Russell 1000 Index.


Was bedeutet das für uns?

Die Geschichte des Jahres 2026 war bislang von Rotation geprägt: zunächst von Hyperscalern zu Halbleitern, dann von einer breit angelegten KI-Begeisterung hin zu einem selektiveren, von Investitionsausgaben getriebenen Trade und nun hin zu einer Indexdynamik, die unserer Ansicht nach mehr Aufmerksamkeit verdient.

Das geringere Technologie-Exposure des Russell 2000 Value Index, das nicht durch aktive Positionierung, sondern durch die mechanische Neuzusammensetzung entstanden ist, hat dazu geführt, dass er sich strukturell von allen anderen wichtigen Russell-Benchmarks unterscheidet, und das zu einem Zeitpunkt, an dem Sorgen über die Bewertungen von KI-Unternehmen weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Kombiniert man dies mit ersten Anzeichen eines echten makroökonomischen Wendepunkts, einem expandierenden ISM Manufacturing PMI, robusten Transportaktien und sich lockernden Kreditvergabestandards, sowie mit einer historischen Bewertungslücke zwischen Small und Large Caps, die nach jedem langfristigen Maßstab weiterhin groß ist, erscheint uns das Umfeld für Small-Cap Value interessanter, als es der jüngste Rückgang vermuten lässt.

Sollte sich der Zyklus zugunsten von Small Caps drehen, sprechen die Fundamentaldaten unserer Ansicht nach dafür, dass wir uns eher im ersten als im neunten Inning befinden.

Mark Goodman, CFA, ist Portfoliomanager im U.S. Value Equity Team von William Blair.

Greg Czarnecki ist Portfoliospezialist und Research Coordinator im U.S. Value Equity Team von William Blair.

Jack Sequerth ist Associate Portfolio Specialist im U.S. Value Equity Team von William Blair.

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Weitere beliebte Meldungen:

1 Der Russell 2000 Value Index misst die Wertentwicklung von US-Small-Cap-Unternehmen innerhalb des Russell 2000 Index, die vergleichsweise niedrigere Kurs-Buchwert-Verhältnisse und geringere erwartete Wachstumsmerkmale aufweisen.

2 Der ISM Manufacturing Purchasing Managers' Index (PMI) ist ein viel beachteter Indikator für die Aktivität des verarbeitenden Gewerbes in den USA, der vom Institute for Supply Management veröffentlicht wird. Ein Wert von über 50 signalisiert eine Expansion der Aktivität im verarbeitenden Gewerbe, während ein Wert von unter 50 eine Kontraktion anzeigt.

3 Der Russell 1000 Index misst die Wertentwicklung des Large-Cap-Segments des US-Aktienmarktes und umfasst rund 1.000 der nach Marktkapitalisierung größten US-Unternehmen. Der Russell 2000 Index misst die Wertentwicklung des Small-Cap-Segments des US-Aktienmarktes und umfasst rund 2.000 der kleinsten Unternehmen im Russell 3000 Index.

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