Halbleiterbranche: Versorgungskrise statt Erholung

Die Halbleiterindustrie profitiert massiv vom KI-Boom und stößt zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Engpässe bei CPUs und Speichern treiben Preise, Investitionen und den Ausblick der Branche. Warum sogar Smartphones und PCs von dieser Entwicklung betroffen sind. DPAM | 09.04.2026 09:38 Uhr
Eros Portillo Spetaliere, DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
Eros Portillo Spetaliere, DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Noch vor wenigen Monaten gingen die meisten Prognosen davon aus, dass die Halbleiterindustrie bis 2030 die Umsatzmarke von 1 Billion US-Dollar erreichen würde. Angesichts des derzeitigen Wachstums und hoher Speicherpreise dürfte die Branche diesem Ziel bereits im laufenden Jahr nahekommen. Der Markt ist in eine Phase eingetreten, die man als Versorgungsengpass bezeichnen kann.

Grund ist die anhaltend explosive Nachfrage nach Halbleitern im Zusammenhang mit dem Ausbau der KI-Infrastruktur. Im KI-Sektor werden die Investitions- und Umsatzprognosen weiterhin nach oben korrigiert, z. B. bei Nvidia, dem führenden Unternehmen im KI-Bereich. Die außergewöhnlich hohe KI-Nachfrage wirkt sich nun auch auf den Rest der Branche aus.

Engpässe bei CPUs

Ein Bereich, in dem KI bereits zu Versorgungsengpässen beiträgt, ist der CPU-Markt. Der Wandel hin zu Inferenz- und agentischer KI führt zu einer erheblichen Wende in der Nachfrage nach traditionellen Server-CPUs sowie zu einem Erneuerungszyklus bei traditionellen Servern durch Cloud-Anbieter. Laut AMD wird der Markt für Rechenzentrums-CPUs bis 2030 um durchschnittlich 18 % pro Jahr wachsen, verglichen mit 4 % im Zeitraum 2022–2024. Das Angebot muss sich nun an diese steigende Nachfrage anpassen.

Der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren wirkt sich allmählich auf das Angebot an Leistungs-Chips für Nicht-KI-Anwendungen aus. Dies treibt die Preise in die Höhe und trägt dazu bei, die erforderlichen Investitionen in zusätzliche Kapazitäten zu finanzieren.

Engpässe bei Speichern

Das bedeutendste Segment, das derzeit unter einem Versorgungsengpass leidet, ist der Speichermarkt. Insbesondere High-Bandwidth Memory (HBM) hat erhebliche Auswirkungen auf das effektive Angebot, da es pro Bit etwa dreimal so viel Waferkapazität verbraucht wie herkömmliches DRAM. Dieses Verhältnis dürfte zukünftig auf 4:1 steigen. Die DRAM-Branche hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Es ist derzeit unklar, wie der Sektor diesen erheblichen Versorgungsengpass ausgleichen wird.

Smartphone werden teurer

Bisher waren die Preise der Mechanismus, über den sich Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen. Kunden von KI-Rechenzentren sind jedoch weitaus weniger preisempfindlich. Daher ziehen die DRAM-Preise deutlich an. Diese Dynamik dürfte so lange anhalten, bis irgendwo auf dem Markt die Nachfrage reagiert. Diese Anpassung sollte sich zuerst in der Unterhaltungselektronik zeigen, wo PC- und Smartphone-Hersteller die Preise anheben dürften. Die jüngste Smartphone-Prognose deutet bereits auf einen zweistelligen Rückgang der Auslieferungen im Jahr 2026 hin, vor allem bei Smartphones der unteren und mittleren Preisklasse.

Angesichts der erheblichen Kapazitätsengpässe bei modernster Logik und Speicher planen die Chiphersteller für die kommenden Jahre Kapazitätserweiterungen und versuchen, so viel Kapazität wie möglich vorzuziehen. Dies führt zu einer deutlichen Beschleunigung des Zyklus im Bereich der Wafer-Fabrikausrüstung.

Es gibt zunehmend Anzeichen dafür, dass die Halbleiterindustrie einen normalen zyklischen Aufschwung hinter sich gelassen hat und in eine KI-getriebene, von Versorgungsengpässen geprägte Phase eingetreten ist. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur verknappt das Angebot in angrenzenden Kategorien, stärkt die Preismacht bei Speicher- und Leistungshalbleitern und zwingt zu weiteren Investitionen in die Kapazitäten.

Von Eros Portillo Spetaliere, DPAM

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.