Unmittelbar nach dem Angriff auf den Iran steuerten viele Anleger sichere Häfen an. Innerhalb kurzer Zeit setzte sich jedoch die Sorge vor steigender Inflation durch und hinterließ deutliche Spuren an den Märkten. Der globale Öl-Schock zählt zu den schwerwiegendsten der vergangenen Jahrzehnte: Was 2022 noch regional begrenzt blieb, hat diesmal globale Ausmaße. Besonders sichtbar wird dies an den Tankstellen. Noch nie schlugen höhere Ölpreise so rasch auf die Preise an den Zapfsäulen durch, entsprechend stark geraten Europas Verbraucher unter Druck.
Langsamer wirken sich die Gaspreise auf die Inflationszahlen aus. Allerdings dürften sie dort länger nachhallen als andere Energiepreise. Zugleich geht es nicht nur um Öl und Gas: Werden Düngemittel aus dem Nahen Osten knapper, könnten die Preise für Nahrungsmittel weltweit rasch steigen. Anleger sollten daher auch mögliche Zweitrundeneffekte im Blick behalten, denn die Erwartungen von Expertinnen und Experten erhöhen sich häufig erst mit Verzögerung.
Die Realwirtschaft bereitet sich unterdessen bereits auf steigende Inflationserwartungen vor. Unternehmen passen ihre Erwartungen für Verkaufspreise an, zunächst vor allem in energieintensiven Branchen, später auch in anderen Bereichen. Auch Verbraucher rechnen für die kommenden Monate mit deutlich steigenden Preisen. Offen bleibt allerdings, ob sie bereit sein werden, diese höheren Preise tatsächlich zu akzeptieren.
Von Lowie Debou, Fixed Income Fund Manager bei DPAM
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