- Konsolidierung im europäischen Verteidigungssektor stellt nach der außergewöhnlichen Neubewertungsphase eine kaufenswerte Pause in einem mehrjährigen Aufwärtszyklus dar
- Struktureller Wandel weg von traditioneller Hardware hin zu Resilienz, Konnektivität und Informationsüberlegenheit als zentralen strategischen Prioritäten
- Europa vollzieht den Übergang vom zyklischen Käufer zum strukturellen Wachstumsmarkt für Rüstungsunternehmen.
- ESG: Vom Ausschluss zur kontrollierten Einbeziehung; Paradigmenwechsel auch bei Artikel-9-Fonds
Geopolitische Zäsur seit 2022
Nach einem Jahrzehnt der Unterinvestitionen im Vergleich zu den USA holt die EU nun auf. Die Verteidigungsausgaben als Anteil am BIP steigen dramatisch an – insbesondere im Baltikum und in Polen. Für Investoren signalisiert dies einen mehrjährigen Wiederaufrüstungszyklus.
Die Nachfrage besteht nach Plattformen wie Landstreitkräfte, Luftstreitkräfte und Marine sowie nach Verbrauchsgütern wie Munition, Ersatzteile und Wartung.
Globale Rüstungsausgaben
Die weltweiten Militärausgaben steigen, wobei Europa und Asien einen besonders starken Anstieg verzeichnen. Deutschlands Verteidigungsausgaben, die EU-Initiative „Readiness 2030" sowie die auf dem NATO-Gipfel 2025 eingegangene Verpflichtung zu Verteidigungsausgaben von 3,5 % des BIP setzen klare Signale:
Die Ausgaben werden größer, schneller und koordinierter
Dies verbessert die Planbarkeit und stützt den nachhaltigen Nachfragezyklus im Verteidigungssektor
Europa vollzieht den Übergang vom zyklischen Käufer zum strukturellen Wachstumsmarkt für Rüstungsunternehmen.
Mehrjähriger Kapitalinvestitionszyklus
Die europäische Wiederaufrüstung mündet in einen mehrjährigen Investitionszyklus mit einem erwarteten jährlichen Wachstum (CAGR) von ca. 4,5 % bis 2028.
Höchste Wachstumssegmente:
Cyber: +8,8 % p.a.
Space: +7,6 % p.a.
Dies unterstreicht den strukturellen Wandel weg von traditioneller Hardware hin zu Resilienz, Konnektivität und Informationsüberlegenheit als zentrale strategische Prioritäten.
ESG: Vom Ausschluss zur kontrollierten Einbeziehung
Der Verteidigungssektor vollzieht einen Paradigmenwechsel im ESG-Bereich – auch bei Artikel-9-Fonds: Statt Ausschluss wird der Sektor nun aktiv gemanagt und in das Portfolio integriert.
Strategische Allokation statt Stigmatisierung
Strukturelles Umschichtungsthema
Bewertungen & Chancen-Risiko-Profil
Die Bewertungen haben sich verschoben und schaffen ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis. Es wird erwartet, dass das Gewinnwachstum weiter anhält, während die aktuellen Bewertungen wieder gesunken sind.
Aktuelle Herausforderungen: Defence De-Rating
Trotz bereits substanziell hoher Investments der Investoren ist der Sektor einer Neubewertung nach unten ausgesetzt. Ursachen:
Volatile Nachrichtenlage rund um die laufenden Kriege in der Ukraine und dem Iran
Engpässe bei Produktionskapazitäten
Nachfrageseitige Bremsen durch bürokratische Hürden
Verarbeitung der vorangegangenen Kursgewinne
Wettbewerb aus den USA und Asien
Gemischte Q1-Ergebnisse; Nachweise zu Lieferketten, Margenentwicklung etc. noch ausstehend
Fazit
Die Konsolidierung im europäischen Verteidigungssektor nach der außergewöhnlichen Neubewertungsphase stellt eine kaufenswerte Pause in einem mehrjährigen Aufwärtszyklus dar.
Der Sektor bewegt sich seit Mai 2025 seitwärts, doch das fundamentale Umfeld hat sich weiter verbessert.
Die strukturellen Aussichten auf der Nachfrageseite bleiben intakt.
Die Erwartungen haben sich normalisiert, die Positionierung wurde zurückgesetzt – jetzt kommt es auf Lieferfähigkeit, Margen und Cash-Generierung an.
Von Johan Van Geeteruyen, CIO Fundamental Equity von DPAM
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