Die jüngsten Konjunkturdaten machen Mut – vor allem die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone. Ihre Verbesserung steht im Einklang mit der Botschaft unserer eigenen Frühindikatoren, die für die kommenden Monate einen an Schwung gewinnenden Konjunkturverlauf anzeigen, von dem auch und vor allem Europa beziehungsweise Deutschland profitieren sollte. Als Folge davon dürften die Inflationserwartungen nach oben drehen und auch die Realzinsen einen Schub erfahren. Wir sehen daher die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen Ende des 3. Quartals wieder über 3,00% und rechnen anschließend mit einem Vordringen in die Region 3,25% bis 3,50%. Ohne Absicherung drohen hier schmerzhafte Kursverluste.
Auch die Aktienmärkte werden von konjunktureller Seite neuen Auftrieb erhalten. Kürzlich verdarb den Anlegern zwar die Ankündigung einer 25 Mrd. US-Dollar schweren Anleiheemission von SpaceX temporär die Laune. Der hohe Kapitalbedarf weckte einmal mehr die Sorge vor einer Investitionsblase im KI-Bereich und nahm anschließend den gesamten Tech-Sektor in Geiselhaft. Vor allem die bisherigen Highflyer (Japan und Südkorea) litten unter Gewinnmitnahmen. Die Investitionen in Sachkapital und Zukunftstechnologien sind jedoch mindestens im ersten Schritt positiv zu werten, weil sie das Wirtschaftswachstum antreiben und zugleich das künftige Produktivitätspotenzial steigern. In den USA stehen die Unternehmensinvestitionen im 1. Quartal gemäß finaler Schätzung für die Hälfte des gesamten BIP-Wachstums (1,1%-Punkte von 2,2%) – der Großteil davon mit direktem IT-/KI-Bezug. Die Produktivität legte im 1. Quartal 2026 um 3,0% gegenüber dem Vorjahr zu – deutlich stärker als im langfristigen Durchschnitt (gut 2,0%). Und das wiederum ist die Basis für ein beschleunigtes Wachstum der Unternehmensgewinne.
Keine Anzeichen für erhöhte Rückschlagsgefahr bei Aktien
Das übergeordnete Makrobild bleibt mithin konstruktiv. Hinzu kommt, dass der Gegenwind von den Bewertungen zuletzt nachgelassen hat. Der MSCI World wird aktuell mit einem Forward PE von 20 bewertet, was nur noch rund 10% über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt. Anfang 2026 waren es noch 20%, Ende 2020 sogar 30%. Damit fällt die Überbewertung moderat, aber nicht mehr extrem aus. Auch die Sentimentindikatoren zeigen keine Anzeichen von Euphorie und liefern kein Argument für eine erhöhte Rückschlagsgefahr.
Wir bleiben daher in der Asset Allocation offensiv ausgerichtet: Aktien sind unverändert übergewichtet. Regionale Schwerpunkte setzen wir weiterhin in Europa und den Emerging Markets, der sektorale Fokus liegt auf den zyklischen Branchen (Industrie und Grundstoffe) sowie dem Bereich Infrastruktur. Der Size-Faktor spielt momentan eher eine negative Rolle: Während Mid Caps und Large Caps in der Betrachtung seit Jahresanfang auf Augenhöhe rangieren, fallen Small Caps immer weiter zurück. Hier scheint es den Investoren an Vertrauen in die Resilienz gegenüber den ständigen geopolitischen Störfeuern zu fehlen. Aus Bewertungssicht sind Small Caps zwar sehr attraktiv, aber für eine Übergewichtung fehlt entsprechendes Momentum.
Gold hat noch Aufwärtspotenzial
Auch wenn wir aktuell nicht mit einer Krise rechnen, bleibt Gold für uns eine wichtige Beimischung im Portfolio. Denn obwohl wir schon lange im Lager der Goldbullen sind, sehen wir hier nach wie vor Aufwärtspotenzial. Dafür sprechen die großvolumigen Käufe der Zentralbanken ebenso wie die ausufernde Staatsverschuldung und die geopolitische Großwetterlage.
Unter dem Strich sollten Risikoassets trotz hoher Bewertungen auf der Überholspur bleiben. Wir gehen deshalb mit einer moderat offensiven Aufstellung in das 2. Halbjahr 2026.
Von Dr. Harald Preißler, Kapitalmarktstratege bei BANTLEON
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