Ein erneuter Benzinpreisschub treibt den Gesamtindex
Wir gehen im August von einem saisonbereinigten Anstieg des US-Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vormonat von 0,40% aus, nach lediglich 0,07% im Juli. Die Beschleunigung geht zu einem großen Teil auf die Energiepreise zurück. Aber auch Nahrungsmittel und der Kernindex (+0,24% nach +0,22% im Juli) gewinnen wieder etwas an Dynamik.
Die Headline-Jahresrate dürfte damit bei 3,4% verharren, die Kernrate leicht von 2,5% auf 2,4% nachgeben. Die Risiken zu unserer Prognose sehen wir insgesamt als ausgewogen an: Nach oben wirken die Weitergabe der neuen – leicht erhöhten – Zolltarife und ein möglicher Nachholeffekt bei den Hotelpreisen, nach unten die Gebrauchtwagenpreise und die Flugtickets, bei denen die Saisonbereinigung im August traditionell dämpft.
Der Konsens geht derzeit ebenfalls von 0,4% (Headline) bzw. 0,2% (Kern) aus. Beim Kernindex dürften wir jedoch mit 0,24% am oberen Rand der aktuellen Schätzungen liegen.
Energie
Die Energiepreise dürften im August um 2,50% zugelegt haben, nach einem Rückgang um 1,5% im Juli. Ausschlaggebend dafür sind einmal mehr die Kraftstoffpreise, die um gut 3% angestiegen sind (Monatsmittel 4,06 nach 3,93 US-Dollar je Gallone).
In saisonbereinigter Rechnung ergibt sich daraus sogar ein Plus von rund 4,7% (nach -3,0% im Juli), denn normalerweise verbilligt sich Benzin im August (Ende der »Driving Season«). Dass der Benzinpreis trotz eines nur moderat gestiegenen Ölpreises so deutlich anzog, hat zwei Gründe: den Zeitverzug, mit dem der Ölpreissprung von Ende Juli erst im August die Tankstellen erreichte, und die Rekordmargen der Raffinerien, die auch den Dieselpreis um rund 10% nach oben trieben.
Unterdessen setzen die Strompreise ihren flachen Aufwärtstrend fort (+0,1%, wie im Juli), gestützt von vereinzelten Tariferhöhungen zum 1. August. Bei Erdgas kehrt sich der Anstieg der Vormonate dagegen um (-0,45% nach +0,7%). Grund sind die im Juli um rund 8% gefallenen Großhandelspreise, die mit der üblichen Verzögerung auf die Haushaltstarife durchschlagen.
Die US-Gaspreise entwickeln sich damit gegenläufig zu den europäischen. Insgesamt erklärt Energie – aufgrund des Benzinpreisschubs – knapp die Hälfte des Headline-Anstiegs (ca. 0,18 Prozentpunkte).
Nahrungsmittel
Bei den Nahrungsmitteln erwarten wir eine Beschleunigung auf +0,25% (nach +0,08% im Juli). Der Juli-Wert war durch zwei Sondereffekte gedrückt, die sich nicht wiederholen dürften: den Einbruch der Salatpreise um 16% infolge einer Lebensmittelwarnung und den Rückgang der Fleischpreise um 0,7%.
Hier sollte im August eine Gegenbewegung folgen, zumal die Rindfleisch-Großhandelspreise aktuell anziehen. Zusätzlichen Auftrieb liefern Tomaten – belastet durch Frostschäden in Florida – sowie Avocados, deren Einfuhr aus Mexiko wegen vorübergehend ausgesetzter US-Inspektionen unterbrochen war.
Die Restaurantpreise laufen mit +0,28% stabil weiter, getragen von den Mindestlohnerhöhungen zum 1. Juli. Ein dämpfender Faktor sind weiterhin Milchprodukte, deren Preise von der Rekordproduktion gedrückt werden.
Fasst man alles zusammen, sollte der Teuerungsdruck bei Nahrungsmitteln nach dem Durchhänger im Juli wieder robust ausfallen. Angesichts der gestiegenen Diesel- und Transportkosten sehen wir überdies die Risiken als aufwärtsgerichtet an.
Industriegüter (ohne Energie)
Die Teuerung bei den Kerngütern dürfte sich nach dem Sprung im Juli (+0,2%) auf +0,10% verlangsamen. Der Rückgang geht nahezu vollständig auf die Gebrauchtwagen zurück: Nach +0,4% im Juli erwarten wir hier ein Minus von 0,4%, da die Großhandelspreise seit ihrem Hoch im März um knapp 4% gefallen sind und mit der üblichen Verzögerung von ein bis zwei Monaten an die Verbraucher weitergegeben werden (vgl. Abbildung 1).

Bei den Neuwagen (+0,1%, wie im Juli) bremsen weiterhin vergleichsweise hohe Herstellerrabatte den Preisanstieg. Der Zolleffekt lässt indes nicht nach, sondern erhält einen zweiten, kleineren Impuls: Am 24. Juli hat ein Section-301-Zoll von 12,5% den ausgelaufenen Pauschalzoll von 10% abgelöst, und der August ist der erste Monat, in dem dieser mit der üblichen Verzögerung in den Regalpreisen ankommt.
Bei Bekleidung rechnen wir daher mit einer Beschleunigung auf +0,3% (nach +0,1% im Juli), zumal Gap, Levi's und Columbia die Zollkosten inzwischen über Listenpreiserhöhungen weitergeben (vgl. zum anhaltenden Preisdruck bei Bekleidung Abbildung 2). Sportartikel, Haushaltsgeräte und Autoteile sind ebenfalls vom Zolleffekt betroffen.

Schließlich hält auch bei Computern und Zubehör der Preisdruck wegen der weltweiten Knappheit bei Speicherchips weiter an (unsere Prognose: +1,8% nach +3,5% im Juli). Gegenläufig wirken die Medikamente, die mit -0,45% (nach -0,6%) den sechsten Monat in Folge nachgeben sollten; die seit Januar geltenden Medicare-Verhandlungspreise wirken hier weiter preisdämpfend.
Insgesamt stehen die Industriegüter unter Teuerungsdruck. Die gegenläufigen Effekte bei Gebrauchtwagen und Medikamenten verhindern aber noch einen stärkeren Preisanstieg.
Mieten/Unterkünfte
Bei der Shelter-Komponente rechnen wir mit einem Anstieg um +0,27% (nach +0,14% im Juli). Die Beschleunigung ist allerdings kein Signal für neuen Mietdruck, sondern spiegelt das Ende zweier Ausreißer bei den Beherbergungsdienstleistungen: Die Hotelpreise waren im Juni und Juli saisonbereinigt um 2,3% bzw. 2,8% eingebrochen, weil die Fußball-Weltmeisterschaft die üblichen Nachfragemuster verzerrt hatte.
Für den August erwarten wir hier eine weitgehend flache Entwicklung. Diese Position ist einer der größten Swing-Faktoren des CPI-Berichts. Die eigentlichen Mieten laufen dagegen seitwärts: Eigenmietwert (OER) und Bestandsmieten dürften mit +0,26% bzw. +0,27% praktisch auf dem Vormonatsniveau liegen (jeweils +0,26% im Juli).
Die Indizes für Neuvertragsmieten (z.B. Zillow) haben zwar inzwischen nach oben gedreht, doch dieser Impuls erreicht den Verbraucherpreisindex erst mit einem Verzug von 9 bis 15 Monaten, und der weiterhin hohe Leerstand von 7,3% bremst die Weitergabe.
Die Disinflation bei den Mieten ist mithin zum Stillstand gekommen, ohne dass bereits eine Beschleunigung eingesetzt hätte.
Service ohne Mieten (Supercore)
Bei den Dienstleistungen ohne Mieten gehen wir von einem Anstieg um 0,30% aus (nach +0,19% im Juli), was weitgehend dem jüngsten Trend entspricht.
Die Kfz-Versicherung dämpft unverändert (-0,3%, wie im Juli), allerdings längst nicht mehr so stark wie im Mai und Juni (-1,7% bzw. -2,0%): Die 2025 eingereichten Prämiensenkungen der großen Versicherer wirken noch nach, im Hintergrund baut sich aber bereits neuer Kostendruck auf (unter anderem Rekord bei den Totalschadenquoten).
Bei den Gesundheitsdienstleistungen (+0,32% nach +0,56%) bleiben Krankenhäuser (+0,45%) und Arztleistungen (+0,35%) verlässliche Treiber, da die Kosten der Anbieter weiter schneller steigen als ihre Erlöse.
Bei den Flugtickets erwarten wir nach dem kräftigen Juli (+2,2%) einen weiteren Anstieg, sind aber vorsichtiger, als es die Rekordauslastung und das knappe Sitzangebot nahelegen, weil die Saisonbereinigung den August-Wert in den vergangenen Jahren regelmäßig gedrückt hat.
Strukturell aufwärtsgerichtet bleiben die Kfz-Reparaturen (+0,65%), wo Zölle auf Ersatzteile und der Mangel an Technikern die Preise treiben.
Das Hauptabwärtsrisiko dieses Abschnitts liegt bei den Flugtickets, das Hauptaufwärtsrisiko in einer früheren Wende bei den Kfz-Versicherungen.
Ausblick: Preisdruck bleibt hoch, die Fed unter Zugzwang
An unserem Inflationsausblick hat sich wenig geändert: Der Preisdruck bleibt hoch. Für die Kernrate unterstellen wir weiterhin ein monatliches Plus von rund 0,25%.
Bei den Mieten dürfte der Seitwärtstrend zunächst anhalten, bevor die gedrehten Neuvertragsmieten und das schrumpfende Neubauangebot den Index im Verlauf von 2027 wieder nach oben ziehen.
Bei den Kfz-Versicherungen läuft der Disinflationstrend aus, und bei den Krankenversicherungsprämien steht ebenfalls eine Umkehr nach oben bevor. Hohe Transport- und Energiekosten, die seit dem Sommer messbare Zollweitergabe und die Speicherchip-Knappheit sorgen für anhaltenden Kostendruck.
Hinzu kommt unsere über dem Konsens liegende Konjunkturprognose – wir erwarten eine anhaltende Investitionsbelebung bis Mitte 2027 und ein Wachstum um 2,5% –, die den Unternehmen Spielraum für Preisüberwälzungen verschafft. Die Risiken für die Kernrate sehen wir daher eher nach oben gerichtet.
Auch die jüngste Einkaufsmanagerumfrage im Dienstleistungssektor unterstreicht die Teuerungsgefahren: Der Teilindex für die Inputkosten stieg auf ein 4-Jahres-Hoch (vgl. Abbildung 3).

Bei den Energiepreisen rechnen wir für September mit einem weiteren Plus von rund 1,5%, weil die saisonbereinigten Benzinpreise bei stabilem Ölpreis weiter steigen; danach dürften sie bei einem Ölpreisrückgang um 15% bis 20% über das vierte Quartal um kumuliert 3% bis 4% sinken.
Bei den Nahrungsmitteln erwarten wir monatliche Zuwächse von 0,25% bis 0,30%, mit Aufwärtsrisiken durch steigende Preise bei verschiedenen Agrarprodukten (unter anderem Kaffee, Zucker, Eier) und Zweitrundeneffekten der höheren Energie- und Zollkosten (vgl. Abbildung 4).

Unter diesen Annahmen läge die Headline-Rate Anfang 2027 bei etwa 3,3% und damit faktisch unverändert gegenüber heute, die Kerninflation mit rund 2,8% etwas höher als heute. Das wichtigste Abwärtsrisiko ist eine Entspannung in der Straße von Hormuz, die den Energiekostendruck rasch ins Gegenteil drehen würde.
Trifft der August-Inflationsbericht in etwa so ein, wie wir es vorhersagen, dürfte das für die Fed ausreichen, um im Rahmen der kommenden Sitzung (16. September) die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 3,75% bis 4,00% anzuheben.
Ein Anstieg des Kernindex um knapp 0,25% wäre zwar kein völlig alarmierendes Ergebnis, ein nachhaltiges Entspannungssignal ließe sich daraus aber nicht ableiten. In Jackson Hole hat Kevin Warsh genau das gefordert: eine klare Tendenz, dass die Inflationsrate in Richtung 2,0% zurückkehrt.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG
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