Auswirkungen des wachsenden KI-Sektors auf den Arbeitsmarkt

PGIM | 31.10.2025 08:49 Uhr
Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income / © e-fundresearch.com / PGIM
Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income / © e-fundresearch.com / PGIM

Die Auswirkungen der KI-Investitionen auf das BIP-Wachstum der USA beliefen sich in der ersten Hälfte des Jahres 2025 auf etwa 60 Basispunkte (etwa 35% des Wachstums). Wir gehen davon aus, dass dieser Aufschwung mindestens für die nächsten 12 Monate anhalten wird. Infolgedessen werden wir unsere modale Prognose für das BIP-Wachstum der USA für 2026 wahrscheinlich von 1,3% anheben. Ein anhaltender Boom – sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte und die politische Debatte – könnten auch die Produktivität, das Trendwachstum und die Entwicklung der US-Verschuldung positiv beeinflussen.

Die Auswirkungen der KI auf die Arbeitsbedingungen sorgen weiterhin für Schlagzeilen und könnten sich auch auf die Inflation auswirken. Da etwa 40% der Arbeitsplätze weltweit von KI betroffen sind, ist einer der wichtigsten Effekte für die am stärksten betroffenen US-Sektoren wie Technologie und Datenverarbeitung ein schnelleres Produktivitätswachstum im Vergleich zum bisherigen Trend. Das heißt, derzeit steigert die KI die Produktivität in diesen Bereichen, anstatt Arbeitsplätze zu verdrängen. Dies führt auch zu einem beschleunigten Lohnwachstum und trägt möglicherweise zu einer hartnäckigen Inflation in den Sektoren bei, die am stärksten von der Einführung der KI betroffen sind. 

Allerdings sind Arbeitnehmer, die am Anfang ihrer Karriere in gefährdeten Branchen stehen, stärker betroffen. So ist der Anstieg der Arbeitslosenquote beispielsweise bei Technikern im Alter von 20 bis 30 Jahren viel stärker als die Gesamtquote der Branche. Einige Studien haben ergeben, dass die Beschäftigung von Berufseinsteigern in den am stärksten gefährdeten Berufen im Vergleich zu anderen Branchen um 13% zurückgegangen ist.

Die weiterreichenden Verteilungseffekte der KI werden sich auch künftig auf die Energiepreise, die Vermögensbildung und die Konsumausgaben auswirken. Das bedeutet, die Segmentierung der Bevölkerung wird sich voraussichtlich weiter verstärken. Dieser Effekt könnte auch weltweit zu beobachten sein, da in Entwicklungsländern ein hoher Anteil der Arbeitsplätze mit KI automatisiert werden kann und diese Länder relativ wenig darauf vorbereitet sind.

Angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA – und der Präsidentschaftswahlen 2028 – sollte auch die politische Gegenreaktion gegen KI beobachtet werden. Diese politischen Reaktionen könnten verschiedene Formen annehmen, beispielsweise Umschulungen für Arbeitnehmer, Abgaben auf Algorithmen, kartellrechtliche Maßnahmen und/oder Verstaatlichungen.

Von Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income

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